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Untersuchungen zu Mobbing- und Belästigungsvorwürfen bei RTS abgeschlossen
Aus Tagesschau vom 16.04.2021.
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Westschweizer Fernsehen Belästigungsvorwürfe: TV-Newschef und Personalchef verlassen RTS

  • Der SRG-Verwaltungsrat hat über die Ergebnisse der Untersuchungen zu den Belästigungsvorwürfen bei Radio Télévision Suisse (RTS) informiert.
  • Die Untersuchungen stellten unter anderem Mängel bei den vorhandenen Instrumenten zum Schutz der Mitarbeitenden fest.
  • Nun hat der Verwaltungsrat Massnahmen beschlossen. So werden unter anderem eine externe Ombudsstelle geschaffen und Führungspersonen geschult.
  • Bernard Rappaz, Chefredaktor der TV-Nachrichten, und der Personalleiter verlassen RTS. SRG-Generaldirektor Gilles Marchand und RTS-Direktor Pascal Crittin dürfen bleiben.

Die Zeitung «Le Temps» hatte im Oktober 2020 unter Berufung auf anonyme Quellen enthüllt, dass es innerhalb von RTS während Jahren zu Mobbing und zu sexueller Belästigung gekommen sein soll.

Belästigungen und Mobbing

Die Befragten berichteten von offener Belästigung, ungewollten Küssen, anzüglichen Kommentaren und systematischem Machtmissbrauch. Angeschuldigt wurden drei Mitarbeiter, darunter Darius Rochebin, langjähriger Moderator der RTS-Tagesschau. Der Vorwurf: Die Direktion und die Personalverantwortlichen von RTS hätten konsequent weggeschaut.

Rochebin, der im Herbst zum französischen Nachrichtensender LCI wechselte, hat unterdessen eine Verleumdungsklage gegen «Le Temps» eingereicht. Im Raum stand auch, was SRG-Generaldirektor und damaliger RTS-Direktor Gilles Marchand von den Belästigungsfällen wusste.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die SRG zwei externe Untersuchungen in Auftrag gegeben. Die interne Revision der SRG überprüfte zudem mit externer Unterstützung die vorhandenen Instrumente zum Schutz der persönlichen Integrität der Mitarbeitenden. Diesbezüglich hat die Untersuchung Mängel zutage gefördert.

Drei unabhängige Untersuchungen

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Der Verwaltungsrat der SRG hatte drei unabhängige Untersuchungen in Auftrag gegeben:

  • Die Kanzlei «Troillet Meier Raetzo» untersucht die Fälle bei RTS: Die Genfer Anwältinnenkanzlei Troillet Meier Raetzo ist auf Arbeitsrecht spezialisiert. Sie hat die bekannt gewordenen Fälle bei RTS untersucht. Das Mandat dafür wurde im Auftrag der Generaldirektion SRG von der Direktion RTS in Abstimmung mit der Gewerkschaft SSM erteilt und vom Personalausschuss des Verwaltungsrats SRG genehmigt.
  • Externes Mandat untersucht die Verantwortlichkeiten bei RTS: Muriel Epard ist ehemalige Präsidentin des Kantonsgerichts Waadt. Stanislas Zuin ist ehemaliger Präsident des Genfer Rechnungshofs und hat ein eigenes Beratungsunternehmen. Epard und Zuin untersuchten als unabhängige Experten, ob die Rollen und Verantwortlichkeiten in den RTS-Fällen klar geregelt waren und ob die Verantwortung von Führungspersonen und Fachstellen genügend wahrgenommen wurde. Das Mandat für diese Untersuchung wurde vom Personalausschuss des Verwaltungsrats SRG und in Abstimmung mit dem SSM erteilt.
  • Die Interne Revision SRG untersucht die Instrumente der SRG: Die Interne Revision untersuchte mit Unterstützung externer Fachleute, wie die im Unternehmen vorhandenen Instrumente zum Schutz der persönlichen Integrität der Mitarbeitenden funktionieren, ob sie genügend bekannt sind und genutzt werden und ob es weitere Instrumente braucht. Das Mandat für diese Untersuchung wurde vom Audit Committee des Verwaltungsrats SRG erteilt.

Entsprechend betroffen zeigte sich SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina am Freitag an einer Medienorientierung: «Die SRG duldet keinen Machtmissbrauch, keine Belästigungen oder Mobbing am Arbeitsplatz. Wir werden die Persönlichkeit und die Integrität unserer Mitarbeitenden künftig noch besser zu schützen wissen – und ich bitte all jene um Entschuldigung, bei denen uns dies nicht ausreichend gelungen ist.»

