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Bundesgericht übernimmt moderneres Ehebild
Aus Echo der Zeit vom 09.03.2021.
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Urteile des Bundesgerichts Bundesgericht setzt «klassische Hausfrau» unter Druck – zu früh?

Geschiedene sorgen für sich selber: Diesem neuen Ehebild des Bundesgerichts fehle aber noch der Rahmen, so Alliance F.

Bislang gab es für Hausfrauen einen gewissen Schutz in Scheidungsprozessen. Wenn sie zum Beispiel 45 Jahre alt waren, muteten ihnen die Gerichte die Suche nach einer Arbeitsstelle nicht mehr zu. In der Regel musste dann der Ex-Mann für die entsprechenden Unterhaltszahlungen aufkommen.

Doch solch pauschale Regelungen soll es nach dem Willen des Bundesgerichts nicht mehr geben: Jeder und jede soll nach einer Scheidung im Grundsatz für sich selber sorgen – ausser es gibt konkrete Gründe dagegen wie etwa die Betreuung von Kleinkindern.

männer.ch begrüsst den Trend

Markus Theunert von männer.ch, dem Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, lobt die jüngsten Bundesgerichtsurteile: Das Bundesgericht nehme einen gesellschaftlichen Trend auf und verstärke diesen. Er besage letztlich: Vor, während und nach der Ehe soll der Grundsatz gelten, dass sich zwei Menschen als Solidar- und nicht als Versorgungsgemeinschaft zusammenschliessen.

Das Bundesgericht nimmt einen gesellschaftlichen Trend auf und verstärkt diesen.
Autor: Markus Theunertmänner.ch

Beide sollen also nach Möglichkeit berufstätig bleiben, betont Theunert. Das sei im Interesse von Männern wie Frauen und könne nach einer allfälligen Scheidung auch den häufigen Streit um Unterhaltszahlungen verhindern.

Alliance F mit Vorbehalten

Auch die Frauenorganisation Alliance F reagiert an sich positiv auf die Urteile des Bundesgerichts. Es gebe aber eine Diskrepanz zwischen dem modernen Ehebild des Bundesgerichts und dem realen Alltagsleben in der Schweiz, stellt Geschäftsführerin Sophie Achermann fest: «Wie begrüssen die Stossrichtung dieser Urteile. Wir würden es noch mehr begrüssen, wenn vorher die richtigen Rahmebedingungen gesetzt werden, damit Frauen nicht aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden, sobald sie Kinder bekommen.»

Wir würden es noch mehr begrüssen, wenn vorher die richtigen Rahmebedingungen gesetzt werden.
Autor: Sophie AchermannAlliance F, Geschäftsfüherin

Achermann hofft, dass die Urteile des Bundesgerichts jetzt auch die Politik unter Druck setzen. Damit mehr Massnahmen ergriffen würden für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Denn heute sei es für viele Frauen finanziell gar nicht attraktiv, nach der Familiengründung weiter berufstätig zu sein.

Video
Änderung der Unterhaltsregel nach einer Scheidung
Aus Tagesschau vom 09.03.2021.
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Als wichtige Rahmenbedingung nennt Achermann eine bessere oder erschwinglichere familienergänzende Kinderbetreuung, also Kita-Plätze für alle. Weitere Lösungsmöglichkeiten sieht sie in einer Individualbesteuerung oder einer Elternzeit.

Schwieriger Wiedereinstieg

Klar ist: Wer sich als Hausfrau um die Kinder gekümmert hat, vielleicht auch Freiwilligenarbeit in Vereinen geleistet hat, aber nicht berufstätig war, könnte bald gezwungen sein, nach einer Scheidung auf Stellensuche zu gehen. Nicht immer ein leichtes Unterfangen, je nach Beruf, den jemand ursprünglich erlernt hatte.

In einigen Branchen, etwa im Pflegebereich, hat man zwar auch nach jahrelangem Arbeitsunterbruch gute Chancen auf einen Wiedereinstieg, weil dort Mitarbeiterinnen händeringend gesucht werden.

