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Die Pandemie ist für Familien und Kinder eine Belastung
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 09.12.2021.
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Wenn Schüler Hilfe brauchen Schulsozialarbeiterinnen am Anschlag

Neben der Pandemie machen den Schülern Mobbing, Gewalt oder Leistungsdruck Sorgen. Eine Schule gibt Einblick.

Ein Jugendlicher kommt zur Schulsozialarbeiterin ins Einzelgespräch und erzählt von seinen Suizidgedanken. Anschliessend kommt ein Kind vorbei, dass der Schulsozialarbeiterin anvertraut, dass es Zuhause seit längerem geschlagen wird. Bei der nächsten Beratung kommt eine Jugendliche, bei der die Frage nach sexuellem Missbrauch im Raum steht.

Sind die Kinder länger einer solchen Situation ausgesetzt, können sie sich nicht entfalten.
Autor: Vera Meier Schulsozialarbeiterin

Es sind happige Fälle, welche die Gemeinde Nidau im Berner Seeland kürzlich in einem Bericht veröffentlichte. «Ja, die Bandbreite der Fälle, die wir bearbeiten, ist gross und das ist eine grosse Herausforderung», sagt Schulsozialarbeiterin Vera Meier.

Zwei Frauen in einem Schulzimmer.
Legende: Bessere Stimmung dank Schulsozialarbeit Schulsozialarbeiterin Vera Meier (vorne) und Schulleiterin Barbara Moser (hinten) haben ein offenes Ohr für die Probleme der Schülerinnen und Schüler. Michael Sahli/SRF

Suizidgedanken, Gewalt oder sexuelle Übergriffe seien existenzielle Probleme. «Sind die Kinder länger einer solchen Situation ausgesetzt, können sie sich nicht entfalten – schulisch oder später im Leben.» Die Idee der Schulsozialarbeit sei es, möglichst früh zu helfen, dass solch krasse Fälle möglichst gar nicht erst entstehen, so Meier.

Früh helfen war in letzter Zeit nicht mehr möglich. Seit die Schulsozialarbeit in Nidau vor sechs Jahren eingeführt wurde, gab es stetig mehr Fälle zu bearbeiten. Nun stockt die Gemeinde aufs nächste Jahr die Schulsozialarbeit für ihre drei Schulhäuser auf. Von 105 auf 150 Stellenprozente.

Schulsozialarbeit: Seit Corona noch mehr im Fokus

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Die ersten Schulsozialarbeitenden gab es in der Deutschschweiz bereits vor 20 Jahren. Gemäss einer aktuellen Studie der Berner Fachhochschule sind schätzungsweise über 1000 Schulsozialarbeitende an 900 Schulen in der Deutschschweiz tätig. In der Deutschschweiz gebe es deutlich mehr solche Angebote, als in der Westschweiz, sagt Barbara Bösiger vom Schulsozialarbeitsverband SSAV.


«Doch auch wenn das Angebot in der Deutschschweiz teilweise flächendeckend vorhanden ist, bedeutet das nicht, dass die Pensen ausreichen, um die Nachfrage zu decken», sagt Bösiger. Weil es oft keine kantonalen Vorgaben gebe, liege die Entscheidung bei den Gemeinden, wo die Mittel oft knapp seien.

Durch die Coronapandemie haben die Schulsozialarbeitenden nun noch mehr zu tun. «Gerade aktuell wirft an verschiedenen Schulen die Entwicklung grosse Wellen. Viele Kinder sind betroffen.» Klassen in Quarantäne, Familien seien gefordert, den Alltag so zu bewältigen, Lehrpersonen bemüht, den Unterricht zweigleisig (vor Ort und online) anzubieten. «Die Schule ist da ein Abbild der Gesellschaft: Die Nerven liegen mehr und mehr blank, Spannungen nehmen zu, sagt Bösiger.

Aber auch der digitale Wandel, der Leistungsdruck und psychische Belastungen mache den Kindern und Jugendlichen zu schaffen, so Barbara Bösiger vom SSAV. Hier sei es die Aufgabe der Schulsozialarbeit, systemisch-lösungsorientiert die Anliegen der Kinder und Jugendlichen aufzunehmen und in die Schulhauskultur einfliessen zu lassen.

Um die Aufstockung zu begründen, hat die Gemeinde aufgelistet, was sich in den Schulen verbessert hat, seit die Schulsozialarbeit im Einsatz ist. Es gebe zum Beispiel weniger Mobbingfälle, weniger rassistische Auseinandersetzungen, weniger Gewalt, mehr Akzeptanz gegenüber Kindern mit Behinderungen und weniger Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Sogar die Schulleistung wurde besser

Grundsätzlich könnten sich Lehrerinnen und Lehrer dank der Schulsozialarbeit wieder mehr auf den Unterricht konzentrieren, sagt Schulleiterin Barbara Moser.

Und sogar die Schulleistungen seien dank der Schulsozialarbeit besser geworden: «Wenn sich die Schülerinnen wohlfühlen, können sie sich entwickeln.» Die Schulsozialarbeit bewirke ein Umlenken der Energie. Weg von den ungesunden Gefühlen hin zu Motivation und Lernbereitschaft. «In diversen Fällen konnten Schülerinnen dann auch in ein höheres Niveau wechseln.»

SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 07.12.2021, 17.30 Uhr;

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