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Offene Fragen zum Bergsturz Bondo: Gespräch mit der Autorin Stefanie Hablützel
Aus Regionaljournal Graubünden vom 23.04.2021.
abspielen. Laufzeit 05:47 Minuten.
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Unglück von Bondo Behörden haben Hinweise auf Bergsturz-Katastrophe ignoriert

Aussagen von Angehörigen und bisher nicht bekannte Dokumente wecken Zweifel an der Arbeit von Behörden und Justiz.

Die Aufarbeitung des Bergsturzes im Bergell vom August 2017 zeigt: Die Behörden haben deutliche Hinweise auf eine bevorstehende Katastrophe ignoriert. Der Tod von acht Menschen hätte verhindert werden können. Das berichtet heute der «Beobachter», Link öffnet in einem neuen Fenster.

Deutliche Alarmzeichen

Gestützt auf Gespräche mit Angehörigen der Toten und auf bisher nicht bekannte Dokumente zeichnet der «Beobachter» die Geschehnisse rund um den Bergsturz von Bondo im Bündner Südtal Bergell nach. Ihre Aussagen und die Akten wecken starke Zweifel am Entscheid der Behörden, das Bondesca-Tal offen zu lassen, wo beim Bergsturz acht Berggänger starben.

Messungen ergaben frühzeitig, dass es am Piz Cengalo zu grossen Gesteinsverschiebungen gekommen war. Der zuständige externe Geologe hatte deshalb schon zwei Wochen vor dem tragischen Ereignis ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Tal gesperrt werden müsse.

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Bergsturz erschüttert Bondo im Bergell
Aus Tagesschau vom 23.08.2017.
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Zudem müsse der Berg permanent überwacht werden, schlug er in einer Mail an das Bündner Amt für Wald und Naturgefahren vor, das dem «Beobachter» vorliegt. So könne man ein grosses Ereignis «Tage bis Stunden» voraussehen. Doch das kantonale Amt kam nach einer Überprüfung vor Ort zu einer anderen Einschätzung, es verzichtete auf eine Radarüberwachung und empfahl der Gemeinde Bergell, das Tal nicht zu sperren.

Warn-Mail des Geologen

Brisant: Der Krisenstab der Gemeinde hatte im Vorfeld des Bergsturzes offenbar nicht alle Informationen auf dem Tisch. Die damalige Gemeindepräsidentin und heutige FDP-Nationalrätin Anna Giacometti erklärte gegenüber der Staatsanwaltschaft schriftlich, sie habe erst ein halbes Jahr später vom fraglichen Warn-Mail des Geologen erfahren.

Video
Bondo – ein Jahr danach
Aus Tagesschau vom 13.08.2018.
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Die Recherchen werfen auch Fragen zum Vorgehen der Bündner Justiz auf, 2019 hatte die Bündner Staatsanwaltschaft die Untersuchung über die Umstände des Bergsturzes nach zwei Jahren eingestellt. Begründung: Das Ereignis sei nicht vorhersehbar gewesen. Diesen Februar kassierte das Bundesgericht die Einstellungsverfügung jedoch und verlangte «eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Ausstandsproblematik».

Stefanie Hablützel

Stefanie Hablützel

Redaktorin Regionaljournal Graubünden

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Stefanie Hablützel ist Autorin des Artikels zum Bergsturz von Bondo in der Zeitschrift «Der Beobachter». Sie arbeitet auch als Produzentin und Redaktorin für das «Regionaljournal Graubünden» von Radio SRF.

Die Staatsanwaltschaft hatte sich bei ihrem Entscheid vor allem auf einen Bericht des Amts für Wald und Naturgefahren gestützt. Dort wirkten gemäss Bundesgericht mehrere Personen mit, «die als Beschuldigte im vorliegenden Verfahren in Frage kommen». Gegenüber dem «Beobachter» sagte Strafrechtsprofessor Felix Bommer von der Universität Zürich: «Jetzt müssen Experten ausserhalb der Verwaltung zu Wort kommen.»

SRF 4 News, 23.04.2021, 08.38 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Hans-Peter Meier  (FromAnotherWorld)
    Wenn man auf jede Warnung hören würde, dann wäre alles verboten.
  • Kommentar von Andreas Buser  (AnMaBu)
    So kann's gehen, wenn die Politik die Erkenntnisse und Empfehlungen der Wissenschaft nicht ernst nimmt.
  • Kommentar von thomas huber  (hume.huber)
    Als Berggänger weis ich, dass ich mich bei jeder Bergtour in Gefahr begebe. Alle die dies nicht begreifen oder das nicht wahr haben wollen, haben am Berg nichts zu suchen. Mit solchen Finesse kommen wir nicht weiter und da können die Redaktoren des Beobachter schreiben was sie wollen, jeder der in die Berge geht muss mit Risiken rechnen. Man kann nicht immer die Regierung, Amtsträger und ein Kanton verantwortlich machen. Hier ist Selbstverantwortung angebracht wie in der Corona-Krise.
    1. Antwort von Alfred Reist  (Fredi)
      Absolut meine Meinung !
    2. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Das sehe ich, passionierte Bergwandererin, genauso. Die Mär vom Tod, der sich verhindern liesse, entspringt einer gänzlich durchtechnisierten Weltanschauung. Es braucht keinen Bergsturz. Ein bisschen Steinschlag reicht aus, wenn es sein muss. Ein Fehltritt ebenso.
    3. Antwort von Susanne Saam  (Biennoise)
      hume.huber, Fredi und Swissmiss- ich sehe einen Unterschied zwischen dem allgemeinen Risiko in den Bergen und dem Wissen um grosse Gesteinsverschiebungen, das ignoriert wird.