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Wahlen im Kanton Zürich Umkämpfte Agglo: Die bürgerliche Dominanz bröckelt

Die Kleinstädte sind in den letzten Jahren urbaner geworden – und damit tendenziell auch linker.

Legende: Audio Rechte und linke Parteien kämpfen um Zürcher Agglomeration abspielen. Laufzeit 05:19 Minuten.
05:19 min, aus Echo der Zeit vom 10.03.2019.

Die grossen Städte sind links, in der Agglomeration und auf dem Land dominieren die Bürgerlichen. So lautete lange Zeit die Faustregel im Kanton Zürich. Zumindest in der Agglo beginnt die bürgerliche Dominanz aber zu bröckeln. Die kleineren Zürcher Städte sind in den letzten Jahren urbaner geworden – und in der Folge auch linker.

Barbara Angelsberger leitet den Wahlkampf der FDP im Bezirk Dietikon im Limmattal. Dieses galt lange als Beispiel für die graue Agglomeration im Kanton. Das habe sich mittlerweile geändert, sagt Angelsberger. «Es sind viele neue Leute hergezogen – wahrscheinlich auch solche, denen die Stadt zu teuer war, die aber doch eine städtische Einstellung haben.»

FDP-Politikerin Barbara Angelsberger lacht.
Legende: Barbara Angelsberger von der FDP Bezirk Dietikon gibt sich zuversichtlich für die Wahlen: «Wir müssen nicht so zittern wie die SVP.» SRF / Christoph Brunner

Politischer Wandel

Wenn Angelsberger von «städtischer Einstellung» spricht, meint sie «tendenziell links». Das zeigte sich auch bei den Zürcher Gemeindewahlen vor einem Jahr. Im Bezirkshauptort Dietikon zum Beispiel zogen erstmals die Grünen in die Stadtregierung ein. Dafür verlor die SVP gleich zwei ihrer drei Exekutiv-Sitze.

Und in der Nachbargemeinde Schlieren ist erstmals seit 24 Jahren die SP wieder die stärkste Kraft – ebenfalls auf Kosten der Bürgerlichen. Ähnliches zeigt sich auch im Zürcher Oberland: Dort wird die Stadt Uster seit letztem Jahr zum ersten Mal überhaupt von einer links-grünen Mehrheit regiert.

Stefan Feldmann mit Kamppagnenmaterial
Legende: «Die Bürgerlichen haben die Urbanisierung in den Agglomerationsstädten verschlafen», ist Stefan Feldmann von der SP Uster überzeugt. SRF / Christoph Brunner

Dies sei eine direkte Folge der Urbanisierung in den Agglomerations-Städten, sagt Stefan Feldmann von der SP Uster. Diese Entwicklung hätten die Bürgerlichen verpasst: «Sie haben sich auf Parkplätze konzentriert, auf die klassischen Themen, die sie bearbeiten. Das wird halt dem Anspruch der Leute, die aus der Stadt Zürich in die Agglomeration ziehen, nicht gerecht.»

«FDP Urban»

Haben die Bürgerlichen die politische Veränderung in der Agglomeration verschlafen? Nein, sagt der Nationalrat und Präsident der SVP Stadt Zürich, Mauro Tuena. Linke Anliegen hätten es in den Städten derzeit vor allem leicht, weil es der Zürcher Wirtschaft sehr gut gehe. «Die Steuereinnahmen sprudeln. Die Städte können den Leuten viel geben: gratis Kinderkrippen, Wohnungen. Da sagen sich die Leute natürlich, wunderbar!»

SVP-Nationalrat und Präsident der SVP Stadt Zürich verteilt Flyer an einen älteren Passanten.
Legende: «Die Verluste der Bürgerlichen in den Gemeindewahlen letztes Jahr waren dramatisch», sagt der Stadtzürcher SVP-Präsident Mauro Tuena (rechts). SRF / Christoph Brunner

Doch auch der SVP ist bewusst, dass sie bei den Zürcher Wahlen in gut zwei Wochen auch Wähler in den Städten ansprechen muss. Sie tritt deshalb bewusst mit dem Slogan «Für Stadt und Land» an.

Auch die FDP will ihr urbanes Profil schärfen. Die FDP Schweiz hat letztes Jahr die Plattform «FDP Urban» gegründet. «Es geht unter anderem darum, dass alle Themen bearbeitet werden, auch solche, die vielleicht eher bei den Grünliberalen angesiedelt sind», meint FDP-Frau Angelsberger.

