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«Ich wünschte mir, wir könnten schneller impfen»: Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli im Interview
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 01.03.2021.
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Warten auf Impfungen Natalie Rickli: «Die Leute wollen ihre Freiheiten wieder»

Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) bedauert, dass der bevölkerungsreichste Kanton der Schweiz bei den Impfungen ansteht. Dem Kanton Zürich seien bei der Beschaffung der Impfdosen aber die Hände gebunden. Auch Natalie Rickli und die weiteren Zürcher Regierungsräte müssen zuwarten, bis sie geimpft werden.

Natalie Rickli

Natalie Rickli

Gesundheitsdirektorin des Kantons Zürich (SVP)

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Natalie Rickli war von 2007 bis 2019 Nationalrätin. Im März 2019 wurde die SVP-Politikerin in den Zürcher Regierungsrat gewählt und übernahm die Gesundheitsdirektion. Natalie Rickli wuchs in Riet bei Neftenbach auf, heute lebt die 44-Jährige in Winterthur.

SRF News: Es gibt einen Impfstoff und seit heute ist dank der Öffnung wieder mehr möglich. Wird jetzt alles gut, Natalie Rickli?

Natalie Rickli: Ich wünschte mir, wir könnten mehr und schneller impfen. Doch wir erhalten gemessen an der Bevölkerungszahl schweizweit am wenigsten Impfstoff. Der Bund stellt sich auf den Standpunkt, wir Zürcher hätten die jüngste Bevölkerung, deshalb bekommen wir so wenig Impfdosen. Bezüglich unseres Planes sind wir mit der vorhandenen Impfmenge aber gut unterwegs. Und vielleicht muss man es nochmals sagen: Der Bund ist für die Beschaffung des Impfstoffes zuständig. Die Verteilung an die Kantone können wir leider überhaupt nicht beeinflussen.

Zürich wäre fähig, täglich tausende Personen zu impfen. Ist es für Sie persönlich frustrierend, dass es bei den Impfungen nicht vorwärts geht?

Natürlich ist es frustrierend. Schuldzuweisungen sind zwar müssig, weil wir die Krise gemeinsam meistern müssen. Aber vor Weihnachten wurden die Erwartungen geschürt, es könne Tag und Nacht geimpft werden. Der Eindruck wurde erweckt, jetzt werde alles gut. Ich merke auch, wie die Leute verzweifelt nach Impfstoff suchen. Sie fürchten um ihr Leben und möchten ihre Freiheiten wiedererlangen. Dies würde ich allen Zürcherinnen und Zürchern gerne sofort ermöglichen. Ich verstehe den Ärger und die Frustration, doch es braucht noch etwas Geduld.

Die Leute fürchten um ihr Leben und möchten ihre Freiheiten wiedererlangen.
Autor: Natalie RickliZürcher Gesundheitsdirektorin (SVP)

Froh bin ich allerdings, dass sich unsere Strategie bestätigt hat. Noch im Dezember und Januar hiess es, Zürich sei ein Trödelkanton und müsse sofort Impfzentren aus dem Boden stampfen. Diese würden jetzt leer stehen und viel Steuergelder kosten. Im März öffnet das grosse Impfzentrum bei der Messe Oerlikon und es gibt noch zwei weitere grosse Impfzentren. Wir können auf Ärzte und Apothekerinnen zählen und haben ein breites Netz über den ganzen Kanton Zürich. Bis wir allerdings mit den Impfungen an der Reihe sind, wird es Mai oder Juni.

Impfzentrum
Legende: Das Zentrum für Reisemedizin der Universität Zürich ist seit Januar als Impfzentrum in Betrieb. Keystone

Die Zürcher Regierung ist also noch nicht geimpft?

Nein. Die Zürcher Regierung wartet, bis wir gemäss unseres Alters an der Reihe sind. Es ist jedem von uns freigestellt, ob er oder sie sich impfen lässt. Wir haben diesen Entscheid getroffen und ich finde ihn richtig. Ich persönlich freue mich darauf, mich impfen zu lassen.

