Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Erlebt der Autostopp dank Wartebänken bald ein Revival? abspielen. Laufzeit 04:55 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.07.2019.
Inhalt

Wartebänke für Anhalter «Heute ist selbst der Autostopp kommerzialisiert»

Ob von der Disco nach Hause oder in den Ferien von der Autobahnraststätte in die Welt – Autostoppen war in den 1970-er und 1980-er Jahren noch weit verbreitet. Mittlerweile machen es nur noch wenige. Dass die grüne Welle und öffentlich finanzierte Wartebänke dem Stöppeln neuen Schwung verleihen, sei angesichts zeitsparender Alternativen eher unwahrscheinlich, sagt die Soziologin Katja Rost.

Katja Rost

Katja Rost

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Katja Rost (43) ist Professorin für Soziologie und Privatdozentin für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der Wirtschafts- und Organisationssoziologie, der digitalen Soziologie, sozialer Netzwerke und Diversität.

SRF News: Warum ist der Autostopp in Vergessenheit geraten?

Katja Rost: Das Auto wurde quasi demokratisiert, sodass sich heute fast jedermann ein solches Gefährt leisten kann. Zugleich wurden die öffentlichen Verkehrsmittel Bus und Bahn sehr stark ausgebaut. Dazu kommen neuere Entwicklungen wie Car Sharing und Uber oder Mitfahrzentralen – alles Angebote, die früher gefehlt haben. Es ist eine sehr sichere Form des Reisens, die ich vertraglich genau gestaltet kann. Bewertungsplattformen signalisieren Vertrauen.

Hat die heutige Gesellschaft ein grösseres Bedürfnis, dass zeitlich alles genau organisiert ist und die Vertrauenswürdigkeit bewertet ist?

Das gehört beides heute zu unserer Gesellschaft. Zeit ist für viele ein knappes Gut geworden. Damit ist keiner mehr bereit, sich wie früher eine Stunde an den Strassenrand zu stellen und auf die passende Gelegenheit zu warten. Vertrauen spielt heute ebenfalls eine grosse Rolle. Dazu kommt die verbreitete Angst vor Kriminalität, obwohl man eigentlich weiss, dass die Zahlen gesunken sind.

Kaum jemand ist heute noch bereit, sich für eine Stunde an den Strassenrand zu stellen.
Autor: Katja RostProfessorin für Soziologie, Universität Zürich

Könnte der ökologische Gedanke das Reisen per Anhalter wiederbeleben?

In der Form, wie man das Autostoppen früher beobachtet hat, wird das wohl nicht mehr geschenen. Sicherlich spielen Ökologie und Sharing eine grosse Rolle, aber heute ist ja im Zeichen der «Sharing Economy» selbst der Autostopp kommerzialisiert über diverse Plattformen. Gerade Mitfahrzentralen funktionieren ja teils auch unentgeltlich. Mit der Überlegung, dass es unökologisch ist, allein mit dem Auto zu fahren und dass man vielleicht auch Unterhaltung haben möchte.

Heute ist im Rahmen der Sharing Economy selbst der Autostopp kommerzialisiert.
Autor: Katja RostProfessorin für Soziologie, Universität Zürich

Haben vor allem Mitfahrzentralen und vielleicht auch Wartebänke für den Autostopp eine Chance?

Auf jeden Fall. Es wird aber immer sehr drauf ankommen, welche anderen Angebote noch zur Verfügung stehen. In ruhigeren Regionen ohne kommerzielle Anbieter kann das funktionieren. In Regionen mit Alternativen wird es wohl nicht der Fall sein. Knappe Zeit und fehlenden Vertrauen sind die Gründe. Viele wollen sich zudem gar nicht mehr unterhalten. Wer spontan mitgenommen wird, ist halt schon verpflichtet, höflich zu reagieren. Im kommerziellen Bereich kann ich mich einfach nach hinten setzen und auf mein Iphone schauen.

Das Gespräch führte Eva Stehrenberger.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Trotz sozialen Medien und all dem i-climbim, was zählt ist der erste Eindruck! Auch heute noch. Ein jäser Typ am Strassenrand hat trotz i-Phone weniger Chancen auf Mitnahme als zwei müde Wanderer am Strassenrand in einem Bergtal. Sowieso bei Zeiten wo der letzte Bus schon weg ist. Zumindest ist dies bei mir läuft es so, auch wenn ich vielleicht "interessante soziale Kontakte" verpassen werde.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Soweit ich mich erinnere gab es nie viele Autostöppler da immer mal wieder Fahrer oder Stöppler ausgeraubt oder gar vergewaltigt wurden. Hollywood wie Aktenzeichen XY taten zurecht ihres zur Angstmache. Als grosser Mann brauchte man weniger Mut, wurde aber auch weniger mitgenommen. Als zierliche Frau gerade umgekehrt, was heute noch so sein dürfte.
    Im „Big brother is watching you“ Zeitalter angekommen, kann ich mir eher vorstellen das es aufkommt. Aber von „Revival“ zu reden ist eher falsch.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      Andere Länder, andere Sitten. Beim „grossen Nachbarn im Norden“ hatten auch Mitfahrzentralen eine viel grössere Bedeutung als in der kleinen Schweiz. Ob „Revival“ genannt oder nicht, ein vernünftigerer Umgang mit Resourcen und mit Mobilität sind doch angesagt, oder nicht? Auch bei uns...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Bin selber vom älteren Semester. Wie im Bericht erwähnt wurde bis ca. 1985 regen Gebrauch vom Autostoppen gemacht. Da waren junge Leute unterwegs, welche von Schweden bach Italien "gschtöpplet" haben. Aus meiner Sicht hat der Rückgang mehrere Gründ: Die Eltern verbieten heute ihren Kinder das Autostoppen aus Angst, der Autobesitzer haftet für die Stöppler, mit dem Handy wird sofort alles tranparent und wird gepostet und schliesslich ist "schtöpplen" nicht mehr "in" wie früher.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen