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Was macht einen Wirtschaftsstandort attraktiv?
Aus Echo der Zeit vom 16.09.2019.
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Gehen oder bleiben? Politik prägt den Firmenstandort Schweiz mit

Sollen Unternehmen ihre Produktion vermehrt ins billigere Ausland verlagern? Oder ist der Standort Schweiz attraktiv genug, um hier zu bleiben? Die Politik entscheidet mit, indem sie die Rahmenbedingungen setzt.

Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen ist die Frage besonders brisant: Was kann die Politik tun für den Standort Schweiz? Was stärkt den Werkplatz und was schwächt ihn? Die Antwort fällt unterschiedlich aus – je nach Firma und deren Geschäft.

Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten. Für die exportorientierte Maschinen- Elektro- und Metallindustrie zum Beispiel, kurz MEM-Branche genannt, sei der Zugang zu Fachkräften, Lieferanten und Kunden in Europa besonders wichtig, sagt Ökonom Michael Grass vom Forschungsinstitut BAK Economics in Basel.

Die meisten MEM-Firmen sind denn auch eng verflochten mit den europäischen Nachbarregionen. Dies hat eine BAK-Studie unlängst gezeigt.

Fachkräfte haben hohe Priorität

Studienautor Michael Grass sagt: «Um wachsen zu können, benötigen diese Unternehmen häufig qualifiziertes Personal aus der EU.» Nur schon deshalb sei bedeutsam, wie die Politik das Verhältnis der Schweiz zu Europa regle.

Die Bilateralen Verträge und das umstrittene Rahmenabkommen mit der EU sind demnach ein Schlüsselthema für die MEM-Industrie. Dabei geht es allerdings nicht nur um qualifiziertes Personal.

Auch für den Absatz der Produkte ist die Exportindustrie auf möglichst guten Zugang zum europäischen Markt angewiesen – einschliesslich Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen.

Das sieht auch Bruno Cathomen so, Chef des Maschinenbauers Mikron, mit Fabriken im Kanton Neuenburg und im Tessin. In der Mikron-Werkshalle in Agno, nahe von Lugano, steht der 52-jährige ETH-Ingenieur vor einer mehr als mannshohen Maschine.

Mit ihr lassen sich – in nur einem Durchgang – rasch und präzise Kugelschreiberspitzen in grosser Menge fabrizieren. Ob aus Asien, Europa oder den USA: Fast alle Metallspitzen für Kugelschreiber weltweit sind auf solchen Mikron-Maschinen entstanden.

Bruno Cathomen
Legende: Unternehmenssteuern sind bei der Standortwahl für Bruno Cathomen, Chef des Maschinenbauers Mikron, nicht entscheidend. SRF

Mikron hat in diesem Segment einen Marktanteil von 95 Prozent. Doch warum stellt das mittelgrosse Unternehmen mit insgesamt rund 1400 Angestellten diese Maschinen ausgerechnet im Tessin her, in Agno bei Lugano?

Hier, nahe der Grenze zu Italien, finde sein Unternehmen das richtige Fachpersonal mit dem richtigen Knowhow, antwortet Firmenchef Bruno Cathomen. Er meint damit beispielsweise Ingenieure aus Mailand, die es für die Entwicklung und den Bau von Mikrons Präzisionsmaschinen braucht.

Faktor Steuern wichtig für die Kosten

Andere Kriterien, etwa die Höhe der Unternehmenssteuern, seien bei Standort-Entscheiden weniger wichtig, sagt der Mikron-Chef. Das mag im Fall des hoch spezialisierten Maschinenbauers stimmen. Generell aber seien die Steuern ein erheblicher Kostenfaktor, sagt Ökonom Michael Grass von BAK Economics.

Dazu kommen andere Kostenpunkte – etwa die Preise für Energie, oder der bürokratische Aufwand beim Bau neuer Fabriken. Daraus folgt: Nicht nur den Zugang zu Personal und Absatzmärkten im Ausland, auch die verschiedenen Kostenfaktoren kann die Politik beeinflussen, beispielsweise mit Steuergesetzen, oder auch in der Energiepolitik.

In solchen Fragen haben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier in Bundesbern also ein wichtiges Wort mitzureden.

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