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Legende: Audio Um eine gewisse Politisierung kommt die Bewegung nicht herum abspielen. Laufzeit 04:24 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 24.05.2019.
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Weltweite Klimastreik-Bewegung «Eine Politisierung ist nicht ohne Gefahren»

Rund um die Welt fanden am Freitag wieder Klimastreiks statt. Auch in der Schweiz. Wie die Bewegung mittelfristig am Leben erhalten werden kann, weiss die Politologin Cloé Jans.

Cloé Jans

Cloé Jans

Politologin

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Cloé Jans , Link öffnet in einem neuen Fensterist Politologin beim Forschungsinstitut gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster. Sie ist unter anderem auf Jugendbewegungen spezialisiert.

SRF News: Bis jetzt wurde nur in grossen Städten demonstriert, jetzt auch in kleinen. Was heisst das für die Bewegung?

Cloé Jans: Der Klimastreik hat im Kleinen, an einzelnen Schulen begonnen. Erst dann wurde er zum weltweiten Phänomen – auch dank der sozialen Medien. Inzwischen hat man dank ihnen auch in kleineren Gemeinden das Gefühl, Teil von etwas Grossem zu sein. Das unterstützt die Klimabewegung enorm.

Reicht es, den Klimastreik in die kleinen Städte zu tragen, um die Bewegung am Leben zu halten?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Bewegung am Leben zu erhalten. Wichtig ist etwa, dass man das Gefühl hat, gemeinsam für etwas Wichtiges zu kämpfen. Dieses Gefühl kann man bei Grossveranstaltungen in Grossstädten haben – aber auch in kleinen Orten, wenn man über soziale Medien und das Internet zusammen verbunden ist.

Eine Organisation zur Stabilisierung ist nicht ohne gewisse Gefahren zu haben.

Die Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten wollen mit den Gewerkschaften zusammenarbeiten. Damit würden sie sich aber auch eindeutig politisch positionieren, was sie bisher vermieden haben. Was ändert sich dadurch?

Eine Bewegung ist grundsätzlich stark thematisch abhängig und deshalb volatil. Sie ist auf grosse Medienpräsenz angewiesen, damit das Thema in der Öffentlichkeit präsent bleibt. Deshalb muss man sich überlegen, wie man das Thema über längere Zeit hinweg am Leben erhalten kann. Es braucht eine Organisation zur Stabilisierung, die beispielsweise eben mittels etablierter Partner wie der Gewerkschaften erreicht werden kann. Allerdings ist das tatsächlich nicht ohne gewisse Gefahren zu haben.

Demonstrationszug von weitem.
Legende: Insgesamt demonstrierten schweizweit – hier in Lausanne – über 20'000 Menschen. Reuters

Was sagt die Forschung zu solchen Jugendbewegungen und darüber, wie sie sich weiterentwickeln, wenn der erste Enthusiasmus abgeklungen ist?

Es gibt drei unterschiedliche Wege, die solche Bewegungen nehmen können. Der erste ist der Niedergang, etwa, wenn sich das thematische Umfeld ändert oder wenn Bewegungen instrumentalisiert oder diskreditiert werden. Das war zum Beispiel bei «Occupy Wallstreet» in einem gewissen Sinne der Fall.

Je konkreter das Anliegen ist, desto einfacher ist es, damit erfolgreich zu sein.

Zweitens kann man den Weg in eine Stabilisierung suchen, wie das die Schweizer Klimabewegung jetzt mit den Gewerkschaften versucht. Oder man hat – drittens – Erfolg mit dem Anliegen. Je konkreter das Anliegen ist, desto einfacher ist es, damit erfolgreich zu sein. Das war etwa bei den Jugendbewegungen Anfang der 1980er-Jahre der Fall.

Nach der Ausweitung der Klimastreik-Bewegung auf kleinere Städte ist der nächste logische Schritt also eine Institutionalisierung und damit Politisierung der Bewegung?

Auf jeden Fall. Wenn man die Anliegen der Bewegung breit im politischen Umfeld einbringen will, dann kommt man nicht um eine Kooperation mit politischen Akteuren herum. Allerdings schränkt dies die Bewegung womöglich in ihrer Freiheit ein. Denn mit der Politisierung geht auch eine gewisse Bürokratisierung der Bewegung einher.

Das Gespräch führte Eliane Leiser.

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger  (jolanda)
    Schlagworte durchs Megaphon schreien, Spruchbänder durch blockierte Strassen schieben und mit den Schrillpfeifen die Medienschaffenden auf diese "Seite ziehen" ist das eine. Für mich gibt es aber noch die anderen effizienteren 2 Massnahmen: Bei sich selber beginnen (weniger herumreisen mit Autos, Flugzeugen, usw. , weniger an den elektronischen 24-Stunden "Spielzeugen" herumdöggelen (iPhon, Laptops, Handy's) und überall die Steckdosen mit 3-Fachstecker anschliessen! 2. Forschung, Technik, etc.!
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  • Kommentar von Alex Terrieur  (Imfeld)
    Apropos Klimademo: Bald ist zB. das Internationale Truckertreffen in Interlaken, oder im Juli das Traktor Bullig in Schwadernau bei Biel!
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Es ist das Recht der Schüler auf die Klimaproblematik hinzuweisen, denn sie wollen ja noch 70 bis 80 Jahre auf dem Planet leben. Allerdings gibt es 3 Riesenprobleme: 1. Alle Jahre 80 Mio. Zweibeiner mehr = in 12J + 1 Mia. 2.Ohne effiziente, maschinelle (leider umweltschädigende) Lebensmittelproduktion würden wohl bereits jetzt 30% der Menschen verhungern. 3.Die Einstellung des CO2-Hauptversachers, Mobilität und Handel ist eine Riesenherausforderung. - Unser Planet wird dies wohl selber lösen.
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Sie haben sicher Recht. Aber nichts tun ist auch keine Lösung.
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