Zum Inhalt springen

Header

Audio
Kanton Zug: «Wir haben super Kandidatinnen und Kandidaten»
Aus Rendez-vous vom 09.10.2019.
abspielen. Laufzeit 04:21 Minuten.
Inhalt

Eine Männerbastion wackelt Schicken die Zuger erstmals eine Frau nach Bern?

Wer in den Nationalrat will, muss früh aufstehen. Am Bahnhof Cham verteilen FDP-Leute Gipfeli und Wahlprospekte an morgendliche Pendler. Mit dabei ist Karen Umbach, 58, gebürtige Waliserin, seit 20 Jahren wohnhaft im Kanton Zug. Die sprachgewandte Unternehmensberaterin ist das Gesicht des globalisierten Zug, des inzwischen reichsten Kantons der Schweiz.

Ich gehe davon aus, dass diesmal eine Frau gewählt wird.
Autor: Karen UmbachKandidatin FDP/ZG

Politisch ist Zug allerdings eine besonders trutzige Männerbastion geblieben. Denn noch nie wurde eine Zuger Frau ins nationale Parlament gewählt. Für Umbach ist das schwer zu verstehen: «Ich kann es mir kaum erklären, weil wir gute Frauen aufgestellt haben. Vielleicht war die Zeit noch nicht reif?»

Für die kommenden Wahlen habe man aber super Kandidatinnen am Start: «Ich gehe davon aus, dass diesmal eine Frau gewählt wird.»

Karen Umbach
Legende: Bald 50 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts sind Frauen im nationalen Parlament noch immer in der Minderheit. Karen Umbach will das ändern. Sie kandidiert für die Zuger FDP als Nationalrätin. Keystone

Möglicherweise wird Umbach selber gewählt. Sie steht bei ihrer Partei auf dem ersten Listenplatz. Allerdings wackelt der freisinnige Zuger Nationalratssitz. Er könnte an die links-grüne Konkurrenz gehen, die dieses Jahr geeint auftritt – und ebenfalls mit Frauen als Spitzenkandidatinnen.

Konkurrentin von der Alternativen Liste

Vor dem Herti-Zentrum in Zug, dort, wo in der Stadt der gigantischen Immobilienpreise noch einigermassen zahlbare Wohnungen vermietet werden, werben die Frauen der Alternativen Liste – die Grünen um Stimmen.

Manuela Weichelt-Picard.
Legende: Auch Manuela Weichelt-Picard von der Alternativen Liste – die Grünen ist eine Spitzenkandidatin für den Gang nach Bern. Heute hat es gut 30 Prozent Frauen im Nationalrat und gerade mal 13 Prozent im Ständerat. Keystone

Das Echo sei ermutigend, sagt Nationalratskandidatin Manuela Weichelt-Picard. Bis im letzten Jahr war sie Mitglied der siebenköpfigen Kantonsregierung – als einzige Linke und einzige Frau. Der Frauenstreik im Juni und die aktuelle Klimadiskussion hätten viele Zuger und vor allem Zugerinnen mobilisiert.

Es braucht nun wirklich endlich eine Frau in Bern.
Autor: Manuela Weichelt-PicardKandidatin Grüne/ZG

«Auf der Strasse höre ich sehr oft von vielen Frauen, aber auch von Männern, es braucht nun wirklich endlich eine Frau in Bern», so Weichelt-Picard. «Am 20. Oktober haben wir eine Klimawahl und eine Frauenwahl. Das ist für uns Klimafrauen eine grosse Chance.» Eine Ansicht, die auch Harry Ziegler, Chefredaktor der «Zuger Zeitung», teilt.

Parteien gaben Frauen schlechte Listenplätze

Es sei heute nicht mehr möglich, qualifizierte Frauen mit hinteren Listenplätzen abzuspeisen oder deren Wahl mit konzertierten Aktionen zu hintertreiben, stellt der fest. Das sei jahrzehntelang gängige Politpraxis gewesen. «Die Bürgerlichen, die mit vielen guten Frauen aufwarten können, haben sie einfach nicht nach vorne gelassen», sagt er. Auch die Linken hätten dies längere Zeit so praktiziert.

Zug hat sich vom armen Landkanton zur Glitzermetropole entwickelt, da hat die innere Entwicklung nicht ganz mitgehalten.
Autor: Harry ZieglerChefredaktor «Zuger Zeitung»

Zug wirke heute weltoffen, gar mondän mit all den internationalen Holdinggesellschaften, den Galerien und Boutiquen in der Fussgängerzone, den teuren Neubauten am Stadtrand. Doch der äussere Schein und die innere Befindlichkeit klafften auseinander. «Zug hat sich vom armen Landkanton zur Glitzermetropole entwickelt, da hat die innere Entwicklung der Zugerinnen und Zuger vielleicht nicht ganz mitgehalten», stellt Ziegler fest.

Im Grunde sei Zug ein katholisch-konservatives Dorf geblieben; eines allerdings, das sich nun anschickt, neben vier bürgerlichen Männern auch eine Frau ins nationale Parlament zu wählen. Dies zwar mit 48 Jahren Verspätung, aber noch nicht ganz als letzter Stand: In Obwalden und Glarus, vielleicht auch in Appenzell-Innerrhoden, müssen die Frauen weiter warten.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Jürg Brauchli  (Rondra)
    Männerbastion? Wieso macht man ständig so ein Gschiss, als ob es eine Geschlechterwahl wäre. Die Wähler entscheiden hoffentlich aufgrund anderer Kriterien. Sonst verdienen sie es auch nicht anders, als dann halt nur die B-Elf am Start zu haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
    Ich helfe vielleicht einem SP Mann/Frau zur Wahl wo ich nicht in Bern haben will. Wahlempfehlungen meiner Partei die ich wähle sind O.K:, den ich bin frei sie durch panaschieren zu befolgen oder nicht. Aber bei Listenverbindungen werde ich etwas ausgeliefert was ich nicht will. Deshalb bin ich gegen Listenverbindungen. Auch soll eine Partei nur eine Liste präsentieren dürfen, Am Schluss artet es Total aus, und jede Partei macht eine Liste mit Berufs- oder Hobbygruppen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
    Der Kanton Zug ist das Parade Beispiel wieso ich gegen Listenverbindungen bin, Vor ( Jahren wurde hier der Grüne Lang abgewählt, trotz Stimmen zuwachs,, nur weil hier die Bürgerliche eine Listenverbindung eingingen. Jetzt werden viel sagen, ich sei dagegen weil ich Grün wähle. Nein es gibt diese Beispiele auch auf Linker Seite die für mich stoßend sind. Gerade so wird ein Meinung des Bürgers umgangen und das Resultat verfälscht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen