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Legende: Audio Sind die Grünen auf Siegeskurs? abspielen. Laufzeit 04:41 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 23.08.2019.
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Hoffnungen wie 1987 Kommt der grüne Sturm im Wahlherbst?

Auch vor den Wahlen vor 32 Jahren waren die Grünen im Hoch. Sie holten dann aber doch weniger Sitze als erhofft.

«Die Grünen sind Hoffnungsträger geworden»: Das ist nicht etwa eine Schlagzeile zu den Wahlen diesen Herbst. Sie stammt von 1987. Sie könnte es aber durchaus sein. Denn laut Umfragen ist die Grüne Partei im Aufwind und könnte Sitze gewinnen. Doch ist die Ausgangslage vergleichbar mit 1987?

Blicken wir zuerst zurück: «Es schadet nicht, wenn die Grünen kommen. Es wird nämlich immer nur geredet und nichts getan bei den Alten», sagt ein Zürcher, nachdem die Grünen im Zürcher Kantonsparlament 18 zusätzliche Sitze gewonnen hatten. Die Bürger wollten mehr Umweltschutz, sagte Anton Kilias von der CVP damals: «Offensichtlich hatten sie den Eindruck, dass die klassischen Parteien das Thema zu wenig konkret aufgenommen haben.»

Reaktion auf Tschernobyl und Schweizerhalle

Für grünen Aufwind sorgten unter anderem zwei Katastrophen im Vorjahr. So meldete Schweizer Radio DRS nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl: «In der Schweiz werden nach wie vor erhöhte radioaktive Werte festgestellt.» Sieben Monate später folgte die zweite Katastrophe, in der Schweiz selber.

Beim Feuer einer Lagerhalle des damaligen Chemiekonzerns Sandoz bei Basel traten mehr als 1000 Tonnen giftige Chemikalien aus. Das verschmutzte Löschwasser floss direkt in den Rhein. Viele Fische verendeten. 10'000 Personen demonstrierten eine Woche später in Basel und skandierten mit Anspielung auf die ukrainische Reaktorkatastrophe «Tschernobâle».

Zersaust der grüne Sturm jetzt auch den Filz im Bundeshaus?
Autor: Schlagzeile des «Blick»14. April 1987

Viele wollten Taten sehen, eine neue Politik. In diversen Kantons- und Stadtparlamenten legten die Grünen zu. Der «Tagesanzeiger» titelte am 7. April 1987: «Die Grünen sind zu Hoffnungsträgern geworden». Der «Blick» fragte am 14. April: «Zersaust der grüne Sturm jetzt auch den Filz im Bundeshaus?»

Ruedi Baumann, Mitglied der Berner Freien Liste, die zu den Grünen gehörte, warb im Schweizer Fernsehen um Stimmen. «Schweizerhalle, Tschernobyl, Waldsterben, Bodenerosion, Bauernhofsterben, Trinkwassermisere und so weiter. Habt ihr manchmal auch das Gefühl, so könne es nicht weitergehen?»

Eine Gruppe von fröhlichen Menschen sitzen dund stehend an einem Tisch, hinten ein Grünen-Transparent
Legende: Die Grüne Partei des Kantons Zürich feiert am 5. April 1987 nach der Bekanntmachung der Ergebnisse der Kantonsratswahlen die Bestätigung ihres Kandidaten Hans Meier (2.v.l.). Keystone/Archiv

Aus dem prognostizierten Sturm wurde dann aber doch nur ein normaler Wind. Zwar gewannen die Grünen sechs Sitze dazu und hielten so neun Mandate im Nationalrat. Sie hatten damit neu Fraktionsstärke. Geträumt hatte man aber von bis zu 15 Sitzen. Politgeograf Michael Hermann erklärt: «Insbesondere hatte die SP damals mehr verloren als die Grünen gewannen.»

Das habe das Ganze enorm relativiert. «Und von dieser Hoffnung ist dann nicht mehr allzu viel übrig geblieben nach den Wahlen im Oktober», so Hermann. Und jetzt, im Jahr 2019? Auch heute sind grüne Themen aktuell.

Erfolg in den Kantonen, Erfolg in Bern?

Auch jetzt können die Grünen auf erfolgreiche Wahlen in den Kantonen zurückblicken. Was aber, wenn die Bevölkerung plötzlich der Klimajugend und Greta Thunberg überdrüssig sind? Das sei nicht auszuschliessen, meint Hermann. Aber es gebe Unterschiede zu 1987, die für die Grünen sprächen.

«Diese Wahlen in den Kantonen waren sehr breit und der Linksrutsch war breit feststellbar. Die SVP ist in einer Formkrise. Dass sich das jetzt kurzfristig völlig ändert, würde mich erstaunen. Aber trotzdem ist es möglich, dass die Intensität, die wir im Frühling hatten, nun nicht mehr ganz so hoch ist.»

Entscheidend wird unter anderem sein, ob die Grünen ihre potenzielle Wählerschaft mobilisieren können. Dann zeigt sich, mit wie viel Stärke auf der Beaufort-Skala der grüne Wind dieses Mal weht.

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80 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Jorns  (Benedikt Jorns)
    Wer umweltbewusst denkt, wählt ganz sicher nicht grün! 17,9% unserer CO2-Emissionen stammen vom Strassenverkehr, 2,7% vom Luftverkehr und 2,5% von der Schifffahrt. Besonders schlimm sind Kohle- und Gaskraftwerke. Insgesamt ca. 85% der weltweiten Energieversorgung geschieht mit fossilen Brennstoffen (Erdöl, Kohle und Erdgas). Die erneuerbaren Energien und die Kernenergie bringen zusammen weltweit nur ca. 15%. Sie gegeneinander auszuspielen, ist nicht klimafreundlich sondern ganz einfach dumm!
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Wichtig wäre es, wenn sich die - sehr gut entlöhnten (Volks-Steuergelder) - ParlamentarierInnen, endlich darauf besinnen würden, dass sie sich mit der Wahl dafür verpflichteten, sich effektiv um die essenteiellen und existenziellen Bedürfnisse der Schweizer Bevölkerung engagiert zu kümmern!? Viele leere Versprechungen! Jede/r ArbeitnehmerIn, würde mit einer solchen Bilanz sofort entlassen....
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    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Frau Casagrande so läuft es leider in der Politik nicht. Zuerst ist der Politiker seiner Partei verpflichtet, die ihre Wahlthemen festlegen und dadurch ja auch gewählt werden.
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  • Kommentar von Matthias Rey  (matthiasrey)
    Jeder sieht, dass die Gletscher schmelzen. Aber es gibt auch einige, die sehen, dass die Gründe vielfältig sind und wir sie nur ganz bedingt bremsen können. Wer die wissenschaftlichen Studien genau ansieht, erkennt, wie komplex die Sache ist. Der Anteil von CO2 ist gegenwärtig 0,038%. CO2 ist zudem kein Gift, sondern wird für das Pflanzenwachstum gebraucht. Bitte die wissenschaftlichen Studien studieren und nicht einfach Greths Meinung übernehmen.
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Naja, der Grossteil der damit beschäftigten Wissenschaftler ist anderer Meinung, aber jedem das Seine;-)
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