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Abbau von KV-Arbeitsplätzen Verlagerung ins Ausland: 100'000 Bürojobs sind in Gefahr

Durch Offshoring und die Digitalisierung sind in der Schweiz auch komplexe Bürojobs bedroht. Der kaufmännische Beruf wird viel anspruchsvoller. Der Kaufmännische Verband sagt, welche Jobs gerettet werden können und welche nicht.

Legende: Video KV-Stelle in Gefahr abspielen. Laufzeit 03:30 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.11.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Durch die Auslagerung ins Ausland sind 30'000 bis 100'000 Bürojobs gefährdet.
  • Auch komplexe Tätigkeiten sind zunehmend betroffen.
  • Der Kaufmännische Beruf wird anspruchsvoller.
  • Weiterbildung wird noch wichtiger. So lauten die Befunde des KV Schweiz.

Der Kostendruck ist riesig, die Verlagerung von Büro-Jobs ins günstige Ausland längst Alltag. Grund dafür sind globalisierte Unternehmensstrategien. So haben beispielsweise die beiden Grossbanken CS und UBS in den letzten Jahren tausende Stellen nach Polen verlagert.

Bis zu 100‘000 der 590‘000 Beschäftigten im kaufmännischen Bereich könnten vom Offshoring betroffen sein. Zu diesem Schluss kommt nun eine Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmen Infras im Auftrag des KV Schweiz.

Interessant ist, dass die Studie nicht nur repetitive Jobs erwähnt. Zunehmend würden auch komplexere Tätigkeiten wie das Ingenieurwesen, Planungstätigkeiten oder Beratungen ausgelagert.

Eine genaue Vorhersage sei schwierig, sagt Christian Zünd, CEO von KV Schweiz, «da die Digitalisierung das Offshoring verstärkt oder gar ersetzt».

«Es wird schmerzhafte Verluste geben»
Autor: Daniel JositschPräsident KV Schweiz, Zürcher SP-Ständerat

Standort Schweiz stärken

Die gute Nachricht sei, für kaufmännische Berufe gäbe es eine Zukunft, meint Daniel Jositsch, Präsident von KV Schweiz und Zürcher SP-Ständerat. Aber: «Es wird auch schmerzhafte Verluste geben». Jositsch spricht von den Menschen, die durch Digitalisierung ihre Jobs verlieren. Die Mehrheit der Arbeitnehmer werde man aber durch Weiterbildung in andere Branchen platzieren müssen.

Die grosse Herausforderung sei es, die Jobs zu stärken, die in der Schweiz blieben, und das seien Berufe, in denen Management- und strategische Kompetenzen sowie Kreativität gefragt sei.

So seien etwa Versicherungsberater, die kompetent auf Deutsch oder Schweizerdeutsch Auskunft geben können, weiterhin gefragt und nicht durch Computer ersetzbar, meint Jositsch.

Tsunami-Effekt durch Digitalisierung

Ist von den Auswirkungen der Digitalisierung die Rede, wird auch von einem Tsunami-Effekt gesprochen. Gemeint ist die relativ plötzliche und radikale Veränderung auf dem Arbeitsmarkt.

Der KV-Beruf werde durch die rasant fortschreitende Digitalisierung sehr viel anspruchsvoller aber auch interessanter. Das sagt Sybille Sachs, Leiterin des Instituts für strategisches Management an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich.

In Ihrer Studie kommt sie zum Schluss: «Die Angestellten werden vermehrt in Projekten arbeiten». Wer Abwechslung liebt, bleibe beruflich nicht auf der Strecke, sagt Sachs weiter. «Sozialkompetenz wird noch wichtiger, weil Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in wechselnden Teams agieren müssen».

Eine genaue Prognose für die Zukunft von Jobs und der Digitalisierung wagt Sybille Sachs in ihrer Studie allerdings nicht. Es sei ein explorativer Ansatz.

Weiterbildung ist Pflicht

Stetige Weiterbildung sei für kaufmännische Angstellte entscheidend, sagt Daniel Jositsch. Die Grundausbildung sei nur ein Fundament. Darauf müsse weiter gebaut werden.

Der kaufmännische Verband stellt in Aussicht, seine Angestellten dabei zu unterstützen, indem er etwa die Aus- und Weiterbildung weiterentwickle.

Daniel Jositsch plädiert auch für mehr Gelder des Bundes , Link öffnet in einem neuen Fensterfür die Förderung der Berufsbildung: «Sie ist noch immer benachteiligt im Vergleich zur akademischen Bildung». Auch die Unternehmen seien gefordert, ihren Teil beizutragen.

Auslagerung von Bürojobs

Vor allem die Bereiche Rechnungswesen, IT, Kundenbetreuung, Personalwesen, Business Management und Einkauf sind gemäss Infras-Studie betroffen.

KV 4.0 verändert Berufsbild

Vom Kaufmännischen Angestellten werden neue Kenntnisse und mehr Flexibilität verlangt. Das besagt eine Studie der Zürcher Hochschule für Wirtschaft (HWZ).

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37 Kommentare

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  • Kommentar von Kim Hansson (Freddy Tobler)
    Neoliberalismus bedeutet das alle Länder sich gegenseitig bei Lohn und Arbeitnehmer-Recht unterbieten um Konkurrenzfähig beim erhalt von Arbeitsplätzen zu sein... profitieren tun heimatlose Grosskonzerne welche ihre Produktion und Verwaltung für die maximale gewinnausbeutung verlegen....verlieren tun die Menschen auf der ganzen Welt.
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  • Kommentar von Ruedi Hammer (Ruedi Hammer)
    Willkommen Grundeinkommen.
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    1. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Ach, hören Sie doch auf mit dem Unfug. EIn Grundeinkommen wird von der Wirtschaft stehenden Fusses über Preiserhöhungen abgeschöfpt. Ein Narr, der ans Gute glaubt. Nein... es hat genug Arbeit für alle Schweizer (!) in diesem Land. Anstatt uns ständig subtil auf Verzichte einschwören oder zu Gefügigkeitszwecken verängstigen zu lassen, würden wir lieber mal wieder etwas Selbstbewusstsein entwickeln und unserer Regierung beibringen, für wen sie eigentlich zu arbeiten hat! Swiss first!
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  • Kommentar von L. Leuenberger (L.L.)
    Die politischen Entscheide in der CH sind schwierig nachzuvollziehen.Die Parteien haben ihr Profil bis zur Unkenntlichkeit gewechselt. Vertreter aller Parteien sind im Parlament eher Lobbyisten, statt Volksvertreter.Diese Abhängigkeit von falschen EU-Experimenten oder korrekturbedürft. Globalisierung sollte politisch minimiert werden.CH braucht wieder eine starke Nation. Politik und keine internationalen Lobbyisten, die ihre Fehler nach Brüssel oder NY delegieren.Meine Stimme kriegen nur wenige.
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