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Vor 15 Jahren Als der Wald bei Leuk brannte

In der Schweiz steigt die Waldbrandgefahr weiter. Der letzte grosse Waldbrand ereignete sich 2003. Ein Rückblick.

Der grösste Waldbrand der letzten Jahre ereignete sich im Hitzesommer 2003 im Steilhang oberhalb von Leuk im Wallis. 300 Hektaren Wald mit rund 200'000 Bäumen brannten ab.

Tausende Helikoptereinsätze waren nötig, um das Feuer mit sämtlichen Glutnestern zu löschen. Die Löscharbeiten dauerten drei Wochen. In einer ersten Phase standen 450 Feuerwehrleute im Einsatz. Ein Feuerwehrmann musste verletzt ins Spital gebracht werden.

Das Werk eines Brandstifters

Insgesamt 265 Menschen mussten ihre Häuser – zum Teil fluchtartig – verlassen. Ein Wohnhaus konnte nicht mehr vor den Flammen gerettet werden. Es brannte nieder. Das Feuer richtete einen Schaden von rund zwei Millionen Franken an.

Ursache des Brandes war ein Brandstifter. Es handelte sich dabei um einen 32-jährigen Wiederholungstäter, der in der Region von Leuk-Susten aus purem Drang über 30 Brände legte. Für seine Taten wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt.

Ursachen für Waldbrände

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Trockenes Material, das brennt, führt noch zu keinem Waldbrand. Nur in den seltensten Fällen entfacht sich das Feuer von selbst. Die Ursache herauszufinden ist oft schwierig. Rund 30 Prozent bleiben laut Berechnungen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL ungeklärt.

Bei Bränden, deren Ursachen gefunden werden konnten, ist der Brandverursacher Nummer eins für Waldbrände ist der Mensch: Er verursacht über drei Viertel der Brände – beispielsweise durch achtlos weggeworfene Zigarettenstummel, nicht richtig gelöschte Grillfeuer, Funken von Hochspannungsleitungen oder Schiessübungen der Armee. Ebenfalls darin enthalten sind Brandstiftungen, die zehn Prozent ausmachen.

Es gibt nur eine nicht menschgemachte Brandursache: der Blitzschlag. Er verursacht etwa 17 Prozent der Brände und kommt haupsächlich im Sommer vor.

Sichtbare Folgen bis heute

Selbst 15 Jahre nach dem Brand sind die Spuren noch sichtbar: Auf dem Gebiet stehen unzählige, abgestorbene Bäume. Noch haben ihre Wurzeln nicht nachgegeben, bis jetzt sind sie nicht genügend durchgefault.

Das dürre Holz zerfällt zusehends. An den einst kahlen Stellen haben neue Baumarten mit äusserst flugfähigen Samen einen Platz gefunden. Während Pappeln, Weiden und Birken teilweise bereits mehrere Meter gross sind, hat die ursprüngliche Waldföhre Mühe, sich im Gebiet wieder anzusiedeln. Der Boden ist zu trocken geworden.

Letze Grosse Waldbrände (über 100 Hektare)

Datum
OrtVerbrannte Fläche (in Hektar)
16.4.1997Verdabbio293
12.3.2002Maggia137
24.4.2002 Gordevio325
6.8.2003Someo
130
13.8.2003Leuk310
23.4.2007Ronco sopra Ascona175
26.4.2011Visp
130
1.12.2016 Isone180
27.12.2016Mesocco119
27.12.2016Faido114

Eine Chance für die Artenvielfalt

Wie die Vegetation sich nach einem Brand erholt, haben Forscher während zehn Jahren am Gebiet oberhalb von Leuk untersucht. «Bereits ein Jahr nach dem Brand wuchsen brand-spezifische Pflanzen», sagt Philipp Gerold, Ingenieur Wald des Kantons Wallis.

Zwei Jahre nach dem Brand war die Pflanzenvielfalt zahlenmässig vergleichbar mit derjenigen im intakten Wald. Nach zehn Jahren war die Artenvielfalt sogar grösser als im benachbarten Nadelmischwald, der vom Feuer verschont blieb.

Insekten und Spinnen profitierten vom üppigen Totholz- und Blütenangebot: Unter den entdeckten Insekten befanden sich auf der Brandfläche neunmal mehr vom Aussterben bedrohte Arten als im benachbarten Wald.

Schmetterling auf einer Blume
Legende: Die Biodiversität ist zurück: Auf der Brandfläche sind viele bedrohte Arten zu finden. Keystone

Die Natur reguliert sich selbst am besten

«Bis der Wald wieder auf dem Stand ist, wie er vor dem Brand war, das werden wir nicht mehr erleben», sagt Philipp Gerold. Dazu benötige der Wald in tiefen Lagen geschätzt 100 und in höheren Lagen 200 Jahre.

Das Forschungsprojekt hat gezeigt, dass die Natur sich nach Bränden selber zu helfen weiss: «Es ist besser, die Wiederbewaldung der Natur zu überlassen», sagt Philipp Gerold. «Sobald man künstlich eingreift, bleibt es ein künstliches System, in das man weiter eingreifen muss.»

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