Er habe gestaunt, als er die Daten sah, sagt Flurin Kunz. Der Biologe arbeitet bei der Stiftung Kora, die sich für den Erhalt von Grossraubtieren in der Schweiz einsetzt und den Wolf getrackt hat. «Zuerst suchte ich nach Szenarien, in welchen das Tier doch um den See gelaufen wäre.»
Doch drei GPS-Punkte beweisen das Gegenteil: zwei an den Seeufern, einer mitten im See. Mitte Februar muss ein Wolf im 5 Grad kalten Wasser durch den Vierwaldstättersee geschwommen sein.
Zwischen den beiden Punkten an den Ufern liegen 90 Minuten. «Eine Umrundung des Sees wäre für das Tier auch zeitlich nicht möglich gewesen», bilanziert Flurin Kunz.
Wie aussergewöhnlich sind schwimmende Wölfe?
Es sei das erste Mal, dass sie GPS-Daten von einem schwimmenden Wolf in der Schweiz sammeln konnten, sagt Flurin Kunz. Eine breite Datengrundlage fehle.
«Aber vielleicht ist es gar nicht so aussergewöhnlich. Für Hunde wäre es theoretisch auch möglich, diese Strecke zu schwimmen.» Für deren genetische Vorfahren, den Wolf, dürfte es also kein Problem sein.
Auf der Suche nach einem Weibchen
Seit letztem Oktober ist das Tier mit der Bezeichnung M637 mit einem Sender ausgestattet. Neben dem «Schwumm» durch den See lässt sich so auch eine mehrere hundert Kilometer lange Wanderung nachvollziehen.
Das drei bis vier Jahre alte Wolfsmännchen lief vom Westschweizer Jura über das Emmental bis in den Kanton Zug. Dabei über- und unterquerte das Tier Autobahnen und navigierte an Siedlungen vorbei.
«Jetzt im Februar und im März ist Fortpflanzungszeit. Der Wolf sucht nach einem Weibchen, um ein Rudel zu gründen», erklärt Flurin Kunz von Kora das Verhalten von M637. Wenn der Wolf schliesslich ein Weibchen gefunden habe, werde er stationär. Dann also enden die langen Wanderungen des Tiers.