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Das Aargauer Kandidaten-Karussell ist komplett
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2 Sitze und 10 Kandidaturen Die Entscheidung im Ständerat fällt erst im November

Acht Parteien und zwei wilde Kandidaturen wollen die beiden abtretenden Aargauer Ständeräte beerben. Dieser Andrang macht die Wahl spannend.

Das gab es schon länger nicht mehr: Gleich beide Aargauer Sitze im Stöckli werden frei, die beiden bisherigen Ständeräte beenden ihre politischen Karrieren in Bern. Pascale Bruderer (SP) und Philipp Müller (FDP) machen Platz für neue Kräfte.

Eine riesige Auswahl an Kandidierenden

Das motiviert offensichtlich: Zehn Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich offiziell für die beiden Sitze. Natürlich wollen die beiden bisher im Stöckli vertretenen Parteien ihre Sitze halten. Die FDP stellt dazu Nationalrat Thierry Burkart aus Baden zur Wahl, die SP tritt mit Nationalrat Cédric Wermuth aus Zofingen an.

Auch die SVP erhebt Anspruch: Sie will mit Nationalrat Hansjörg Knecht aus Leibstadt den 2011 an die SP verlorenen Sitz wieder zurückgewinnen. Die CVP tritt mit Kantonalparteipräsidentin Marianne Binder zur Wahl an, die BDP portiert Grossrätin Maya Bally, die Grünliberalen Nationalrat Beat Flach. Zudem buhlen auch die Grünen mit der Badener Stadträtin Ruth Müri und die EVP mit Grossrat Roland Frauchiger um einen Sitz.

Jean-Pierre Leutwyler (Freie Wähler) aus Baden und Pius Lischer (Neue Bundesverfassung) aus Oberrüti im Freiamt wollen ebenfalls gewählt werden, sind aber im Umfeld der etablierten Kandidaturen chancenlos.

Die grosse Zahl der Kandidierenden führt wohl dazu, dass im ersten Wahlgang noch kein Sitz besetzt wird. Es ist nämlich fraglich, ob jemand das absolute Mehr an Stimmen erreicht - rund ein Viertel aller Stimmen sind dazu notwendig. 2015 schaffte nur die bisherige und weit über ihre Parteigrenzen hinaus beliebte Pascale Bruderer die Wahl bereits im ersten Anlauf.

Wenn jemand bereits im ersten Wahlgang am 20. Oktober gewählt wird, dann ist es Thierry Burkart von der FDP. Der FDP-Politiker ist als ehemaliger Präsident des TCS Aargau und Vizepräsident des TCS Schweiz gut vernetzt und medial sehr präsent. Burkart selber gibt sich skeptisch und schliesst nicht aus, dass auch er in den zweiten Wahlgang muss.

Offenes Rennen im zweiten Wahlgang

Sollte Burkart tatsächlich im ersten Wahlgang den Sprung in den Ständerat schaffen, wäre im zweiten Wahlgang am 24. November buchstäblich alles möglich. Es könnte sein, dass dann noch Hansjörg Knecht (SVP), Marianne Binder (CVP) und Cédric Wermuth (SP) im Rennen sind. Sie dürften im ersten Wahlgang hinter Burkart am meisten Stimmen machen.

Da Thierry Burkart ein klar bürgerlich denkender Politiker ist, könnten sich viele Wählerinnen und Wähler im zweiten Wahlgang von der Devise leiten lassen «Hauptsache nicht Knecht». Denn mit Burkart und Knecht wäre der Kanton Aargau im Ständerat durch zwei Politiker von mitte-rechts und ganz rechts vertreten.

Dieses Szenario könnte Marianne Binder Stimmen bringen. Sie könnte Wähler von der FDP abholen und auch solche aus der Mitte. Sie selbst hofft nicht zuletzt darauf, dass sie auch weibliche Stimmen von links erhält, weil diese vielleicht lieber eine «richtige» Frau als den selbst deklarierten «Feministen» Cédric Wermuth wählen. Allerdings: Binder vertritt einige Positionen, die links der Mitte nicht mehrheitsfähig sind - das Potential dürfte beschränkt sein.

Und auch Wermuths Chancen könnten steigen, wenn sich im zweiten Wahlgang eine Abwehrfront gegen Hansjörg Knecht bilden sollte. Würde sich das links-grüne Lager – verstärkt durch einige Stimmen aus der Mitte – geeint hinter den SP-Kandidaten stellen, könnte am Schluss der pointiert links politisierende Wermuth den Sprung in die kleine Kammer schaffen.

Wohin gehen die Stimmen der FDP?

Sollte Burkart ebenfalls in einen zweiten Wahlgang verwiesen werden, kann er sich immer noch gute Chance auf die Wahl ausrechnen, denn er ist sowohl für die FDP wie auch für die SVP wählbar. Diese Stimmen sollten reichen, um am meisten Stimmen zu holen.

Nicht so klar ist, wie gross das Stimmenpotenzial für Hansjörg Knecht ist. Er hat die SVP-Wähler auf sicher. Aber für viele FDP-Mitglieder ist er nicht wählbar, wegen seiner Einstellung zu Europa.

Deshalb könnte auf vielen Wahlzetteln von FDP-Wählenden neben Burkart auch der Name Binder stehen. Aber auch die Kombination Wermuth und Binder auf einem Wahlzettel ist denkbar, für Wählende, die eine Mitte-links-Paarung bevorzugen.

Eine Überraschung für Sitz Nummer 2?

Wer im zweiten Wahlgang ausschliesslich links stimmen will, wird die Namen Wermuth und Müri auf den Zettel schreiben, falls die Grüne Müri in einen zweiten Wahlgang geht. Vielleicht ist aber auch Nationalrat Beat Flach für eine Überraschung gut, nämlich dann, wenn sein Name wegen des Höhenfluges seiner Partei ein unerwartet gutes Resultat erzielen sollte.

Fazit: Bei den Ständeratswahlen im Aargau kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit voraussagen, dass Thierry Burkart den FDP-Sitz halten kann. Wer den Sitz von Pascale Bruderer holt, ist hingegen sehr offen, denn es gibt unzählige Wahl-Kombinationen. Diese Situation könnte im zweiten Wahlgang im November, in dem nur das relative Mehr zählt, vielleicht für einen unerwarteten Wahlausgang sorgen.

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