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Stefan Blättler: «Das Strafrecht ist nicht das richtige Mittel»
Aus Tagesschau am Vorabend vom 19.03.2020.
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Polizeikommandant zu Corona «Befolgt doch bitte diese Verordnung, steht nicht unnötig herum»

Seit Dienstag sollen die Menschen, wann immer es geht, zu Hause bleiben. Wie die Polizei dieser Aufforderung Nachdruck verleiht, weiss Stefan Blättler, Kommandant der Berner Kantonspolizei.

Stefan Blättler

Stefan Blättler

Präsident der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten

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Stefan Blättler ist Kommandant der Kantonspolizei Bern und leitet die Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten.

SRF News: Der Bundesrat hat die Leute dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Was beobachten Sie nun auf den Strassen in Bern? Halten sich die Menschen daran?

Stefan Blättler: Das Gros der Bevölkerung ist sich sehr wohl bewusst, was der Bundesrat will: Die Bevölkerung schützen und einen effizienten Beitrag zur Reduktion der Ausbreitung dieses Virus leisten. Die meisten Menschen halten sich daran, doch es kommt vor, dass man manche Leute darauf aufmerksam machen muss: geht auseinander, steht nicht zu nahe beisammen. Die Ausbreitung ist am ehesten möglich, wenn man den Abstand von zwei Metern nicht einhält.

In Zürich werden Ansammlungen bis 15 Personen toleriert, in Genf noch fünf, in Bern gibt es offenbar keine Limite – gibt es da noch einen Flickenteppich?

Nein. Letztlich ist es eine Frage des gesunden Menschenverstandes und des Ermessens. Wir haben unter den Polizeikommandanten diese Frage erörtert. Der Bundesrat hat bewusst nur ein Versammlungsverbot für Veranstaltungen deklariert. Wenn Menschen privat draussen zusammenstehen, ist dies explizit nicht in der Verordnung drin.

Gibt es keine einheitliche schweizweite Praxis, muss man die lokalen Bedingungen berücksichtigen?

Das ist nicht so. Wir haben uns abgesprochen. Wir sagen, in der Regel sollten Gruppen ab zehn bis 20 Leuten auseinandergehen. Aber wenn einmal fünf ältere Personen zusammenstehen, dann macht es eben auch Sinn, diesen das zu sagen. Unser Auftrag als Polizei ist, den Leuten zu sagen: Ihr erweist Euch selbst einen Dienst, indem Ihr Euch nicht ansteckt und Ihr helft allen anderen Menschen, wenn Ihr nicht ungewollt mit Eurem Verhalten andere ansteckt.

Das Strafrecht ist bei der Bekämpfung gegen ein Virus nicht das richtige Mittel. Das sind gesunder Menschenverstand und Überzeugungskraft.

Es geht nicht darum, mit Zwangsmassnahmen und strafrechtlichen Mitteln vorzugehen. Das Strafrecht ist bei der Bekämpfung gegen ein Virus nicht das richtige Mittel. Das sind vielmehr gesunder Menschenverstand und Überzeugungskraft - und das macht die Schweizer Polizei vom Genfersee bis zum Bodensee.

Wenn die epidemiologische Lage dies notwendig macht, wird der Bundesrat vermutlich die entsprechenden Massnahmen treffen.

Die Situation im Tessin ist laut Bundesamt für Gesundheit dramatisch. Braucht es nun eine Ausgangssperre?

Es ist nicht an der Polizei, dies zu beurteilen. Das ist eine gesundheitspolitische Massnahme. Ich gehe davon aus, dass die Verantwortungsträger vom BAG und vom Bundesrat dies intensiv verfolgt. Und wenn die epidemiologische Lage dies notwendig macht, wird der Bundesrat vermutlich die entsprechenden Massnahmen treffen.

Könnten die etwa 18'500 Polizisten im ganzen Land so eine Ausgangssperre überhaupt durchsetzen?

Ich glaube, den Bürgerinnen und Bürgern ist klar, worum es geht. Hier geht es nicht darum, etwas durchzusetzen. Es geht auch bei schärferen Massnahmen darum, an die Einsicht der Leute zu appellieren. Ich bin überzeugt, dass uns das gelingt.

Was raten Sie jetzt aus Ihrer Sicht als Polizist den Leuten?

Befolgt doch bitte diese Verordnung, so wie sie jetzt in Kraft ist: Geht nach Hause, steht nicht unnötig draussen herum. Ihr verhindert damit, dass das Virus Euch selbst trifft oder dass Ihr dieses Virus ungewollt weitergebt. Beachtet diese Regel wirklich. Das ist letztlich das, was die Verordnung will. Und das ist die Botschaft, die ich hier absetzen möchte.

Das Gespräch führte Christoph Nufer.

Tagesschau, 19.03.2020, 18 Uhr; srf/rehm

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72 Kommentare

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  • Kommentar von Hans-Peter Grüter  (HP Grueter)
    Es gibt nur eines: Totale Sperrung, keiner geht mehr raus, runterfahren.
    Wir haben zu viele Egoisten im Land die Alles verschlimmern.
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  • Kommentar von Kurt Wirz  (kuwi)
    Dem gesunden Menschenverstand bin ich bisher noch nicht begegnet. Bei uns auf dem Land laufen die Leute in Scharen herum, braten Würste auf dem Grill und tun so, als ob schon Ferien wären. Da stellt es einem die Haare auf. 14 Tage Regen wären jetzt genau das Richtige. Dann bleiben die Idioten wenigstens zuhause. SRF: Spielfilmkanal und Unterhaltung raufschrauben und die Leute vor die Glotze locken.
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  • Kommentar von Max Hess  (MAH)
    33 Menschen skind in der Schweiz am Corona-Virus bis heute gestorben. Alle waren alt oder sonst schon sehr geschwächt. Wie viele gesunde, nicht geschwächte über 70jährige sind an Corona bis heute in CH schwer erkrankt und wieviele davon hospitalisiert? Wieviele sind als geheilt entlassen worden? Ist ein fitter und gesunder 70jähriger gefährdeter als ein nicht so fitter 40jähriger?
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    1. Antwort von Kurt Wirz  (kuwi)
      Darum geht es nicht. Es geht darum, das Risiko nicht unnötig zu erhöhen, dass sich andere anstecken könnten. Eine Pandemie ist etwas, was sich unkontrollierbar ausbreitet. Es sind noch nicht viele Menschen gestorben und es ist auch nicht das Ziel, dass viele Menschen sterben müssen. Die Ausbreitung wird kommen aber sie soll sich mit den verordneten Massnahmen so langsam wie möglich ausbreiten. Wir haben nicht 100'000 Intensivpflegeplätze mit Beatmungsmaschinen. DAS IST DER PUNKT!
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    2. Antwort von Kurt Wirz  (kuwi)
      Machen wir das Beste aus der Situation. Halten wir uns an die Regeln und ziehen wir das durch. Jede denkbare Alternative ist ein Schuss ins eigene Knie.
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    3. Antwort von Marc Brunner  (mbr72)
      Völlig egal... das Gesundheitssystem ist JETZT schon überlastet, jede unnötige weitere Verbreitung erschwert diese Situation noch mehr.
      Damit treffen die nötigen Verhaltensweisen alle, Junge, Alte, Fette, Sportliche... ALLE!
      Ausser natürlich, man ist einfach ein asoziales Hintertürchen...
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