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Coronavirus: Genesene Patienten gelten als immun gegen das Virus
Aus 10vor10 vom 20.03.2020.
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Vom Coronavirus geheilt «Die Leute machen einen Bogen um mich»

Bettina Sooder hat das Virus gut überstanden. Sie spricht über das «Stigma Corona» und ihre neue Rolle im Arbeitsleben.

Die Zahl der Covid-19 Infizierten nimmt täglich exponentiell zu. Und auch die Zahl derjenigen, die das Virus überstanden haben, steigt, wenn auch zurzeit noch langsamer. In der Schweiz werden die Geheilten nicht explizit erfasst. Weltweit gelten über 86'000 Personen als geheilt.

Und die Menschen – davon geht man inzwischen aus – sind immun. Eine davon ist Bettina Sooder. Sie war die dritte offiziell an Covid-19 erkrankte Person in Zürich. «Es war ein komisches Gefühl, weil man plötzlich eine Gefahr für andere ist. Man fühlt sich auch einsam.»

Die 26-Jährige hat sich vermutlich vor fast drei Wochen in Mailand angesteckt. Sie war dort während der Fashion Week in Restaurants, im Ausgang und sich keinerlei Gefahr bewusst. Als sie in der folgenden Woche leichte Erkältungssymptome verspürte, rief sie ihren Arbeitgeber an, um sich abzumelden.

Zuerst war ich schon ziemlich überrascht, weil ich wirklich dachte, ich habe es nicht. Meine Symptome waren nicht sehr stark.
Autor: Bettina Sooder

Eine Kollegin riet ihr, einen Corona-Test zu machen. Erst tags zuvor war der erste Fall in der Schweiz bekannt geworden. Kurz darauf erfährt Sooder, dass sie positiv getestet wurde. Sie muss im Spital in ein Isolationszimmer. «Zuerst war ich schon ziemlich überrascht, weil ich wirklich dachte, ich habe es nicht. Meine Symptome waren nicht sehr stark. Ich hatte Husten, Schluckweh, Kopfweh und auch einen ziemlich starken Geschmacks- und Geruchsverlust. Aber nicht so, dass ich unter normalen Umständen nicht arbeiten gegangen wäre.»

Vier Tage bleibt sie im Unispital Zürich in Isolation. Danach kann sie die Quarantäne bei sich zu Hause weiterführen. Für weitere zehn Tage. «Ich bekam jeden Tag einen Anruf vom Infektiologen, der mich fragte, wie es mir geht und ob ich noch Symptome hätte. Am längsten hielt der Husten. Als der dann weg war, hat der Infektiologe das am nächsten Tag überprüft und nachdem ich 48 Stunden symptomfrei war, war ich geheilt und darf nun wieder raus und arbeiten gehen.»

Die Leute machen schon einen Bogen um mich, weil sie Angst haben, infiziert zu werden, und das verstehe ich auch.
Autor: Bettina Sooder

Trotzdem wollten viele ihr noch nicht zu nah kommen. «Man wird schon ein wenig stigmatisiert. Und die Leute machen schon einen Bogen um mich, weil sie Angst haben, infiziert zu werden, und das verstehe ich auch. Es gab auch Kolleginnen, die sagten, ich will dich jetzt lieber noch nicht treffen.» Dabei wäre Sooder einige der wenigen in diesen Tagen, die man sorglos treffen könnte. Und das macht sie sich zu Nutze.

Kontakt mit Genesenen unbedenklich

Kontakt mit Genesenen unbedenklich
Legende:Marcel Salathé

Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen geht man davon aus, dass jemand, der das Virus überstanden hat, selbst nicht mehr angesteckt werden kann und nicht mehr ansteckend ist, erklärt Marcel Salathé von der ETH Lausanne. «Man geht grundsätzlich davon aus, dass jemand, wenn er immun ist, auch nicht mehr ansteckend ist, weil er dann keine Viren mehr produziert, die sich im Hals-Rachen-Bereich befinden.»

Sooder arbeitet in einer Kinderwunschklinik in Zürich als Arztsekretärin – normalerweise viel im Sekretariat. Aber jetzt nutzt sie ihre Immunität und nimmt den Patientinnen meistens Blut ab. Wenn die Klinik in gut zwei Wochen schliesst, will sie noch weitergehen: Die gelernte Fachangestellte Gesundheit hat einem Spital ihre Hilfe angeboten.

Ich bin froh, dass ich jetzt gesund bin und wieder mal ohne schlechtes Gewissen jemandem die Hand schütteln kann.
Autor: Bettina Sooder

Marcel Salathé sagt, geheilte Personen würden sehr wichtig werden. «Nicht nur fürs Gesundheitssystem, sondern fürs Gesamtsystem. Wer immun ist, wird nicht mehr vom Virus betroffen sein.» Geheilte, so Salathé, könnten das ganze System in den Alltag zurückzuführen: «Sie können wichtige Positionen übernehmen, wo viele Leute ausfallen werden, weil sie krank werden oder eben nicht krank werden wollen.»

Nach der Quarantäne hat sich Sooder eigentlich auf etwas Freiheit und Zeit draussen gefreut. Selbst wenn sie weder eine Gefahr für andere ist noch selbst krank werden könnte – auch sie hält sich an die nun geltenden Regeln. «Sonst müsste ich jedem erklären, dass ich geheilt bin, und das mache ich nicht. Aber ich bin froh, dass ich jetzt gesund bin und wieder ohne schlechtes Gewissen jemandem die Hand schütteln kann.»

10vor10 vom 20.03.2020

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71 Kommentare

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  • Kommentar von Larissa Möller  (Larissa Möller)
    Nachdem im Mittelalter der Pest durch Europa grassierte und unzählige Menschen starben, gab Systemwechsel... Darauf folgte die Renaissance. Heute würde ein Systemwechsel des Finanzsystems schon reichen um vieles auf dieser Welt zu verbessern.
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  • Kommentar von Franz Giger  (fjg)
    "Im Südkanton herrsche keine dramatische Coronavirus-Situation, sagt Paolo Ferrari, medizinischer Direktor der Tessiner Kantonsspitäler (EOC). Wir sind längst noch nicht am Anschlag. Und zwar weder mit Intensivbetten noch mit normalen Abteilungsbetten für Coronavirus-Erkrankte."
    Lügt Paolo Ferrari, um warum?
    Gemäss allgemeiner Berichterstattung ist der Kanton Tessin völlig am Anschlag. Demgegenüber hat ein Spital in Basel Kurzarbeit ins Auge gefasst.
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  • Kommentar von Pascal Schuler  (zensiert25)
    Wenn man das Virus an einem Türknopf auflesen kann, dann können doch auch geheilte das Virus weitergeben, oder verstehe ich was falsch?
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