Gewisse Gebiete im Schweizer Alpenraum versinken derzeit im Schnee. Im Wallis sind ganze Täler von der Aussenwelt abgeschnitten – wegen Gefahr durch Lawinen oder weil Schneemassen bereits heruntergedonnert sind. Auch zahlreiche Skigebiete wurden geschlossen.
Das Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) hat am Morgen für Teile des Kantons sogar die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen. Das kommt selten vor. Was das genau bedeutet und wie sich die Lawinensituation in den Schweizer Berggebieten entwickeln wird, weiss SLF-Lawinenprognostiker Lukas Dürr.
SRF News: Herr Dürr, was bedeutet Lawinen-Gefahrenstufe 5 genau?
Wir erwarten viele, sehr grosse, vereinzelt sogar extrem grosse Lawinen. Diese Lawinen können in den bekannten Couloirs bis in die Tallagen vorstossen und dort Verkehrswege gefährden. Lokal können auch Teile von exponierten Siedlungen wie einzelne Chalets gefährdet sein.
Stufe 5 wird sehr selten prognostiziert. Weshalb ist die Situation jetzt so besonders gefährlich?
Es gibt drei Punkte: Erstens haben wir sehr viel Neuschnee bekommen. In drei Tagen ist mehr als ein Meter Neuschnee gefallen. Wenn wir sieben Tage zurückschauen, sind das bis zu 2.5 Meter Neuschnee. Zweitens haben wir einen stürmischen West- bis Nordwestwind, der diesen Neuschnee verfrachtet und grosse Ansammlungen bildet. Das Dritte ist die schwache Schneedecke, die darunter liegt. Wir haben Schneeschichten von Anfang Dezember und Januar, die eingeschneit wurden. Diese wurden jetzt von den grossen Schneemassen überdeckt. Diese Schwachschichten sind fragil, und es können Brüche darin entstehen.
Wir gehen davon aus, dass sich die Situation mit dem Ende der intensiven Niederschläge leicht entspannt.
Haben Sie Hinweise darauf, wie sich die Lawinengefahr in den nächsten Stunden und Tagen entwickeln wird? Könnte in weiteren Gebieten Stufe 5 prognostiziert werden?
Derzeit gehen wir davon aus, dass heute die Spitze der Lawinenaktivität erreicht wird und sich die Situation mit dem Ende der intensiven Niederschläge leicht entspannt. Die Abnahme in den nächsten Tagen wird aber wahrscheinlich relativ langsam vonstattengehen.
Wenn ein Skigebiet geöffnet ist, dann ist das auch entsprechend vor Lawinen gesichert.
Was heisst das für die Menschen in den betroffenen Gebieten? Welche Anweisungen müssen sie beachten?
Es ist derzeit möglich, dass Strassen oder auch Teile von Skigebieten gesperrt sind. Es ist wichtig, dass man diese Massnahmen unbedingt respektiert. Wenn ein Skigebiet geöffnet ist, dann ist das auch entsprechend vor Lawinen gesichert. Da muss man sich also keine speziellen Sorgen machen. Jenen, die in den Gebieten der Lawinen-Gefahrenstufe 5 abseits der Pisten unterwegs sein möchten, raten wir heute vom Schneesport ab. In den übrigen Gebieten mit Gefahrenstufe 4 braucht es sicher sehr viel Kenntnis, Erfahrung, grosse Vorsicht und Zurückhaltung, wenn man neben der Piste unterwegs sein will.
Das Gespräch führte Sandro Peter.
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Bild 1 von 18. Im Schweizer Alpenraum schneits – und zwar ziemlich viel. (Riederalp VS, 17.2.2026). Bildquelle: Denise Feller.
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Bild 2 von 18. Die Strasse zwischen Hospental und Realp im Kanton Uri ist bis auf weiteres wegen Lawinengefahr gesperrt. (17.2.2026). Bildquelle: KEYSTONE/Urs Flueeler.
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Bild 3 von 18. In Andermatt laufen die Räumungsarbeiten auf Hochtouren. (17.2.2026). Bildquelle: KEYSTONE/Urs Flueeler.
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Bild 4 von 18. Auch die Bahnstrecke Furka-Oberalp muss vom Schnee befreit werden. (17.2.2026). Bildquelle: Keystone/Urs Flueeler.
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Bild 5 von 18. Auch im Kanton Graubünden gab es viel Schnee. (Laax GR, 17.2.2026). Bildquelle: Estelle Hoeffleur.
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Bild 6 von 18. Manche Täler im Wallis sind von der Aussenwelt abgeschnitten, so zum Beispiel das Lötschental (Bild aus Kippel im Lötschental, 17.2.2026). Bildquelle: Stefanie Jaggi.
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Bild 7 von 18. In den Alpen sind zahlreiche Strassen wegen Lawinengefahr gesperrt. Im Bild die Strasse zur Stockgalerie in Goppenstein VS. (16.02.2026). Bildquelle: KEYSTONE/Peter Schneider.
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Bild 8 von 18. Oberhalb der Stockgalerie ist eine Lawine niedergegangen. Sie hat auch einen Teil der Bahnstrecke verschüttet. (16.02.2026). Bildquelle: KEYSTONE/Julien Grindat.
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Bild 9 von 18. Auf der Bahnstrecke zwischen Goppenstein VS und Brig VS ist ein Zug mutmasslich wegen der Schneemassen entgleist. (16.02.2026). Bildquelle: Kantonspolizei Wallis.
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Bild 10 von 18. Schneemassen könnten kurz vor der Durchfahrt des Zuges die Gleise am Ausgang der Stockgalerie blockiert haben, hiess es von der Polizei. (16.02.2026). Bildquelle: Kantonspolizei Wallis.
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Bild 11 von 18. An Bord des Zuges waren 29 Menschen, fünf wurden verletzt. (16.02.2026). Bildquelle: Kantonspolizei Wallis.
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Bild 12 von 18. Am Bahnhof Goppenstein VS fahren derzeit keine Züge weiter nach Brig. (16.02.2026). Bildquelle: KEYSTONE/Peter Schneider.
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Bild 13 von 18. Bahnhof Goppenstein VS: Ein Ersatzbus verkehrt im Schneegestöber. (16.02.2026). Bildquelle: KEYSTONE/Peter Schneider.
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Bild 14 von 18. Laut SRF-Meteo dürfte der Niederschlag gegen Dienstagabend nachlassen. Doch die hohe Lawinen-Gefahr wird auf weiteres bestehen bleiben. (16.02.2026). Bildquelle: KEYSTONE / Peter Schneider.
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Bild 15 von 18. Die Schneeräumungsfahrzeuge in den alpinen Gebieten waren am Montag gefordert, wie etwa hier auf der Taminabrücke in Valens SG. (16.02.2026). Bildquelle: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller.
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Bild 16 von 18. Der Autoverlad Furka zwischen Realp UR und Oberwald VS ist vorübergehend eingestellt. (16.02.2026). Bildquelle: SRF.
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Bild 17 von 18. Lawinengefahr bei Davos GR. (16.02.2026). Bildquelle: Gaudenz Flury.
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Bild 18 von 18. In Orsières mussten aus Sicherheitsgründen 50 Personen evakuiert werden. (16.02.2026). Bildquelle: SRF.