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Ein «Kiss&Ride»-Platz für Elterntaxis
Aus Echo der Zeit vom 10.06.2021.
abspielen. Laufzeit 04:13 Minuten.
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Verkehrschaos vor Schulen Wie eine Gemeinde das Problem mit den Elterntaxis kreativ angeht

Eltern, die ihre Kinder täglich mit dem Auto zur Schule bringen und wieder abholen, sorgen immer wieder für heikle Verkehrssituationen und folglich auch für Diskussionen. Bergdietikon im Kanton Aargau will das Problem kreativ lösen.

Eigentlich ist der Schulweg für Kinder ja eine tägliche Entdeckungsreise: Hier kriecht eine Schnecke, dort ist der Ast eines Baumes abgebrochen. Solche und viele weitere spannende Dinge lassen sich beobachten. Kinder, die häufig in Gruppen unterwegs sind, lachen und spielen auf dem Schulweg. Der Schulweg ist eine wichtige Erfahrung.

An gewissen Tagen ist es zeitlich einfach zu knapp.
Mutter, die ihre Tochter mit dem Auto zur Schule bringt.

Trotzdem gibt es für viele Eltern Gründe, die Kinder auch mal mit dem Auto bis zur Schule zu fahren. Eine Mutter in Bergdietikon sagt gegenüber SRF: «An gewissen Tagen ist es zeitlich einfach zu knapp, wenn meine Tochter zum Beispiel am Nachmittag auch noch Schule hat.»

Elterntaxifahrten sind in der ganzen Schweiz eine Herausforderung

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Die Zahl der Elterntaxifahrten nimmt nicht nur in Bergdietikon zu, sondern in der ganzen Schweiz. Eine Studie des Verkehrsclubs TCS aus dem Jahr 2019 zeigt, dass in der Deutschschweiz rund sieben Prozent aller Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen.

In der französischsprachigen Schweiz ist der Anteil mit rund 30 Prozent massiv höher. Gemäss der Studie liegt das auch daran, dass die Schulwege in der Westschweiz tendenziell länger sind.

Bergdietikon ist eine weitläufige Gemeinde. Kinder benötigen hier zu Fuss schnell einmal 20 Minuten für den Schulweg. Wenn sie über Mittag von der Schule nach Hause und dann wieder zurückgehen, bleibt von der Mittagspause nicht mehr viel übrig. Doch neben dem Zeitfaktor gibt es auch noch andere Gründe für die Elterntaxifahrten.

Ein grosses Thema ist sicher, dass die Eltern ihre Kinder sicher zur Schule bringen möchten.
Autor: Patrick GeissmannGemeindeschreiber Bergdietikon

Der Bergdietiker Gemeindeschreiber Patrick Geissmann sieht auch das Sicherheitsbedürfnis der Eltern als Grund für die vielen Taxifahrten zur Schule: «Ein grosses Thema ist sicher, dass die Eltern ihre Kinder sicher zur Schule bringen möchten; dass sie wissen, dass die Kinder in der Schule sind, bevor sie zur Arbeit fahren, weil sie anschliessend ja nicht mehr zu Hause sind.»

Prekäre Situationen gefährden Kinder

Unabhängig von den Gründen für die Elterntaxifahrten entsteht rund um die Primarschule in Bergdietikon ein grosser Hol- und Bringverkehr. Jeweils morgens um 8 Uhr und über die Mittagszeit sei es besonders prekär, sagt Gemeinderätin Françoise Oklé: «Die Strasse ist eng, es wird kreuz und quer parkiert und die Kinder werden vor allem beim Manövrieren gefährdet.»

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Gemeinderätin Françoise Oklé: Warum sind Elterntaxis ein Problem in Bergdietikon?
Aus News-Clip vom 21.05.2021.
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Nachdem die Kritik von Eltern und Anwohnenden immer lauter geworden war, suchte die Gemeinde eine Lösung. Man wollte aber nicht auf Verbote setzen, sagt die zuständige Gemeinderätin, sondern eine «schlaue» Lösung finden.

Diese Lösung besteht nun aus einem speziellen Parkplatz in der Nähe der Schule: Dem «Kiss&Ride»-Platz, wo die Eltern die Kinder abladen und holen können. Speziell daran ist, dass der Platz nicht direkt vor der Schule ist. Die Kinder haben also nach wie vor einen etwa fünfminütigen Schulweg, obwohl sie von den Eltern gefahren werden. Da der Parkplatz für die neue Turnhalle ohnehin gebaut werden musste, gibt es für die neue «Kiss&Ride»-Zone keinen besonderen Zusatzaufwand.

