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Meyer: «Red Bull setzt uns mit den ausländischen Preisen automatisch unter Druck»
Aus News-Clip vom 03.03.2020.
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Versüsstes Geschäft Getränkegigant Red Bull profitiert von Subventionen des Bundes

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Zuckerpreis in der Schweiz steht seit Jahren unter Druck. Die Folge: 400 Bauern sind in den letzten Jahren aus der Produktion ausgestiegen.
  • Die Zuckerrüben-Produzenten erhalten jährliche Subventionen in der Höhe von 36 Millionen Franken. Ein Grossteil davon fliesst aufgrund des tiefen Zuckerpreises indirekt an die Abnehmer von Schweizer Zucker.
  • Der grösste Abnehmer von Schweizer Zucker ist Red Bull. Der Energy-Drink-Hersteller profitiert indirekt von den Subventionen – laut Schätzungen von bis zu zehn Millionen Franken.
  • Red Bull selber schreibt, diese Schätzungen seien falsch.

Red Bull lässt in Widnau (SG) jährlich drei Milliarden Dosen seines Energy Drinks abfüllen. Jede Büchse enthält 27 Gramm Zucker – sieben Würfelzucker.

Eine Extramillion für Red Bull

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Wer Zucker importiert, muss einen zoll-ähnlichen Beitrag von 70 Franken pro Tonne entrichten. Dieses Geld wird für die Pflichtlagerhaltung von Zucker im Inland eingesetzt. Wer importierten Zucker in verarbeiteter Form in nicht-EU-Länder wieder exportiert, zum Beispiel in Form von Energy Drinks, erhält diesen Beitrag zurückerstattet. Red Bull verarbeitete vor allem Schweizer Zucker, zahlte diesen Beitrag also nicht. Dennoch forderte Red Bull für den exportierten Zucker Rückerstattungen in der Höhe von einer Million Franken jährlich ein. Bis letztes Jahr. Jetzt hat der Bund diese Praxis als rechtlich nicht zulässig unterbunden.

Red Bull kauft einen Viertel der gesamten Schweizer Zuckerproduktion auf. Das zeigen Recherchen der SRF «Rundschau». Damit ist der Konzern der wichtigste Kunde der Zuckerproduzenten. Doch die Freude der Schweizer Bauern hält sich in Grenzen: «Wenn die Preise nicht stimmen, kann man mit einem Kunden nicht zufrieden sein», sagt Josef Meyer, Präsident der Schweizer Zuckerrübenproduzenten.

Bauern sind unzufrieden

Der Zuckerpreis steht seit Jahren unter Druck, der Import von Zucker ist quasi frei, der Grenzschutz im Vergleich zu anderen Agrargütern klein. Die Folge: Rund 400 Bauern sind in den vergangenen vier Jahren aus der Zuckerrübenproduktion ausgestiegen. Dies, weil sich die Produktion nicht mehr lohnt – trotz höherer Subventionen als Ausgleich der sinkenden Preise.

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Gassmann: «Das schmerzt sehr»
Aus News-Clip vom 03.03.2020.
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Der Bund hat die Zuckerrübenproduzenten vergangenes Jahr mit 36 Millionen Franken subventioniert. Doch die wahren Profiteure dieser Steuergeld-Millionen waren nicht die Bauern, sondern die Grossabnehmer des Zuckers – allen voran Red Bull.

Teurere Schweizer Agrargüter

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Die Schokoladenhersteller sind auch Grossabnehmer von Schweizer Zucker und damit Profiteure der Zuckersubventionen. Ihr Verband, Chocosuisse schreibt der «Rundschau», die Agrargüter seien trotz Subventionen in der Schweiz teurer als im Ausland. Und der Mindestgrenzschutz führe zu einer Erhöhung der Preise für Zucker in der Schweiz.

Nebst Red Bull sind auch die Migros, Coop und die Schokoladenhersteller grosse Zucker-Abnehmer. Doch Red Bull hat als grösster Kunde beim Preis am meisten Verhandlungsmacht.

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Binswanger: «Die Bauern müssen sich an dem Preis orientieren, welcher bezahlt wird»
Aus News-Clip vom 03.03.2020.
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Mathias Binswanger, Professor für Ökonomie an der Fachhochschule Nordwestschweiz, sagt: «Wenn Subventionen an Bauern gezahlt werden, wird ein geringerer Preis bezahlt. Auf diese Art gehen Subventionen indirekt an die Nachfrager.» Allein Red Bull dürfte geschätzte fünf bis zehn Millionen Franken profitieren, wie Mathias Binswanger bestätigt.

Politiker sehen Handlungsbedarf

Red Bull schreibt der «Rundschau», die Schätzung der Höhe der Subventionen übertreffe die tatsächlichen Beträge in erheblichem Masse. Wie hoch diese tatsächlich ausfallen, lässt der Konzern unbeantwortet. Und weiter: «Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe an, die Schweizer Zuckerrübenpolitik öffentlich zu kommentieren.»

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Staeger: «Red Bull ist ein guter Kunde»
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Anders sehen das verschiedene Agrarpolitiker: Der grüne Nationalrat und Bauer Kilian Baumann findet es «unschön.» Es habe sich ein Speckgürtel um die Bauern gebildet, der Gelder absauge. Kathrin Bertschy, Nationalrätin der Grünliberalen, stört sich, wenn Steuergelder indirekt Unternehmen wie Red Bull zugutekommen. Beide sehen eine Lösung in der Umstellung auf eine ökologische Produktion, um höhere Preise für den Zucker zu erwirken.

«Rundschau»

«Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.05 Uhr auf SRF 1.

Rundschau, 4.3.2020, 20:05 Uhr; hosb

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Michel Koller  (Mica)
    @Frei: Dann sind Sie schlichtweg nicht mit dem aktuellen Stand der Technik vertraut. Coca Cola betreibt in Karlsruhe EINE Linie mit einem Volumen von 120'000 Dosen pro Stunde. In Widnau stehen mind. 5 ähnliche Linien. Schauen Sie sich mal ein Video solcher Abfüllanlagen an und mit welcher Geschwindigkeit die Dosen da durch rauschen.
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  • Kommentar von Benjamin Knie  (Beno)
    Was für eine komische Berichtserstattung. Red Bull ist ein Süssungsmittelsaftgetränk und in den Zutaten wird noch nicht einmal Zucker aufgezählt und aufgrund dessen trinke ich auch kein original Red Bull mehr und das können sie selber saufen. Akutell scheint Märchenstunde in allen Medien zu sein und Coronavirus an der Spitze.
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    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Da steht sehr wohl drauf, dass Zucker drin ist. Saccharose und Clucose sind beides Zucker.
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  • Kommentar von Peter Holzer  (Peter Holzer)
    Das Thema Subventionen muss man dringend diskutieren. Was mich an der Diskussion hier im Forum etwas stört ist Red Bull den schwarzen Peter zuzuschieben.

    Das ganze ist auch keine neues Thema seit Energy Drinks in Massen verkauft werden, denn davor waren es einfach Coca Cola, Fanta, Pepita, Passaia und wie sie alle heissen.

    Thema Verursacherprinzip und Gesundheitskosten: da würde dann aber vieles anderes als nur der Zucker dazugehören!
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