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Vorsicht: Realäx heisst jetzt Helvetia GmbH
Aus Espresso vom 09.10.2020.
abspielen. Laufzeit 05:40 Minuten.
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Unseriöse Praktiken Helvetia GmbH: Abzocke mit Notfall-Handwerksservice

Die frühere Realäx GmbH zieht Kunden mit überrissenen Preisen und schlechtem Service über den Tisch.

Überrissene Preise, erzwungene Barzahlung und stümperhafter Service. Das ist das Fazit vieler frustrierter Kunden, die auf einer der Webseiten der Firma Realäx einen Notfallhandwerker bestellt haben. Sei es für Sanitärdienstleistungen, Kanalreinigung oder Schlüsseldienst.

Eine Stunde kostet über 2000 Franken

Einer Hörerin aus Winterthur verstopft am Abend das WC. Sie sucht im Internet nach einem Notfall-Sanitär und stösst auf die Firma Realäx. Kurz darauf stehen zwei junge Männer in ihrer Wohnung, mit einem Vertrag, den sie vorab unterschreiben muss. Mindestens 600 Franken müsse sie für den Einsatz rechnen, heisst es. Eine Stunde später der Schock: Es kostet 2320 Franken. Zahlbar sofort.

Heikle Seiten

Die Realäx bzw. Helvetia GmbH versteckt sich unter anderem hinter diesen Websites:

  • Sanitär-24h.ch
  • kanalreinigung-24.ch
  • Schlossprofi24.ch

Dasselbe passiert einer Hörerin aus dem Kanton Zürich. Bei ihr ist der Keller überflutet. Weil ihr lokaler Handwerker in den Ferien ist, findet sie auf der Seite Kanalreinigung-24.ch Hilfe, hinter der ebenfalls Realäx steht. Kostenpunkt für eine Stunde Arbeit: 1000 Franken. Doch der Job ist schlampig erledigt und ihr lokaler Handwerker muss nochmals kommen. Dort kostet die praktisch gleiche Arbeit 250 Franken, vier Mal weniger.

Alte Masche, neuer Name

Bereits im Herbst 2019 berichtete der «Kassensturz» über die Abzocke von Realäx als Schädlingsbekämpfer. Damals gelobte der Geschäftsführer Besserung. Doch die Firma zieht weiterhin fröhlich Kunden über den Tisch. Und hat kürzlich den Namen gewechselt.

Leider zu spät bemerkte dies ein Hörer aus dem Kanton Aargau. Bei seinem 75-jährigen Vater verstopft an einem Samstag ein Abfluss. Er findet Hilfe auf kanalservice-24.ch und erlebt mit der Firma Handwerkerdienstleistungen Helvetia GmbH aus Salenstein das Gleiche, wie viele vor ihm. Besonders dreist: Weil er kein Bargeld im Haus hat, wollen ihn die Handwerker höchstpersönlich zum Bancomat begleiten.

Zum Glück beharrt der 75-Jährige auf einer Rechnung, während sein Sohn im Internet recherchiert. Unter Helvetia GmbH findet er nichts Verdächtiges. Doch auf dem Einzahlungsschein findet er den alten Namen, Realäx, und stösst so auf den Bericht des «Kassensturz».

Er zerreisst die unverschämte Rechnung, schaltet via Rechtsschutz einen Anwalt ein – und hört nichts mehr. Er meint: «Es ist unglaublich, dass eine Firma einfach so den Namen ändert und einfach so weitermacht.»

Tipp: Handwerkerliste für den Notfall

Für den Verband der Gebäudetechniker, der auch die Sanitäre vertritt, ist das ein Ärger und schlecht für den Ruf einer ganzen Branche. Aber natürlich vor allem schlecht für jene, die laufend auf die Masche reinfallen.

Der Tipp von Christian Brogli vom Verband Suissetec: «Ein seriöser Handwerker wird sicher nicht als erstes einen Vertrag unterschreiben lassen, auf Sofortzahlung bestehen oder gar jemanden zum Bancomat begleiten.» Er empfiehlt Haus- und Wohnungsbesitzern dringend eine Handwerkerliste für den Notfall parat zu haben, mit seriösen Handwerkern aus der Region.

Helvetia GmbH reagiert nicht auf Anfragen

Der Geschäftsführer Osman Bakkal, wohnhaft in Deutschland, ist einschlägig bekannt. Er wurde vom Amtsgericht Köln vor fünf Jahren wegen Wucher verurteilt. Auch bei der Schweizer Polizei sind diverse Anzeigen gegen die Firma eingegangen. Die Staatsanwaltschaft der Stadt Zürich ermittelt in dieser Sache. Was genau, kann sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Vor einem Jahr versprach Osman Bakkal gegenüber «Kassensturz», es werde alles besser. Mittlerweile reagieren weder er noch jemand anderes seiner GmbH auf Anfragen des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso».

Espresso, 09.10.2020, 08:13 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Typisch, wenn Handwerkerfirmen in Deutschland bereits einen schlechten Ruf haben und man ihre bekannten Tricks der Abzocke kennt verlagert man sich in die Schweiz und zockt Geld unter verschiedenen Firmennamen ab. Da solche Firmen langsam auch bei uns bekannt sind und Schaden anrichten ist es unverständlich, dass man ihnen kein Arbeitsverbot in der Schweiz auferlegt. Diesen Kriminellen muss Einhalt geboten werden. Die Schweiz reagiert viel zu langsam, das wird ausgenutzt.
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  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    600 Franken könnte ja noch sein aber nicht einfach im voraus bei einer solchen Arbeit auf Regie.
    Und dann darf eine Offerte nur +-10% abweichen. Wer so was unterschreibt ist halt selber Schuld.
    Wiso so eine Firma einfach weiterfahren kann ist mir schleierhaft, das ist Kriminell aber eben in diesem Land wurden noch nie Opfer geschützt, immer nur Täter.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Also eine superspezialisierte Firma aus DE, die es immer mehr in CH gibt, im Rahmen der PFZ mit 8tägiger Meldepflicht, nach dem RA wird es gerade mal 3 Tage, bis diese Firmen "ausharren" müssen, um gutes Spezialistenservice zu bieten. Dem Konsumenten fällt es schwer, Spreu vom Weizen zu trennen... Ich frage mich wieder, wie unter anderen Artikeln, warum sich solche Artikeln erst nach dem 27. September häufen, wobei die Tatbestände schon vor der Abstimmung hinlänglich bekannt waren.
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    1. Antwort von Mark Stalden  (Mark)
      Eher ein Einzelbeispiel als die Typische Deutsche Firma in der Schweiz. Aber ein bisschen über die PFZ Wettern ist doch schön nicht. Die PFZ die bereits 7 mal vom Volk bestätigt wurde, doch auch sie scheinen Mühe zu haben Abstimmungen zu Akzeptieren.
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    2. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Sie wollen also einen wichtigen Vertrag und an ihn gekoppelt mehrere andere wichtige Verträge, aufkündigen, weil es betrügerische Firmen gibt? Die findet man auch in der Schweiz zuhauf. Etwas mehr differenzieren sollte schon noch drin liegen, oder?
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