Ganz neu sei die Idee mit den «Kiss&Ride»-Plätzen natürlich nicht, gibt Gemeinderätin Oklé zu. Man habe sich von den USA inspirieren lassen. Dort seien spezielle Parkbuchten vor Schulen seit Jahren Standard und auch in der Schweiz treffe man sie vereinzelt an.

Video
Keine Verbote, sondern Anreize schaffen
Aus News-Clip vom 21.05.2021.
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Es spiele keine Rolle, was man von Elterntaxis und den entsprechenden Lösungen wie «Kiss&Ride» halte, denn das Problem werde sich nicht einfach von selbst erledigen, ist Oklé überzeugt: «Ich glaube, es ist einfach ein gesellschaftlicher Wandel, den man nicht aufhalten kann.» Die Gemeinde unternehme aber auch viel, um Kinder zu animieren, den Schulweg zu Fuss zu gehen. Und das werde man auch weiterhin tun – trotz des neuen «Kiss&Ride»-Platzes.

Echo der Zeit, 10.06.2021, 18:00 Uhr;

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Ich habe ehrlich gesagt nie verstanden warum es so eine lange Miitagspause gibt. Die Kinder könnten in der Schule essen mit einer Kürzeren Mittatspause früher heim. Wäre auch für die Eltern einfacher, weil sie mittags keinen Stress haben. Ich kenne Gemeinden, die es so machen.
  • Kommentar von Urs Heim  (Ursus)
    Warum gibt es in Streusiedlungen wie es Bergdietikon ist keinen Schulbus?
    Man könnte diese Art der Bewältigung des Schulweges in die jeweiligen kantonalen Gesetzgebungen festschreiben und den permanent gestressten, über-besorgten Mamis das rumkurven mit dem SUV im Quartier definitiv verderben.
  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Der CO2-Abdruck des Projektes "Kind". Ein Tabu.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Mike Steiner: Da haben Sie vermutlich Recht. Mit einer globalen Ein-Kind-Politik würde die Erdbevölkerung so in ca. 10 Jahren anfangen zu schrumpfen. Dann würde der CO2-Ausstoss langsam zurückgehen. Ich glaube aber, dass die Zeit nicht einmal mehr dazu reicht und so etwas umzusetzen ist sowieso ein Ding der Unmöglichkeit. Also lohnt es sich nicht einmal darüber seine Zeit zu verlieren.
    2. Antwort von Suma Perdue  (derderhergeht)
      Ich nehme an Sie sind demnach niemandes Kind, Herr Steiner?
    3. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      @Leu: Exakt. Alelrdings bin ich überzeugt, dass nicht zu spät wäre. Das konsequente Totschweigen dieses Themas, auch von linker Seite, hat das Thema so akut gemacht. Dabei wäre es die Chance, über die gerechte Besteuerung jener 1% zu reden, die 99% der Vermögen halten (beispielsweise um Renten zu sichern), anstatt dem unteren Mittelstand ständig existenziell auf die Pelle zu rücken...
    4. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      @Perdue: Einzelkind, und selber keine (könnte ich nicht verantworten). Gut?
    5. Antwort von Suma Perdue  (derderhergeht)
      @Steiner:
      Aber Herr Steiner, das ist doch Ihr Leben. Ob gut oder schlecht entscheiden Sie. Dies ist schliesslich ein freies Land. Sie sollten aber für's Alter schon was beiseite legen. Ich werde Sie sicher nicht durchfüttern. (könnte ich nicht verantworten)
    6. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Suma Perdue: Herr Steiner wird auch nicht von Ihnen oder Ihren Kindern durchgefüttert, sondern von einem finanziell durchdachten Altersvorsorgesystem, das wir hoffentlich bis dann nachhaltig saniert haben werden. Ich habe meine Kinder auch nicht, damit sie mich irgendwann mal durchfüttern, sondern weil sie Freude bereiten. Später können sie tun und lassen was sie wollen.
    7. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Die Ein-Kind-Politik mag reizvoll sein, doch frage ich Sie, wer wird die heutigen Menschen im Alter betreuen, versorgen? Da dürfte niemand mehr pflegebedürftig werden. Die arbeitende Bevölkerungsschicht hätte ja ohne Senioren/Seniorinnen bereits alle Hände voll zu tun. Zudem hat China zwischenzeitlich auf 2 Kinder umgeschwenkt, aus Besorgnis einer schrumpfenden Bevölkerung. Weniger Geburten scheinen nur mit vermehrtem Sterben von Älteren zu "funktionieren". Ein heikles und ethisches Thema.