Zum Inhalt springen

Header

Audio
Marco Chiesa: Ein Mann auf der typischen SVP-Linie
Aus Rendez-vous vom 21.08.2020.
abspielen. Laufzeit 08:07 Minuten.
Inhalt

Wahl des SVP-Präsidenten Die SVP hat bei der Rösti-Nachfolge eine Chance verpasst

Den Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer darf man wohl als ein bisschen kauzig bezeichnen. Er ist nicht leicht durchschaubar und vielleicht etwas unberechenbar. Und jetzt vor der Delegiertenversammlung seiner Partei – als Präsidentschaftskandidat von der SVP-Rennleitung übergangen – ging er kurzerhand auf Tauchstation statt wie von ihm erwartet seinen Verzicht zu erklären.

Aber Heer ist auch schlau, hat viel politischen Spürsinn und ist ein gewiefter Taktiker. Und er hat sich um die SVP verdient gemacht: Er hat die Zürcher Kantonalpartei sieben Jahre lang geführt – von Erfolg zu Erfolg.

Kür im Hinterzimmer statt Roadshow

Dass die SVP Schweiz es sich geleistet hat, Heer zu übergehen, steht sinnbildlich für das Vorgehen der Partei bei dieser Vakanz an ihrer Spitze. Es mag für die SVP Tradition haben, mit Einerkandidaturen vor die Delegierten zu treten. Aber im heutigen politischen Umfeld wirkt diese Kür des Präsidenten im Hinterzimmer eigenartig aus der Zeit gefallen.

Andere Parteien im In- und Ausland inszenieren parteiinterne Ausmarchungen mit Roadshows, Hearings, Urabstimmungen. Die SVP setzt eine Findungskommission ein, die über Monate im Geheimen arbeitet und am Ende einen einzigen Namen präsentiert.

Damit hat die Partei, die sich seit einiger Zeit im Formtief befindet, auch eine Chance verpasst. Mit einer spannenden, öffentlichkeitswirksamen Ausmarchung um die Parteispitze wäre die SVP in den Medien präsent gewesen – wenige Wochen vor der Abstimmung über die ihr doch so wichtige Begrenzungsinitiative. Stattdessen machte Partei-Doyen Christoph Blocher Schlagzeilen mit seinem späten Begehren um eine Bundesratsrente.

Chance für Neuanfang?

Möglich also, dass der neue SVP-Präsident Marco Chiesa gleich zu Beginn seiner Amtszeit Ende September eine krachende Niederlage an der Urne wird erklären müssen. Kein idealer Start, aber vielleicht auch die Chance für einen Neuanfang. Der Tessiner mag bis jetzt in Bundesbern wenig aufgefallen sein. Das war aber zum Beispiel bei Petra Gössi nicht anders, bevor sie FDP-Parteipräsidentin wurde.

Wenn es Chiesa in den nächsten Monaten gelingt, in der Deutschschweiz eine glaubwürdige Stimme seiner Partei zu werden, wird niemand mehr seine Kompetenz infrage stellen. Auch wenn er, wie viele SVP-Parteipräsidenten vor ihm, gegen die Unterstellung wird kämpfen müssen, der SVP-Kurs werde ohnehin in Herrliberg festgelegt.

Curdin Vincenz

Curdin Vincenz

Bundeshausredaktor, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Vincenz berichtet seit 2016 für Radio SRF über das Geschehen im Bundeshaus. Zuvor war er unter anderem als Regionalkorrespondent in Zürich und als Moderator der Sendung «Rendez-vous» tätig. Er hat an der Universität Bern Geschichte und Politikwissenschaft studiert.

(Bild: Emma P. Weibel)

SRF 4 News, 21.08.2020, 15:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

34 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beat Leutwyler  (Beat Leutwyler)
    Politische Parteien sind die Echokammern der eigenen Meinung. Nicht mal Facebook kommt heran, die eigene Einstellung dermassen beklatschen zu lassen wie in einer politischen Partei.

    Spielt es dann wirklich eine Rolle, wie sich ein Parteimitglied wählen lässt?
    Wenn der Autor glaubt die Partei hätte eine Chance verpasst, dann ist er vielleicht enttäuschtes Mitglied ohne den Vorschlag eingebracht zu haben. Ansonsten stimmt es für Partei und Mitglieder. Wer parteiisch ist, ist eben parteiisch.
  • Kommentar von Beat R. von Wartburg  (Beat R. von Wartburg)
    Eine eigene (andere) Meinung zu haben und diese notfalls auch kund zu tun ist legitim und in einem demokratischen Staat sogar erwünscht. Eine systematische Kampagne gegen eine Peron oder Gruppe zu fahren ist eine ganz andere Sache und sicher nicht demokratisch. Soviel von einem Nicht-SVP-ler.
  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Ich bin kein SVP-Jünger, weil ich nicht blindlings einer Parteidoktrin folge und sachbezogen abstimme. Die ständigen abgedroschenen Ausdrücke wie Volch, Blocher Jünger etc. zeigen mir jedoch, wie hilflos gewisse Schreiber sich hier Gehör verschaffen wollen. Der SVP wird oft fehlende Fairness vorgeworfen, aber wenn dies SVP-Abgeneigte zelebrieren ist es etwas anderes. In einer Demokratie braucht Stimmbürger die differenziert agieren und keine Partei-Sekten-Anhänger und dies von Rechts bis Links!
    1. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Und schon fast tragisch ist, wenn C. W. SP in der Arena dann seine dunklen Augenringe erklärt - seine Tochter hätte einen Badeunfall gehabt, im Spital sei sie dann bestens von einer Ärztin aus DE betreut worden ist.
      Die Argumente gegen die BGI werden auch immer abgedroschener.
      Selber stimme eher selten Initiativen der SVP zu, aber für mehr Natur- & Umweltschutz, weniger Verbauungen, mehr Landschaft-Schutz, lohnt es sich die BGI zu unterstützen.