Speziell vor den Sommerferien möchten sich wohl auch Jüngere gegen Corona impfen lassen.
Autor: Natalie RickliZürcher Gesundheitsdirektorin (SVP)

Mich freut zudem, dass das Interesse an den Impfungen so gross ist. Anfangs bezweifelten wir noch, ob sich überhaupt jemand impfen lassen möchte. Wir dachten, es bräuchte Motivationskampagnen. Doch dieses Problem haben wir nicht. Speziell vor den Sommerferien möchten sich wohl auch Jüngere gegen Corona impfen lassen. Denn ich gehe davon aus, dass sie alle reisen möchten.

Blicken wir abschliessend in die Zukunft: Welche Lehren ziehen Sie und der Kanton Zürich aus dem ersten Corona-Jahr?

Für eine Bilanz ist es noch zu früh, da wir uns noch mitten in der Pandemie-Bewältigung befinden. Aber es gibt gewisse Verbesserungspunkte wie das Schutzmaterial. Wir haben die Institutionen noch darauf aufmerksam gemacht, dass sie dieses benötigen. Auch wir alle hätten übrigens fünfzig Masken zu Hause lagern sollen, was bei mir nicht der Fall war. Es ist klar, dass wir diesen Punkt mitnehmen und mit den Institutionen besprechen.

Das Gespräch führte Pascal Kaiser.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 28.02.2021, 17.30 Uhr;

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60 Kommentare

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  • Kommentar von Daniele Ruggeri  (DanRug)
    Ich verstehe, wenn man die Kantone anhanhd ihrer Bevölkerungsstruktur mit Impfstoff beliefert. Was ich aber nicht verstehe, ist, dass sich Zürcherinnen und Zürcher in Nachbarskantone können impfen lassen, weil man dort zu viel Impfdosen hat. Und das nicht nur Personen ab Alter 75. So herrscht Impftourismus. Die Kantone würden sich lieber gegenseitig aushelfen als sich zu „konkurrenzieren“.
  • Kommentar von Christoph Heierli  (help)
    "Die Leute wollen ihre Freiheit wieder" Ach Frau Rickli.. ob Sie es glauben oder nicht , wir wissen das eigentlich schon lange selber. Mit alten Maskenproblemen hausieren, ist langsam aber sicher mühsam. Schlauer wäre es das Problem zukunftsgerichtet zu gestalten und zu bewältigen. Impfen kann übrigens fast ganz Europa nicht, da es halt zu wenig Impfstoff gibt. Bis zur genügenden Lieferung, müssen möglichst alle Massnahmen eingehalten werden.
  • Kommentar von Esther Jordi  (ejejej)
    @Daniela Langenauer, 00:01 Uhr:
    Ja, wir haben einen Vertrag mit AstraZeneca. Aber Sie kennen ja sicher auch das Gstürm um diesen Impfstoff, weil der Swissmedic noch Daten bezüglich der Wirkung für über 65-Jährige fehlen. Anstatt ihn vorerst für jüngere Personen mit Vorerkrankungen zuzulassen. Auch war bereits die Rede davon, ihn weiterzuverkaufen, weil im Mai "grosse Mengen" von anderen Impfstoffen vorhanden sein sollen. Allein mir fehlt der Glaube. Aber behalten Sie Ihren Optimismus.
    1. Antwort von Beat R. von Wartburg  (Beat R. von Wartburg)
      @ejejej: Wenn ich bei swissmedic eine generelle Zulassung beantrage, dann muss ich auch die entsprechenden Daten einreichen. Wenn ich nur eine Zulassung für gewisse Altersgruppen beantrage, dann werden auch nur die dafür notwedigen Daten verlangt und geprüft. Im übrigen ist es weise und vernünftig mit swissmedic engsten Kontakt zu halten. So vermeidet man viele Probleme im Zusammenhang mit der Registrierung.
    2. Antwort von Daniela Langenauer  (Daniela L.)
      Das meine ich mit unserem verdammten Perfektionismus.

      Weshalb kann man den Impfstoff nicht (vorläufig) einfach mal für u65 zulassen ? Da sind die Daten offensichtlich genügend vorhanden. Wir würden viele Fälle von longcoivd verhindern - ohne Risiko mit etwas Flexibilität.

      Die Firma kann ja ihre Zulassung für alle, später mit weiteren, neuen Daten noch untermauern.

      Swissmedic riskiert hier schwere Körperverletzung an tausenden Menschen - obwohl für sie sicherer Impfstoff da ist.