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Warnung vor Stromlücke Bald zu wenig Strom – oder doch nicht?

Während die ElCom einmal mehr vor Engpässen warnt, beschwichtigt Energieministerin Doris Leuthard.

Legende: Audio Strombehörde warnt, Regierung beschwichtigt abspielen. Laufzeit 01:54 Minuten.
01:54 min, aus HeuteMorgen vom 30.11.2018.

Die Aufsichtsbehörde der Strombranche, die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom), schlägt Alarm: Die Engpässe im Winter bei der Stromversorgung könnten sich in den kommenden Jahren verschärfen; es brauche zusätzliche Kapazitäten und Anreize für die heimische Stromproduktion.

In Deutschland und Frankreich werden in den kommenden Jahren etliche Elektrizitätswerke vom Netz genommen. Dies beunruhigt die Schweizer Behörden. Das seien Fakten, die man deutlich kommunizieren wolle, sagt ElCom-Präsident Carlo Schmid. «Wir müssen uns auf eine Situation vorbereiten, in der wir nicht importieren können.»

ElCom-Präsident Carlo Schmid
Legende: ElCom-Präsident Carlo Schmid warnt, dass sich Engpässe im Winter bei der Stromversorgung verschärfen könnten. Keystone/Archiv

Daher müsse die Schweiz im Winter eine eigene Stromproduktion aufbauen. Dabei lässt die ElCom offen, wie der heimische Strom produziert werden soll. Wasser, Gas oder Solar mit Speicher: Es sei Aufgabe der Politik entsprechende Lösungen zu finden.

Im Winter müssen wir eine eigene Stromproduktion aufbauen.
Autor: Carlo SchmidPräsident ElCom

Bereits vor ein paar Monaten hatte die Kommission Empfehlungen gemacht, die heimische Stromproduktion auszubauen, um weniger von den Importen abhängig zu sein. Nun doppelt die Behörde nach. «Eine allzu starke Ausrichtung auf den Import kann gefährlich werden», sagt Schmid. Die Warnung der ElCom vom Frühling sei zu wenig wahrgenommen worden. Deshalb gelange man nun nochmals mit denselben Bedenken an die Öffentlichkeit.

Die sehr gute physische Einbindung der Schweiz in das europäische Stromnetz trägt massgeblich zur Versorgungssicherheit bei.
Autor: Doris LeuthardEnergieministerin

Ganz anders sieht das Energieministerin Doris Leuthard. An einem Forum in Bern beruft sie sich auf Studien: «Diese Studien zeigen, dass in der Schweiz die Versorgungssicherheit bis mindestens 2025 gesichert ist – auch in Extremszenarien.»

Energieministerin Doris Leuthard
Legende: Energieministerin Doris Leuthard beruft sich auf Studien bei der Versorgungssicherheit. Keystone/Archiv

Mit Importen könnten Engpässe überbrückt werden, so Leuthard. «Die sehr gute physische Einbindung der Schweiz in das europäische Stromnetz ist vorhanden. Und sie trägt massgeblich zur Versorgungssicherheit bei.» Zudem sollen zusätzliche Speicherkapazitäten aufgebaut werden.

Es tut sich also ein Dissens auf zwischen der Aufsichtsbehörde, die warnt, und der Regierung, die keinen akuten Handlungsbedarf sieht.

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78 Kommentare

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  • Kommentar von N Zehner (ZeN)
    Nach 2-3 massiven Blackout's, die in nächsten Jahren völlig absehbar sind, wenn in DE und F eine Reihe AKWs ersatzlos abgestellt werden sollen, obwohl Strombedarf ständig steigt. In letzten Jahren sind wir im Winter schon 2-mal knapp daran vorbeigeschrammt (und was natürlich von Politik und Medien unisono verschwiegen wird). Dann wird in Bevölkerung was abgehen, es wird sicher nicht "nur" bei "gelben Westen" wochenends bleiben. Unsere Noch-UVEK BRin wird dann "über alle Berge sein".
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    1. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Während einer 2 wöchigen Kälteperiode im Februar 2012 hat Deutschland dank den erneuerbaren Energien Strom nach Frankreich exportiert und so einen Blackout verhindert und das obwohl Deutschland im Jahr zuvor plötzlich 8 AKW (mit 8 GW !) vom Netz genommen hatte. Die Schweiz verfügt dank der Wasserkraft über mehr als genügend Leistungsreserven. Es braucht allerdings mehr Solar- und Windenergie um die gespeicherten Wasserreserven zu schonen. Auch zur Bewältigung von zukünftigen Trockenperioden.
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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    Es gibt immer noch Menschen, die glauben bei der Stromversorgung "Leistungen" vergleichen zu müssen: So schreiben sie z.B. "Österreich hat rund 3000 MW an Windkraft und Bayern rund 12'000 MW an Photovoltaik installiert - das AKW Mühleberg hat als Vergleich eine Leistung von 355 MW". Solche Vergleiche verzerren die Realität komplett! Photovoltaik deckt im kritischen Wi-Halbjahr selbst in Deutschland nur wenige %, Windkraft hat nur in windreichen Gebieten Bedeutung, bei uns bringt sie fast nichts
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    1. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Gar nichts verzerrt: Der Österreichische Windstrom mit 3'000 MW würde 12% des CH El. Energiebedarfes decken, der Bayerische Solarstrom mit 12'000 MW würde 20% des CH El. Energiebedarfes decken. Auf Schweizer Dächer passen übrigens über 60'000 MW an Solarleistung und damit würde auch im Winter mehr als genügend Strom produziert. Österreich ist übrigens auch ein Alpenland und selbstverständlich gibt es auch in der Schweiz windreiche Orte und im Winter wird immer mehr Windstrom produziert.
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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Die Schweiz hat bereits genügend Speicherkapazität. Unsere Wasserkraftwerke können alleine doppelt so viel Strom produzieren, wie im Schnitt verbraucht wird (BFE) und die Speicherreserven der Stauseen reichen monatelang (BFE). Es gibt keine Flauten und Nächte die zusammen nur schon eine einzige Woche andauern. Wind- und Solarkraftwerke produzieren zudem im Gegensatz zu AKW jeden Tag Strom (AKW fallen teilweise jahrelang ungeplant aus - nicht nur in Japan sondern auch hier ganz ohne Erdbeben).
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