Strassenschlachten, kaputte Schaufenster, ein brennendes Restaurant: Die Pro-Palästina-Demonstration im Oktober letzten Jahres machte weit über Bern hinaus Schlagzeilen. Sowohl Polizisten wie auch Demonstrierende wurden verletzt, es entstand ein massiver Sachschaden. Der Polizeieinsatz hat Kosten von 1.1 Millionen Franken verursacht.
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Bild 1 von 10. Manche Kundgebungsteilnehmende zerstörten Schaufensterscheiben in der Berner Innenstadt. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 10. Mindestens 57 Gebäude seien beschädigt worden, gab die Kantonspolizei am Tag nach der Demonstration bekannt. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 10. Rund um den Bundesplatz ist die Situation am Samstag eskaliert. Gewaltbereite Demonstrierende schlugen dabei auch Fensterscheiben ein. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 10. Mehrere Häuserwände wurden mit Parolen besprayt. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Klaunzer.
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Bild 5 von 10. Zwischen Bundesplatz und Bahnhof wurden mehrere Geschäfte beschädigt. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Klaunzer.
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Bild 6 von 10. Nachdem ein Teil des Demonstrationszuges vom Bundesplatz weitergezogen war, kam es beim Kaufhaus Loeb nahe des Berner Bahnhofs zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Klaunzer.
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Bild 7 von 10. Auch mehrere Polizeifahrzeuge wurden beschädigt, wie die Kantonspolizei mitteilte. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Klaunzer.
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Bild 8 von 10. Die Kantonspolizei präsentierte an einer Medienkonferenz mehrere Gegenstände, die von den Demonstrierenden als Waffen benutzt wurden... Bildquelle: KEYSTONE/Adrian Reusser.
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Bild 9 von 10. ... darunter auch Backsteine. Die Spuren der massiven Gewaltanwendung könne man an den Schutzhelmen der im Einsatz stehenden Polizisten noch sehen. Bildquelle: KEYSTONE/Adrian Reusser.
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Bild 10 von 10. Unter den beschlagnahmten Gegenständen befanden sich auch haufenweise Feuerwerkskörper. Bildquelle: KEYSTONE/Adrian Reusser.
Nun hat die Stadtberner Regierung die Geschehnisse in einem Bericht politisch aufgearbeitet und am Donnerstag publiziert. Im Zentrum der Aufarbeitung stand die Frage, warum die unbewilligte Demo nicht im Keim erstickt worden ist.
Stadt Bern hält an Strategie fest
Rückblick: Zahlreiche Gruppierungen hatten im Herbst über soziale Medien zu einer Pro-Palästina-Demo am 11. Oktober 2025 in Bern aufgerufen. Um eine Bewilligung bemühten sie sich nicht. Die Stadt beauftragte die Polizei, die Demo zu tolerieren und den Zugang zum Bundesplatz zu ermöglichen, solange die Kundgebung friedlich bleibe.
Eine unbewilligte Demonstration von Anfang an zu verhindern, wäre nicht verhältnismässig gewesen.
Die Stadtberner Regierung kommt nun zum Schluss: Die unbewilligte Demonstration im Keim zu ersticken sei nicht möglich gewesen. An diesem Grundsatz hält die Stadtberner Regierung nach wie vor fest. «Eine unbewilligte Demonstration von Anfang an zu verhindern, wäre nicht verhältnismässig gewesen», sagt der städtische Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried.
Die Berner Stadtregierung ist überzeugt: Die Besammlung zu verhindern oder aufzulösen hätte einen massiven Mitteleinsatz erfordert. Hätte man Tausende Menschen bei der Besammlung auseinandergetrieben, hätte dies zu einer Eskalation auf dem Bahnhofplatz geführt. Letztlich sei die Heftigkeit der Gewalt, zu der es bei der Kundgebung kam, nicht vorhersehbar gewesen.
Appell an die «Einsicht» von Demo-Organisatoren
Trotz Schäden und Ausschreitungen im Oktober: Die Stadt Bern will auch künftig an ihrer Deeskalationsstrategie festhalten. Die Stadt könne mit schwierigen Kundgebungen umgehen, ist Alec von Graffenried überzeugt: «Wir haben positive Erfahrungen mit dieser Strategie gemacht. Viele Demonstrationen laufen gut ab und beeinträchtigen die öffentliche Ordnung nicht.»
Die Stadtregierung hält in ihrem Bericht fest: Künftig soll es weniger unbewilligte Demonstrationen geben. Wie dies aber erreicht werden soll, lässt sie weitgehend offen. Alec von Graffenried appelliert an die «Einsicht» von Demo-Organisatoren: «Bei bewilligten Demos wird inhaltlich diskutiert, bei unbewilligten Demos über Randale und Einschränkungen im öffentlichen Verkehr.» Wer also eine politische Diskussion wolle, lasse eine Kundgebung bewilligen.
Im Bericht der Berner Stadtregierung wird auch die Forderung nach einem «Entfernungsartikel» im städtischen Kundgebungsreglement thematisiert. Mit diesem Artikel wäre die Teilnahme an einer unbewilligten Demonstration unter gewissen Umständen verboten.
Der Entfernungsartikel dürfe nicht überbewertet werden, so Alec von Graffenried. «Andere Städte haben diesen Artikel und haben trotzdem Probleme mit Demonstrationen.» Ausserdem sei die Einführung des Entfernungsartikels in Bern schon mehrmals abgelehnt worden.