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Viel Neuschnee in den Alpen «Wir erwarten vereinzelt sogar extrem grosse Lawinen»

Gewisse Gebiete im Schweizer Alpenraum versinken derzeit im Schnee. Im Wallis sind ganze Täler von der Aussenwelt abgeschnitten – wegen Gefahr durch Lawinen oder weil Schneemassen bereits heruntergedonnert sind. Auch zahlreiche Skigebiete wurden geschlossen.

Das Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) hat am Morgen für Teile des Kantons sogar die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen. Das kommt selten vor. Was das genau bedeutet und wie sich die Lawinensituation in den Schweizer Berggebieten entwickeln wird, weiss SLF-Lawinenprognostiker Lukas Dürr.

Lukas Dürr

Lawinenprognostiker

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Lukas Dürr ist Lawinenprognostiker beim WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Er ist Product Owner für die Entwicklung von Software für die Lawinenwarnung, Fachreferent zu Lawinen in den Aspirantenkursen der Schweizer Bergführerausbildung sowie SLF-Vertreter im Kernausbildungsteam «Lawinenprävention Schneesport».

SRF News: Herr Dürr, was bedeutet Lawinen-Gefahrenstufe 5 genau?

Wir erwarten viele, sehr grosse, vereinzelt sogar extrem grosse Lawinen. Diese Lawinen können in den bekannten Couloirs bis in die Tallagen vorstossen und dort Verkehrswege gefährden. Lokal können auch Teile von exponierten Siedlungen wie einzelne Chalets gefährdet sein.

Lawinengefahrenkarte der Schweiz mit farblicher Markierung nach Gefahrenstufen.
Legende: In Teilen des Wallis galt bis 17 Uhr die höchste Lawinen-Gefahrenstufe 5 (dunkelrot). Nun gilt die Gefahrenstufe 4. SRF

Stufe 5 wird sehr selten prognostiziert. Weshalb ist die Situation jetzt so besonders gefährlich?

Es gibt drei Punkte: Erstens haben wir sehr viel Neuschnee bekommen. In drei Tagen ist mehr als ein Meter Neuschnee gefallen. Wenn wir sieben Tage zurückschauen, sind das bis zu 2.5 Meter Neuschnee. Zweitens haben wir einen stürmischen West- bis Nordwestwind, der diesen Neuschnee verfrachtet und grosse Ansammlungen bildet. Das Dritte ist die schwache Schneedecke, die darunter liegt. Wir haben Schneeschichten von Anfang Dezember und Januar, die eingeschneit wurden. Diese wurden jetzt von den grossen Schneemassen überdeckt. Diese Schwachschichten sind fragil, und es können Brüche darin entstehen.

Lawinengefahr auf Stufe 4 gesenkt

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Die Lawinensituation in den Schweizer Alpen bleibt kritisch. Die Lawinengefahrenstufe 5 für das Wallis, die höchste Warnstufe, wurde um 17 Uhr aufgehoben, wie das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) mitteilt. Es gilt Gefahrenstufe 4.

Wir gehen davon aus, dass sich die Situation mit dem Ende der intensiven Niederschläge leicht entspannt.

Haben Sie Hinweise darauf, wie sich die Lawinengefahr in den nächsten Stunden und Tagen entwickeln wird? Könnte in weiteren Gebieten Stufe 5 prognostiziert werden?

Derzeit gehen wir davon aus, dass heute die Spitze der Lawinenaktivität erreicht wird und sich die Situation mit dem Ende der intensiven Niederschläge leicht entspannt. Die Abnahme in den nächsten Tagen wird aber wahrscheinlich relativ langsam vonstattengehen.

Wenn ein Skigebiet geöffnet ist, dann ist das auch entsprechend vor Lawinen gesichert.

Was heisst das für die Menschen in den betroffenen Gebieten? Welche Anweisungen müssen sie beachten?

Es ist derzeit möglich, dass Strassen oder auch Teile von Skigebieten gesperrt sind. Es ist wichtig, dass man diese Massnahmen unbedingt respektiert. Wenn ein Skigebiet geöffnet ist, dann ist das auch entsprechend vor Lawinen gesichert. Da muss man sich also keine speziellen Sorgen machen. Jenen, die in den Gebieten der Lawinen-Gefahrenstufe 5 abseits der Pisten unterwegs sein möchten, raten wir heute vom Schneesport ab. In den übrigen Gebieten mit Gefahrenstufe 4 braucht es sicher sehr viel Kenntnis, Erfahrung, grosse Vorsicht und Zurückhaltung, wenn man neben der Piste unterwegs sein will.

Das Gespräch führte Sandro Peter.

SRF 4 News, 17.2.2026, 11 Uhr ; 

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