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Grüne vor einem Rollenwechsel
Aus Echo der Zeit vom 01.11.2019.
abspielen. Laufzeit 05:33 Minuten.
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Neue Grüne im Parlament Kommt es gar zu Allianzen mit der SVP?

Die Grünen werden nicht umhinkommen, mehrheitsfähige Lösungen zu unterstützen. Sonst droht der Absturz beim Volk.

Meret Schneider arbeitet als Geschäftsführerin von Sentience Politics. «Die Organisation macht Politik für alle Lebewesen – Menschen und Tiere», erklärt die 27-jährige Zürcherin. Die Beziehung Mensch-Tier will die frisch gewählte grüne Nationalrätin radikal verändern. Sie ist Veganerin und will die Schweizer und Schweizerinnen von einer rein pflanzlichen Ernährung überzeugen.

Meret Schneider, Nahaufnahme.
Legende: Meret Schneider möchte, dass in der Schweiz weniger Fleisch gegessen wird. Keystone

«Den aktuellen Fleischkonsum von 52 Kilogramm pro Jahr und Kopf können wir uns keine Sekunde länger leisten. Wir müssen das subito reduzieren!»

Nicht mehr reine Oppositionspartei

Radikale Position, klare Haltung: Schneider ist kein Einzelfall bei den Grünen. Doch mit dem Ziel, einen Sitz im Bundesrat zu erobern, werden es solche Positionen schwer haben, in der Partei mehrheitsfähig zu werden.

Darum stehe bei den Grünen ein Rollenwechsel an, sagt Isabelle Stadelmann, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Bern. Die Grüne Partei sei bisher eine kleine Oppositionspartei gewesen. Jetzt müsse sie «eine gewisse Verantwortung übernehmen».

Pragmatische Lösungen gesucht

Seine Partei könne durchaus Hand zu pragmatischen Lösungen bieten, ist Gerhard Andrey überzeugt. Auch er gehört neu zur grünen Fraktion im Parlament. Der 43-jährige Freiburger ist ursprünglich Schreiner und hat zusammen mit Kollegen eine IT-Firma aufgebaut, die heute 180 Personen beschäftigt. Er wolle vor allem als Unternehmer gehört werden, sagt er.

Gerhard Andrey.
Legende: Der Freiburger Gerhard Andrey sieht sich weder als arbeitgebernah noch gewerkschaftsnah. Keystone

Schaut man Andreys Smartvote-Profil an, so ist er aber ein typischer Vertreter seiner Partei. Er fordert nicht tiefere Steuern oder ein flexibleres Arbeitsrecht, wie bürgerliche Wirtschaftspolitiker es tun. Er sieht sich aber weder als gewerkschaftsnah noch arbeitgebernah. Ihn interessieren neue Arbeits- und Organisationsformen.

So gibt es in seiner Firma beispielsweise keine Geschäftsleitung. Das Unternehmen arbeitet selbstverwaltet, es gehört den Angestellten.

Keine Berührungsangst

Diese politische Flexibilität und die Kontakte zur Wirtschaft brauchen die Grünen künftig. Nur mit der SP, den Grünliberalen und der CVP Kompromisse zu schmieden, das werde nicht reichen, sagt Politologin Stadelmann.

Am Ende habe bei wichtigen Themen das Stimmvolk das letzte Wort. So zeige etwa die Energiepolitik, dass Verschärfungen beim Volk nur durchkommen, wenn auch die FDP und die Wirtschaft sie unterstützten.

Andrey traut seiner Partei zu, auch mit den Bürgerlichen Kompromisse zu finden: «Ich habe zumindest keine Berührungsangst, mit Kolleginnen und Kollegen dieser Parteien zusammenzuarbeiten, wenn es der Sache dienlich ist.»

Offen für Allianzen mit der SVP

Auch Schneider ist offen für Allianzen. Gerade bei ihren Themen will sie auf die SVP zugehen, schliesslich teilten einzelne Bauern ihre Anliegen. Auch sie seien dem Freihandel gegenüber kritisch eingestellt oder hätten die Massentierhaltungs-Initiative unterstützt. «Da sind wir auf einer Linie und können sicher gut zusammenarbeiten», sagt sie.

Die neuen Gesichter werden die Grüne Partei prägen. Doch am Schluss muss die Partei auch ihre Basis und die jungen Neuwählerinnen und Neuwähler vom neuen Kurs überzeugen und davon, dass es in der Schweizer Politik immer wieder einen Kompromiss braucht.

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Maier  (MaTo)
    wir werden nicht umhin kommen weniger Fleisch zu essen, unsere Mobilität zu hinterfragen. Es wird für Niemand einfach werden, gerade wenn man Fleisch sehr gern hat und seit Jahrzehnten gewohnt ist dies täglich zu essen, gerade wenn man auf das Auto angewiesen ist, damit arbeitet und abgelegen wohnt. Und trotztdem werden wir es tun müssen - das umdenken - entweder jetzt noch einigermassen geplant oder später Hals über Kopf.
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  • Kommentar von pedro neumann  (al pedro)
    Immerhin lobenswert, dass die Frau eher Sachpolitik anstatt Parteiideologie verfolgen will.
    Weniger Fleich zu essen, mag sinnvoll sein, Nulltoleranz weniger. Nulltoleranz bräuchte es hingegen bei gefährlichen Pestiziden in der Landwirtschaft, Mikroplastik im Wasser und der Verwendung von Palmöl. Das scheint mir dringlicher, als nicht mehrheitsfähige CO2-Massnahmen anzustreben. Vielleicht liess sich die SVP zu einigem gewinnen, wenn deren Spitze etwas clever wäre....
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    1. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      @pedro Neumann- "Immerhin lobenswert, dass die Frau eher Sachpolitik anstatt Parteiideologie verfolgen will". Wie kommen Sie darauf? Persönliche Ideologien statt die parteilich festgeschriebenen zu verfolgen entspricht weder ihrem verfassungsmässigem Auftrag, noch hat es irgendwas mit "Sachpolitik" zu tun.
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  • Kommentar von Peter Holzer  (Peter Holzer)
    Ich esse Fleisch und finde es gut dessen Konsum zu reduzieren.

    Ich fahre Auto und finde es gut wenn nach alternativen zur derzeitigen Mobilität gesucht wird.

    Wieso wird immer der Absolutissmus von jemandem verlangt der sich für etwas einsetzen möchte und bereit ist kleine (oder grosse) Schritte zu tun?

    Der Umweltschützer darf sich nicht mehr fortbewegen, der Veganer nichts aus Leder tragen etc. - hört doch auf damit!
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