In vielen anderen Bereichen ist es aber wesentlich schwieriger nach ein paar Jahren Berufsabsenz wieder eine Stelle zu bekommen. Auch, weil ein jahrelanges Familienmanagement und die Betreuungsarbeit zu Hause von vielen Unternehmen nicht als eine Erfahrung angesehen werden, die auch im Berufsleben wertvoll sein könnte.

Echo der Zeit, 09.03.2021, 18:00 Uhr

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123 Kommentare

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  • Kommentar von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
    Guten Abend.
    Ob Mann oder Frau: wenn Kinder da sind, und dazu haben sich i.d.R. 2 entschieden, haben diese die Priorität. Denn sie sind die Welt von morgen, in die die Erwachsenen auch hineinleben.
    Bei allem Gleichberechtigung, Frauenpower, Erziehung etc haben Kinder diese Fragen: Wer gibt mir Liebe und Geborgenheit? Wer erklärt mir Toleranz, Freundschaft, Wichtiges und Unwichtiges für das Leben? Wer bereitet mich auf die Welt von morgen vor (Umwelt, Klima, Ernährung etc)?
    Die Eltern!
  • Kommentar von Roger Gasser  (allesrotscher)
    @beppie: Es ist doch klar dass man die Menschen nach ihren Fähigkeiten einsetzt. Militär ist nun eindeutig eine männliche Domänne und nur für die wenigsten Frauen erstrebenswert. Es geht darum dass alle einen Beitrag leisten, aber nicht alle den gleichen.
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Eben, meine ich ja, siehe meinen Kommentar fast zuunterst. Frauen leisten ihren Beitrag in dieser Gesellschaft, Hauptanteil noch immer Haushalt u.Kinder, aber auch ehrenamtlich, oft ohne Wertschätzung. Entscheidet ein Paar gemeinsam, Kinder nicht in teure Krippen abzugeben, ein Elternteil ihre Betreuung u.Haushalt übernimmt, vielleicht auch, wegen ungleich höherem Einkommen des Partners, so ist das ebenso gut wie eine 50/50-Lösung, wofür zB mein Mann und ich uns schon vor 45J entschieden haben.
  • Kommentar von Mona Grieder  (papaver)
    Mich wundert diese breite Gehässigkeit gegen altgediente Mütter, die Berufsmännern ein Leben lang den Rücken frei gehalten haben UND den Herren den Luxus eigener Kinder ermöglichten. Ich würde gerne wieder voll arbeiten (bin nicht geschieden), weil ich eine moderne Frau bin. Und? Es heisst, ich hätte keine Berufserfahrung
    1. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Ja, da haben Sie recht (ganz ohne Gehässigkeit!, eher da und dort Verzweiflung). Das Problem ist auch, dass die "Gratis-Arbeit", die Sie ansprechen, nirgendwo richtig erfasst wird. D.h. die Arbeit im Berufsfeld von "Hausarbeit und Erziehung/Beziehung" und zusätzlich noch die ganze Freiwilligenarbeit, die oft zusätzlich geleistet, z.B. bei der Pflege von Angehörigen, oder für die Gesamtgesellschaft, wird nirgends erfasst. Erfasst wird hierzulande "nur", wo "Geld fliesst". Das muss ändern!
    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Otfmals sind Frauen auch nach Geburten körperlich nicht mehr in der Lage, ihren Beruf weiter auszuüben. So war ich zB nach den Kindern nicht mehr schwindelfrei, was zB für den Dachdeckerberuf od.auf dem Bau usf nicht mehr ginge. Aber Sie haben schon recht, es gibt noch sehr viele Männer, besonders in gewissen Kulturen, die verlangen, erwarten oder zumindest froh sind, dass ihre Frauen übernehmen, wozu sie sich nicht berufen fühlen. Vaterstolz zu haben, ist in solchen Fällen völlig unberechtigt.