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Schwerer Unfall auf A3 zwischen Bözbergtunnel und Effingen
Aus Schweiz aktuell vom 27.11.2019.
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Unterstützung nach Unfällen «Polizisten werden darin geschult, ihre Seele zu schützen»

Unfälle wie derjenige im Bözbergtunnel können für Polizisten traumatisierend wirken. Ein Seelsorger im Gespräch.

Der Unfall beim Bözbergtunnel am Mittwoch mit drei Toten bewegt die Schweiz. Ein SUV hatte ein anderes Auto gerammt und in einen Lastwagen geschoben. Die Insassen des Autos hatten keine Chance. Der Unfallverursacher wurde festgenommen und es wurde ein Verfahren eingeleitet. Für die Polizisten vor Ort stellen solche Tragödien jeweils eine schwere Belastung dar. Polizeiseelsorger Robert Knüsel-Glanzmann über die psychologische Aufarbeitung und die Wichtigkeit seiner Arbeit.

Robert Knüsel-Glanzmann

Robert Knüsel-Glanzmann

Theologe und Seelsorger

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Nach der Matura studierte er Theologie und war anschliessend in der Jugendarbeit Deutschschweiz sowie in Fachstellen für die Förderung kirchlicher Berufe der Schweizer Bistümer tätig. Als Gemeindeleiter wirkte Knüsel-Glanzmann in den Pfarreien Büron-Schlierbach LU, Suhr-Gränichen AG und bis Oktober 2016 fünf Jahre in Buchrain-Perlen LU. Seit 2016 ist er mit einem Pensum von 30 Prozent Seelsorger bei der Luzerner Polizei und der Feuerwehr Stadt Luzern.

SRF News: Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als sie vom gestrigen Unfall gehört haben?

Robert Knüsel-Glanzmann: Solche Unfälle sind schrecklich. Als ich die Meldung sah, gingen mir vor allem Fragen durch den Kopf: Wie konnte dies passieren? Was bedeutet dies für die Angehörigen der Unfallopfer? Und aus Sicht des Polizeiseelsorgers besonders auch: Was heisst das für die Polizei-Patrouillen, die im Einsatz waren?

Wie läuft eine Seelensorge ab?

Mir ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die meisten Polizeicorps ausgebildete Psychologinnen und Psychologen haben, welche für die psychologische Betreuung der Polizistinnen und Polizisten da sind. Zudem gibt es in vielen Corps eine «Gruppe Peers», welche nach schwierigen Ereignissen zum Einsatz kommen. Die Gruppe «Peers» (engl. «Gleiche») stellt mittels speziell ausgebildeter Mitarbeitenden die psychologische Notfallintervention innerhalb der Polizei sicher. Peers gibt es übrigens auch bei der Feuerwehr und anderen Organisationen.

Autowrack Auf Autobahn.
Legende: Der Unfall bei Effingen forderte drei Todesopfer. Keystone

Sie sind erste Anlaufstelle nach Einsätzen mit traumatisierendem Potential, beispielsweise nach einem Unfall mit mehreren Toten oder bei Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten mit physischen oder psychischen Folgen. Ich wirke als Polizeiseelsorger in dieser Gruppe mit und beteilige mich ganz praktisch bei ihren Einsätzen. Wichtig ist, dass die von den Peers geleiteten Gespräche in einem geschützten Rahmen und möglichst bald nach dem Ereignis stattfinden.

Wie hoch sind die Chancen, dass Polizisten «geheilt» werden können?

Wie ein Polizist mit einem schweren Unfall umgeht, ist zunächst natürlich sehr persönlich. Wichtig ist auch zu sagen, dass die Polizisten in ihrer Ausbildung diesbezüglich geschult werden, auch zur Frage, wie man sich ergänzend zur persönlichen Ausrüstung, welche den Körper vor Verletzungen schützt, innerlich abgrenzen und die eigene Seele vor Verletzungen schützen kann.

Ich bin für die Polizisten 24 Stunden, sprich rund um die Uhr erreichbar.

Darauf weise ich bei meinen persönlichen Begegnungen die Polizistinnen und Polizisten als Polizeiseelsorger immer wieder hin.

Was sind ihre Arbeiten als Polizeiseelsorger?

Ich bin für die Polizisten 24 Stunden, sprich rund um die Uhr erreichbar. Sie können sich in persönlichen und beruflichen Fragen direkt an mich wenden: bei Problemen, Konflikten oder auch, weil sie heiraten möchten oder Familienangehörige verstorben sind und sie mich um Unterstützung bitten.

Wieso haben Sie sich für den Job entschieden?

Ich freue mich, als katholischer Theologe einen bewusst ökumenisch getragenen Dienst wahrzunehmen. Bei der Polizeiseelsorge Luzern wie auch in Zürich, im Aargau und in Appenzell steht der Polizist als Mensch im Zentrum, unabhängig von seiner persönlichen, religiösen oder kirchlichen Verortung. Diese Aufgabe hat mich angesprochen.

Das Gespräch führte Benjamin Hostettler.

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