Ein Wahlkampfhelfer der FDP spricht mit einer älteren Frau.
Legende: Auch die FDP will vermehrt in der Agglomeration Stimmen sammeln. Letztes Jahr gründete die Partei zu diesem Zweck die «FDP Urban». SRF/ Christoph Brunner

Grüne Parteien profitieren

Der Hinweis auf die Grünliberalen kommt nicht von ungefähr. Denn es waren die GLP und die Grünen, die bei den Zürcher Gemeindewahlen letztes Jahr in der Agglomeration besonders zulegen konnten.

Beide Parteien begründen dies damit, dass die kleineren Städte attraktiver geworden seien für Zuzüger aus der Stadt Zürich – und dabei handle es sich um ein Publikum, das für grüne Politik empfänglich sei.

Hund mit orangem Hundemantel und der Aufschrift CVP
Legende: Jede Stimme zählt. Deshalb werden auch ungewöhnliche Werbeflächen von den Parteien genutzt. SRF / Christoph Brunner

«Wir vermuten in der Agglomeration Wählerkreise, die unsere Themen wie etwa die Zersiedelung stark spüren», sagt die Grüne Parteipräsidentin Marionna Schlatter. Das Ziel der Grünen sei es deshalb, in der Agglomeration zuzulegen.

Die Agglomeration: Lange belächelt, nun ein umkämpfter Hotspot der Parteien im Wahlkampf. Sie einfach links liegen zu lassen, kann sich weder Rechts noch Links erlauben.

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36 Kommentare

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  • Kommentar von R. Andenmatten (Andenmatten!)
    Ich bedaure die Stärkung der Linken. Das ist nicht gut für unser Land. Es ist halt so. Mit zunehmender einseitigen Bildungs-Und Informationsquellen werden die Populisten gestärkt.
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    1. Antwort von Dani Lindenmann (Dani Lindenmann)
      Dann nennen Sie doch mal ein paar Beispiele für die "einseitigen Bildungs-Und Informationsquellen".
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    2. Antwort von R. Andenmatten (Andenmatten!)
      Mögen Sie erst ein paar Beispiele und Nachweise von angeblich Bildungs- und Informationsfernen bürgerlichen Wählerschaften nennen und belegen? Weil Sie es ja unterstellen.
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    3. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Fast alle Errungenschaften der letzten 300 Jahre wurden von linker Seite teils gegen rechtsbürgerlichen Wiederstand eingebracht. Die Aufhebung der Leibeigenschaft, handels- und Gewerbefreiheit gegen das Zünfte-Monopol, das Stimmrecht für alle Schweizer, nicht nur die Reichsten, das Initiativrecht, unser Bundesstaat ("unsere Schweiz"), EO, AHV, IV, Arbeitnehmerschutz vom freien Sonntag bis hin zur Maximalarbeitszeit und dem Nachtarbeitsverbot, Verbot von Kinderarbeit, Frauenstimmrecht, etc, etc
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    4. Antwort von R. Andenmatten (Andenmatten!)
      Alles was Sie aufzählen verdanken wir (auch) den Bürgerlichen. Oder wann hatten die Linken eine absolute Mehrheit? Aber insbesondere auch dem Stimmvolk. Eine Art der direkten Demokratie welche die Linken ja ein Dorn im Auge ist und sie abschaffen wollen. Oder so viele Steine in den Weg legen wollen, oder Volksentscheide nicht mehr umsetzen. Und die angesprochenen sozialen Einrichtungen geht es heute primäre schlecht wegen der linken Politik. Darum wäre eine bürgerliche Mehrheit wichtig.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Es ist gut dass diese FDP die ewig mit gespaltener Zunge redet und am Schluss nur auf ihren Geldsack schaut und gegen den Büezer vorgeht , mal eine auf den heuchlerischen Deckel bekommt . Ich wähle nie mehr diese Partei .
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  • Kommentar von Adrian Flükiger (Ädu)
    Schön, dass das offenbar auch im Kanton Zürich so ist. Erklärt auch die Panik des Freisinns bezüglich Rahmenabkommen. Das läuft auf einen noch nie gesehenen .Rückwärtssalto nach dem Wahlgang hinaus. Hoffentlich trennt die Wählerschaft auch den Restspreu vom Weizen!
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