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Weniger arbeiten SRF-User: Würde eine Viertagewoche nicht mehr Stress bedeuten?

Die Viertagewoche hat in den Kommentarspalten von SRF News für viele Diskussionen gesorgt. In einer nicht repräsentativen Umfrage befürworten 75 Prozent der SRF-User die Viertagewoche. Dennoch gibt es viele offene Fragen in der SRF-Community. Wirtschaftsredaktorin Stefanie Pauli beantwortet die Wichtigsten davon.

Stefanie Pauli

Stefanie Pauli

Wirtschaftsredaktorin, SRF

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Die studierte Betriebsökonomin ist seit Herbst 2018 Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Davor war Stefanie Pauli für die Wirtschaftsredaktion der «Tagesschau» und von «10vor10» tätig. Sie arbeitet seit 2011 bei SRF.

Würde eine Viertagewoche nicht mehr Stress bedeuten?  

Das hänge stark davon ab, ob Unternehmen ihre Arbeitsabläufe und Kommunikationswege auf die Viertagewoche anpassen, sagen Experten. Das zeigt auch das Beispiel Island. Beim Viertagewoche-Feldversuch in Island wurden Arbeitsprozesse und Kommunikationswege grundlegend überdacht. Es wurden zum Beispiel Sitzungen gekürzt. Ohne Anpassungen könne eine Viertagewoche zu mehr Belastung führen, als wenn an fünf Tagen gearbeitet wird, so Organisationspsychologinnen.

Ob die Arbeitsbelastung trotz weniger Tagen zunimmt, hängt zudem davon ab, in welcher Position die Angestellten sind. Eine Studie der Uni Erfurt hat gezeigt, dass die Arbeitsbelastung für Mitarbeiterinnen mit Kontakt zu Kunden durch die Viertagewoche steigen kann, weil der Koordinationsaufwand wächst.

Bleibt der Lohn bei einer Viertagewoche gleich?

Die Idee der Viertagewoche ist: Weniger arbeiten zum gleichen Lohn. Das heisst auch: Es muss effizienter gearbeitet werden.

Der Effekt der Viertagewoche würde wohl sehr schnell verpuffen. Man gewöhnt sich daran und es ist wieder wie früher
Autor: Lukas Beutel SRF-User

Wenn eine Viertagewoche auf Überstunden hinausläuft, dann verpuffe der positive Effekt einer besseren Work-Life-Balance, sagen Forscher. Auch deshalb sei es wichtig, Feldversuche langfristig anzulegen. Am Anfang herrsche bei solchen Projekten oft Euphorie. Diese könne über einen höheren Stress während der vier Tage hinwegtäuschen.  

Gibt man nicht mehr Geld aus, wenn man mehr frei hat?

Studien zeigen, dass Menschen die Zeit tendenziell nutzen, um selbst zu kochen, Zeit mit der Familie zu verbringen, um Wege zu Fuss oder per Velo zurückzulegen oder Dinge zu reparieren. Sie zeigen auch, dass durch kürzere Arbeitszeit weniger Kompensationskäufe getätigt werden, um so durch Konsum kurzfristige Befriedigung zu erhalten.

Das versuchten die Franzosen auch schon und es ging in die Hosen, mehr Freizeit heisst mehr Geld ausgeben und ich glaube kaum, dass die Viertagewoche zum gleichem Lohn möglich ist!
Autor: Jean-Claude Albert Heusser SRF-User

Die Viertagewoche hätte also auch Einfluss auf die Umwelt?

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass längere Arbeitszeiten im Durchschnitt zu höheren Emissionen führen und eine Verkürzung der Arbeitszeit den CO2-Fussabdruck reduziert. Dieser Effekt lässt sich mit verschiedenen Faktoren erklären: Es verkürzen sich Pendelzeiten, die Effizienz in der Produktion wird gesteigert und der Konsum-basierte Fussabdruck sinkt, weil Menschen eben mehr Zeit haben, um selbst zu kochen, Wege zu Fuss zurückzulegen oder Konsumgüter zu reparieren.

40 Stunden schafft man in vielen Berufen locker in vier Tagen. Drei Tage Ruhezeit verbessert den Erholungseffekt um Welten und schont die Umwelt durch weniger Fahrten.
Autor: Thomas Leu SRF-User

In Frankreich, wo seit einigen Jahren die 35-Stunden-Woche gilt, hat sich gezeigt, dass Menschen ihre neu gewonnen Zeit auch in Familie, Entspannung, Sport und ehrenamtliche Tätigkeiten investieren. Energieintensive Aktivitäten wie Reisen oder Konsum folgten in Studien erst auf den hinteren Plätzen. Die Studie ist allerdings nicht mehr ganz neu. Trends können sich verändern.

Wäre eine Viertagewoche in allen Branchen möglich?

Die Frage ist, ob ein Unternehmen die gleiche Arbeit in weniger Zeit schaffen will. Wenn ja, müssen laut Forschern Arbeitsabläufe und Kommunikationswege verändert werden können. Nicht überall gibt es diesbezüglich Optimierungspotenzial. Und dort, wo Abläufe schon optimiert sind, ist es auch schwieriger, eine Viertagewoche einzuführen – zumindest nicht, ohne dass das Modell langfristig zur einer Verdichtung der Arbeit führt und dadurch eine Mehrbelastung für Angestellte entsteht.

Ich komme aus der Gastronomie und da ist es undenkbar, ausser der Kunde zahlt ein Viertel mehr für das, was er bestellt. Also unmöglich.
Autor: Adrian Müller SRF-User

Info 3, 12.08.21, 17.00 Uhr ;

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65 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Mehr Freizeit ist heute für viele Leute mehr wert als mehr Einkommen. Das erklärt auch die relativ vielen freiwilligen Frühpensionierungen und Teilzeit-Arbeitenden. Null-Wachstum des BIP/Kopf ist sicher kein eigenständiges Ziel, aber möglicherweise das Ergebnis einer menschlich und umweltmässig vernünftigen Lebensweise, bei der auf „Immer-mehr-Konsum“ verzichtet wird. Mit Romantik hat das gar nichts zu tun, sondern mit Vernunft und Lebensweisheit.
  • Kommentar von Tinu Sado  (Tinu2)
    die ganze Diskussion entbeert jeglicher Logik. Also weniger Arbeiten, gleich viel verdienen. Dazu konsumiert man noch weniger, d.h. Restaurants, Food Trucks, etc haben 20% weniger Umsatz. Mehr Produktivität, weniger Konsum, uns geht es allen besser? Das ist absoluter Unsinn! Der Konsum ist Wirtschaftsmotor, ohne diesen folgt die Rezession, Arbeitslosigkeit - Katastrophe! Mal ganz davon abgesehen, dass kaum ein KMU Betrieb einfach 20% weniger Arbeit für denselben Lohn überleben würde.
  • Kommentar von Andreas Pfister  (apfi)
    Anstatt 100% in 80% reinzustopfen, könnte man ja auch sagen...

    "Hey, 80%, das reicht mir!"

    Wie abwegig...