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Wolhusen: Aufräumarbeiten nach den neusten Unwettern
Aus Tagesschau vom 26.07.2021.
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Unwetter in Luzern Gemeindepräsident von Wolhusen: «Die Leute sind erschöpft»

Der Unwettersommer 2021 hat schon an vielen Orten in der Schweiz zu Schäden geführt. Bereits zum zweiten Mal hat es am Sonntag die Luzerner Gemeinde Wolhusen heftig getroffen. Schon Ende Juni verursachten Hagelkörner so gross wie Tennisbälle riesige Schäden an Tausenden Dächern und Autos. Die Gebäudeversicherung für die Region schätzt den Schaden auf eine Summe von rund 150 Millionen Franken. Das ist mehr als etwa beim Hochwasser 2005 oder beim Sturm Lothar.

Am Sonntag nun trafen die Gewitter Wolhusen wieder mit voller Wucht und führten zu Überschwemmungen mit Dreck und Schlamm. Der Gemeindepräsident ist erschüttert und hofft, dass die Feuerwehr nun eine Pause bekommt.

Bruno Duss

Bruno Duss

Gemeindepräsident Wolhusen

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Seit 2020 ist der parteilose Bruno Duss als Gemeindepräsident von Wolhusen im Amt. Der 62-Jährige ist ehemaliger Inhaber und Geschäftsführer einer Firma im Bereich Auto-Elektronik.

SRF News: Am Sonntag wurde Wolhusen erneut von starken Gewittern heimgesucht. Wie ist die Situation heute?

Bruno Duss: Am Sonntag gab es extrem viel Wasser in kurzer Zeit und kleine Hagelsteine in unglaublicher Menge. Das hat dazu geführt, dass Seitenbäche übergelaufen sind und Liegenschaften, Quartiere und Strassen massiv überschwemmt wurden.

Die Feuerwehr ist sich solche Monstereinsätze mit langen Tagen und Nächten leider schon gewohnt.

Mittlerweile sind die Strassen wieder befahrbar. Aber in den Häusern oder in der Sportanlage Blindei sind noch grosse Schäden zu sehen. Den Sportplatz kann man unmöglich brauchen momentan, alles ist gesperrt.

Wie belastend ist diese Häufung extremer Ereignisse für die Feuerwehr?

Die Feuerwehr ist sich solche Monstereinsätze mit langen Tagen und Nächten leider schon gewohnt. Auch dieses Mal haben die Einsatzkräfte bis nach Mitternacht gearbeitet, um Schäden zu beheben, Keller auszupumpen, Strassen putzen, um insbesondere die Durchfahrt wieder zu ermöglichen. Die Feuerwehr leistet einen grossartigen Einsatz in diesen Wochen und die Motivation zu helfen ist immer noch gross. Heute sind die Feuerwehrleute am Material putzen und wieder Instand stellen. Sodass sie für einen nächsten Einsatz bereit wären, was wir nicht gleich hoffen.

Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung?

Die Leute sind zum Teil schon sehr traurig und erschöpft und wir versuchen, den betroffenen Menschen zu helfen, wo wir können. Gleichzeitig ist die Solidarität gross. Man hilft einander.

Können Sie ein Beispiel für diese Solidarität machen?

Ja, wenn so ein Ereignis auftritt, müsste die Feuerwehr ja gleich überall sein. Das kann sie natürlich nicht. Sie muss einen Schadenfall nach dem andern aufsuchen und wir haben es mehrmals erlebt, dass ein Ort bereits recht gut aufgeräumt war. Die Leute haben uns dann mitgeteilt, dass Verwandte und Bekannte aus anderen Kantonen vorbeikamen, um zu helfen. Eine grossartige Hilfsbereitschaft, die man gut spürt.

Deshalb zieht Wolhusen die Gewitter an

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In Tallagen wie Wolhusen, umgeben von vielen Hügeln und Bergen, fliesst alles Wasser aus der Umgebung zusammen. In der Summe kommt es bei einem heftigen Gewitter mit viel Regen zu Überschwemmungen.

Das Entlebuch gehört mit Wolhusen klimatologisch gesehen zu den Regionen der Schweiz mit der höchsten Gewitter- und Hagelgefährdung. Eine typische Gewitterzugbahn ist etwa folgende: Das Gewitter entsteht im westlichen Berner Oberland wie beispielsweise im Saanenland. Dann geht es mit dem Südwestwind in der Höhe den Voralpen entlang weiter über den Thunersee und das obere Emmental ins Entlebuch und anschliessend über die Regionen Luzern, Zug, Hirzel, oberer Zürichsee, Toggenburg bis ins Appenzellerland.

