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Churer Bischof Bonnemain vor übermenschlicher Aufgabe?
Aus Samstagsrundschau vom 20.03.2021.
abspielen. Laufzeit 30:00 Minuten.
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Was hat Bischof Bonnemain vor? Neuer Churer Bischof bekennt Farbe – zu Zürich und zu Frauen

Der Churer Bischof Joseph Bonnemain bezieht Stellung. Ja sagt er zu einer zweiten Kathedrale in Zürich. Jein zu Frauen im Priesteramt.

Als neuer Bischof von Chur ist Joseph Maria Bonnemain mit grossen Erwartungen konfrontiert. Er muss ein tief gespaltenes Bistum einen, den traditionelleren Flügel in Chur mit dem progressiveren Flügel in Zürich versöhnen. Die Zürcher Katholikinnen und Katholiken hoffen, endlich einen zweiten Bischofssitz zu bekommen.

Darauf angesprochen sagt der 72-Jährige in der Samstagsrundschau von Radio SRF: «Das sage ich seit 25 Jahren: Der Bischof sollte dort sein, wo die Mehrheit der Männer und Frauen des Bistums wohnen und leben.» Er selber pendelt schon seit 40 Jahren fürs Bistum zwischen Zürich und Chur hin und her, wobei sein Hauptwohnsitz bisher in Zürich war.

Zweiter Bischofssitz in Zürich?

Jetzt könnte er den zweiten Bischofssitz vorantreiben. Doch er beschwichtigt: «Die Diözese braucht nicht zwingend einen zweiten Bischofssitz – sondern einen Bischof, der überall sitzt!» Wichtiger ist seines Erachtens die Frage, ob Zürich eine Konkathedrale bekommt, also eine offizielle Leitungsstelle, wie es sie bisher nur in Chur gibt. Hierzu sagt er: «Es ist nicht ausgeschlossen, dass eine Zürcher Kirche mit der Zeit eine Konkathedrale werden könnte.»

Will er das noch in seiner 5-jährigen Amtszeit als Churer Bischof erreichen? Bonnemain: «Es würde mich freuen, wenn das stattfände, bevor ich mich dann zurückziehen werde.» Aber: «Das ist nicht die erste Priorität!» Er will sich nämlich nicht primär mit der Institution befassen und mahnt auch den Zürcher Flügel, sich nicht mit sich selbst und dieser Frage der institutionellen Aufwertung zu beschäftigen. Es gelte, die Menschen ins Zentrum zu stellen. Seine Botschaft an die Zürcherinnen und Zürcher bezüglich Konkathedrale ist dann aber doch: «Ich werde mich mit der Zeit dafür einsetzen.»

Zögern bei Personalentscheiden

Joseph Bonnemain kann als neuer Bischof von Chur zentrale Positionen im Bistum neu vergeben, etwa Generalvikare ernennen: «Das Wichtigste, das ich brauche, ist ein Team, das meine Vision mit mir teilt.» Die Leute in seinem Team müssten keineswegs alle gleich ticken, betont Bonnemain. Aber die gemeinsame Vision sei wichtig: Die Kirche sei für die Menschen da, nicht umgekehrt.

Bleibt die Frage, wie er mit seinen Gegnern vor Ort umgehen wird: Mit mächtigen Würdenträgern, die sich gegen ihn als Bischof gestellt hatten. Joseph Bonnemain streckte die Hand zur Versöhnung aus und lud auch sie zur Bischofsweihe ein. Doch mehrere blieben demonstrativ fern. Darauf angesprochen sagt Bonnemain: «Ich denke, dass sie vielleicht ein bisschen mehr Zeit brauchen. Aber die Hand bleibt ausgestreckt.»

Frauen ins Priesteramt?

Während der Bischofsweihe setzte Bonnemain zahlreiche Frauen für wichtige Funktionen ein und machte sie so sichtbar. «Sie sind mehr als die Hälfte des Bistums, und was sie beitragen ist viel wichtiger als das, was die Männer beitragen», so seine Begründung.

«Die Frauen sollten überall mitwirken und mitentscheiden können», sagt er, obwohl in der katholischen Kirche zahlreichen Ämter und Funktionen noch immer den Männern vorbehalten sind. «Genau deshalb haben wir noch Nachholbedarf!».

Auf die Frage, ob er sich also auch Priesterinnen vorstellen könnte, weicht er aus und verweist auf Rom: Als Bischof wolle er die Haltung des Papstes mittragen. Dieser wolle Schritte in die richtige Richtung tun: «Es braucht eine starke Entwicklung: Wir sind mitten in einem Prozess.» Und weiter: «Ich möchte mit dem Papst diesen Prozess mitgehen, aber ohne die Grenzen zu überspringen, die er je nachdem setzt.»

Samstagsrundschau, 20.3.2021, 11:30 Uhr

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Rueegsegger  (Matterhorn+234)
    Kleine Teilschritte für die Gleichstellung der Frau sind ungenügend. Ich verlange völlige Gleichstellung mit Priesterweihe und Aufstiegsmöglichkeiten bis zur Kardinalin. Ein Bischof ist mutig, wenn er sich hier gegen Rom erhebt.
  • Kommentar von Maria Amann  (MAAM10)
    Ich bin Frau und 100% gut verdienend in einer Kaderfunktion arbeitend. Bis dato war ich Teil der röm. Kath. Kirche, da ich deren soziale und gesellschaftliche Funktion gutheisse und gern mit meiner Kirchensteuer unterstützte. Jetzt trete ich solange aus, bis dort Frauen gleichberechtigt werden -mein Privatbeitrag den Gendergap zu minimieren. Warum soll ich eine mich offen diskriminierende Organisation weiterhin unterstützen? Meinen Glauben kann ich auch privat mit Gleichgesinnten leben!
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Maria Amann: Schade, denn ich bin nicht sicher, ob Ihr Austritt die katholische Kirche rascher bewegen wird. An Ihrer Stelle würde ich eine Vorwärtsstrategie wählen und mich bei Bischof Joseph Bonnemain bewerben. Er hat gesagt, er würde gerne Frauen in Kaderstellen haben, soweit wie das möglich ist.
    2. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Frau Amann: Ich kann Die sehr gut verstehen und es ist ihr gutes Recht auszutreten. Aber wenn jede kritische Person austritt wird es erst recht keinen Wandel geben. Man muss die Kirche von Unten nach Oben ändern.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Im Gegensatz zu "Bruderschaften" von Männerklöstern in der Schweiz, wo selbstverständlich nur "Mann" predigen darf, dafür "Frauen/ Nonnen" Hilfs-und Reinigungsarbeiten übernehmen "dürfen", dürfen "Frauen" in Frauenklöstern noch immer nicht die Predigt halten, sondern jeweils ein "Pater", welcher im dortigen Kloster - auch wieder von den Klosterfrauen kulinarisch verwöhnt wird, das Zimmer gereinigt, die Wäsche gewaschen wird. Ein "Herrenleben", was "Frauen" NICHT gestattet wird von der "Kirche"!
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Denise Casagrande: Aber wer das nicht mehr erträgt, darf immerhin aus dem Koster austreten, nicht wahr? Im Mittelalter waren Frauenklöster eine Zuflucht für Freuen, die sich in der damaligen Gesellschaft nicht entfalten konnten. Im Kloster hatten sie, unter sehr strengen Regeln selbstverständlich, immerhin die Möglichkeit einer anderen Tätigkeit nachzugehen, z.B. indem sie Forschung betrieben. Die Klöster waren der Hort des Wissens. Sie legten die Basis für die heutigen Universitäten.