Wie ist aktuelle Stand der Ermittlungen? Die genaue Ursache für den Gondelabsturz vom vergangenen Mittwoch im Skigebiet Engelberg ist noch unklar. Dabei ist eine 61-jährige Frau aus der Region ums Leben gekommen. Aktuell untersucht die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) die Ursache für den Unfall. Gemäss den Bergbahn-Verantwortlichen sei die entsprechende Gondel auf dem technisch neuesten Stand gewesen. Am Mittwoch herrschten starke, böige Windverhältnisse. Mutmasslich hat eine Windböe die Gondel ins Schwanken versetzt.
Wohin deuten die Spuren? Gewiss ist, dass es zwischen einem Mast der Gondelbahn und der Gondel zu einer Kollision kam. Noch nicht gesichert ist, wie die Kollision genau stattgefunden hat. Doch die Spuren, welche die Sust nach dem Unglück am Titlis gesichert hat, deuten darauf hin, dass es eine Berührung zwischen der Klemme, mit der die Gondel am Seil befestigt war und einem Seilfänger am Masten gegeben hat. Ein Seilfänger ist eine Art Sicherheitshaken für den Fall, dass das Tragseil von der Rolle springt. Nach dieser Kollision stürzte die Gondel kurz vor 11 Uhr ab.
Welche Rolle spielte der Wind? Laut dem Verwaltungsratspräsidenten der Titlis Bergbahnen, Hans Wicki, waren die Mitarbeitenden bereits dabei, den Betrieb, aufgrund der Windverhältnisse, einzustellen. Die Gondeln wurden nach und nach in die Garage geführt. Währenddessen kam es zum Absturz. Auch der Geschäftsführer der Titlis Bergbahnen, Norbert Patt, unterstreicht: «Die Frau befand sich in einer der letzten Gondeln.»
Philippe Thürler, Untersuchungsleiter der Sust, geht nicht davon aus, dass die Klemme defekt war. Trotzdem würden diese und andere technische Aspekte, wie die Seilbahnsteuerung und die Windmessanlage, noch genauer geprüft. So könne man auch feststellen, ob der Wind ausschlaggebend für den Unfall war. Anschliessend werde man sich auch die betrieblichen Prozesse genauer anschauen. Dabei schaue man sich unter anderem auch an, wie der Betrieb jeweils mit Wetterverhältnissen umgeht.
Wie erkennt man riskante Windverhältnisse? «Bei den Bahnen gibt es meistens zwei bis drei Windmesser», erklärt Seilbahningenieur Reto Canale. Diese seien an jenen Stützen angebracht, wo die Windverhältnisse kritisch sein können. Am Mast des Absturzes am Titlis selbst war kein Windmesser angebracht, jedoch weiter oben an der Bahn. Diese Windmesser übermitteln die Stärke des Windes in Echtzeit an die entsprechende Antriebsstation. «Das ist bei allen Bahnen vorgeschrieben», betont Canale.
Ab wann muss man reagieren? Es gibt kritische Werte. Ab einer Windgeschwindigkeit von 40 km/h wird typischerweise eine Warnung ausgelöst. «Dann sollte man anfangen zu reagieren», sagt Canale. Vor allem, wenn man feststellt, dass der Wind zunimmt. Der nächste kritische Wert ist 60 km/h. Dann wird ein Alarm ausgelöst. Falls noch keine Massnahmen ergriffen wurden, fängt man spätestens dann damit an und reduziert die Geschwindigkeit der Bahn. Das reduziert auch das Unfallrisiko.