Mal haben die Gewitter eine etwas nördlichere, mal eine etwas südlichere Zugbahn. Ob nun gerade Wolhusen voll getroffen wird oder ob die stärksten Unwetter einige Kilometer weiter entfernt toben, ist Sache des Zufalls.

Einschätzung von Jürg Zogg, SRF Meteo

Kann man die Sachschäden schon abschätzen?

Sie sind gross, aber ich kann noch keine Zahl nennen. Das ist dann Sache der Versicherungen.

Hat es die gleichen Häuser erwischt?

Zum Teil schon, obwohl es ein anderes Ereignis war. Ende Juni haben die grossen Hagelkörner vor allem Dächer und Autos zerschlagen. Jetzt ist insbesondere das Wasser das Problem. Es ist ein Unwetterereignis mit Überschwemmungen und Murgängen. Schlamm und Dreck verstopften die Schächte und das dreckige Wasser floss in die Häuser und Anlagen.

Die Wassermassen waren extrem – das habe ich selbst noch nie so gesehen.

Kam das viele Wasser überraschend?

Ja, es war sehr überraschend. Ich habe aus dem Fenster geschaut und gesehen, wie das Gewitter kommt. Der Wind hat die Wolken schnell gebracht und die Wassermengen waren gewaltig. Das war das Hauptproblem. Der Wind und das Wetter haben dann gedreht und die Gewitterzelle kam nochmals zurück. Die Wassermassen waren extrem – das habe ich selbst noch nie so gesehen.

Das Gespräch führte Evelyne Fischer.

SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 26.07.2021, 12:03 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Huber  ("Hu" goot au...!)
    Ich hab mich auch schon gefragt, wie die Abstimmung über das Epidemiengesetzt vor ein paar Jahren ausgegangen wär, wenn dann die erste Covid-Welle unsere Gesellschaft - oder einen Teil davon - auf die sich verändernden Faktoren hingedeutet hätte.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Was hat Covid 19 mit den immer schlimmer werdenden Wetter zu tun? Zudem unterstützt der größte Teil der Bevölkerung die Massnahmen gegen die Pandemie.
  • Kommentar von Albert Bachmann  (AFB)
    Die Wolhuser Bevölkerung lehnte das CO2 Gesetz mit über 62% ab, viele vermutlich aufgrund der Angst vor den „Kosten“. Nun haben sie leider mit voller Wucht zu spüren bekommen, was für Schäden angerichtet werden, wenn man nichts gegen den Klimawandel unternimmt. Bleibt nur zu hoffen, dass besonders die Leute in Wolhusen, aber auch die Schweizer als gesamtes begriffen haben, dass nichts tun nicht die billigste Option ist!

    Wir können es uns nicht leisten nichts zu tun!
    1. Antwort von Thomas Huber  ("Hu" goot au...!)
      Herr Bachmann,
      ich halte Ihren Kommentar hier für völlig unpassend.
      BASTA!
    2. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Obs nun passt oder nicht und auch wenn man die Frage nicht beantworten kann – selbst unsere Politauguren nicht –, ich sie mir seit den ersten Sommerunwettern: Was wäre herausgekommen, wenn die Abstimmung zum CO2-Gesetz erst Ende August stattgefunden hätte?
    3. Antwort von Roman Müller  (Roman Müller)
      @Thomas Huber: Herr Bachmanns Kommentar ist unangenehm, aber nötig. So leid es mir für die Leute in Wolhusen tut, die Realität ist, dass wir etwas gegen den Klimawandel unternehmen müssen und nichts tun sehr viel teurer wird, als endlich anzupacken.
    4. Antwort von Ruedi Schwarzenbach  (oktagon)
      So völlig unpassend finde ich das nicht. Ich habe mich auch schon gefragt, wie die Schweiz heute, 1.5 Monate danach über das CO2 Gesetz abstimmen würde....
    5. Antwort von Thomas Huber  ("Hu" goot au...!)
      Gut, meine Herren, dann packen wir das Problem an.
      Als erstes stellen wir das aus dem Erdinneren austretende Methan ab. Dann löschen wir die weltweit laufenden Brandrodungen
      Und zuletzt sprechen wir mit den Chinesen und nehmen ihnen im Notfall auch die Kohle weg - die brennbare ist gemeint, die zum Verstromen.
      Dann treffen wir uns in Wolhusen.
    6. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Der Kommentar von Herrn Bachmann ist leider nicht unpassend. Basta:-(