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VR-Präsident Jean-Michel Cina : «In der SRG haben Belästigungen keinen Platz»
Aus News-Clip vom 16.04.2021.
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Der Verwaltungsrat ergreift nun Massnahmen: So sollen in den Unternehmenseinheiten die Positionen von internen «Vertrauenspersonen» und einer externen Ombudsperson geschaffen werden. Alle Führungspersonen müssen ein obligatorisches Schulungsprogramm absolvieren, das gezielt für das Thema Belästigung sensibilisiert. Für den Fall der Nichteinhaltung der Bestimmungen sollen Sanktionen erlassen werden.

RTS-Moderator Rochebin entlastet

Die Untersuchungen entlasten RTS-Moderator Darius Rochebin. Keine der Zeugenaussagen habe den Schluss zugelassen, dass es zu Handlungen sexueller oder psychischer Belästigung, Angriffen auf die Persönlichkeit oder Straftaten gekommen sei, schreibt RTS in einer Mitteilung. Rochebin begrüsse die Ernsthaftigkeit der durchgeführten Untersuchungen und fühle sich bestätigt, teilte sein Anwalt mit.

In den beiden anderen untersuchten Fällen stellten die Expertinnen und Experten Handlungen fest, die als Belästigung qualifiziert wurden. Bezüglich Verantwortlichkeiten stellten die Berichte fest, dass von den untersuchten Fällen das Management in zwei Fällen angemessen gehandelt habe. Im dritten Fall wurden Management-Defizite in den RTS-Fachabteilungen festgestellt. Diese Defizite würden nun von der Geschäftsleitung bearbeitet. RTS hat eine externe Prüfung des Personalmanagements und der Personaldienstleistungen in Auftrag gegeben.

Bundesrätin: «Inakzeptable Vorgänge»

Medienministerin Simonetta Sommaruga reagierte empört auf die Ergebnisse der Untersuchung. Dass Mitarbeitende sexuell belästigt worden seien, sei «inakzeptabel». Sie erwarte von der SRG, dass sie alles unternehme, um weitere Vorfälle zu vermeiden und Sexismus, Belästigung und Diskriminierung zu verhindern, schreibt Sommaruga auf Twitter.

SRG-Generaldirektor Gilles Marchand, der zur Zeit der Vorfälle an der Spitze von RTS stand, hat laut Untersuchungen seine Aufsichtsverantwortung in einem Fall zu wenig wahrgenommen. «Dieser Fehler wurde jedoch als nicht schwer bezeichnet. Der Verwaltungsrat der SRG sieht daher keinen Grund, an der Integrität von Gilles Marchand zu zweifeln», betonte Präsident Jean-Michel Cina.

Auch bezüglich RTS-Direktor Pascal Crittin seien die externen Experten zum Schluss gekommen, dass ihm kein Fehlverhalten vorgeworfen werden kann. «Deshalb gibt es für den Verwaltungsrat hier ebenfalls keinen Handlungsbedarf», so Cina.

Vorwürfe und Untersuchungen bei RSI

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Kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe bei RTS wurden auch Vorfälle beim Tessiner Fernsehen Radiotelevisione svizzera (RSI) bekannt. Rund 40 Beschwerden waren beim Tessiner Sekretariat der Mediengewerkschaft SSM eingegangen.

Gemäss SSM-Angaben handelt es sich bei rund der Hälfte der Beschwerden um Mobbing, bei der anderen Hälfte um Belästigung, darunter sexuelle Belästigung und Persönlichkeitsverletzung.

Auch dazu wurde der SRG-Verwaltungsrat aktiv und hat Untersuchungen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse dazu werden zu einem späteren Zeitpunkt erwartet.

SRF 4 News, 16.04.2021, 11:00 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Félix Delahaye  (Delahaye)
    Eine kleine Bitte an die schwungvolle Frau RTS-Korrespondentin. Versuchen Sie einmal, etwas weniger komplizierte Sätze zu verwenden und etwas weniger hastig zu sprechen. Dann müssen Sie weniger auf Ihre Notizen schauen und werden vom Publikum viel besser verstanden werden. Danke, und weiterhin viel Elan!
    1. Antwort von Sam Meier  (tsam39947)
      Einverstanden, das war kein guter Auftritt.
    2. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Félix Delahaye und Sam Meier hier: Ganz bei Ihnen! - und die zwei, die jetzt gehen müssen, sollen, dürfen? - wie sind da die Abgangsbedingungen? Und ärgerlich ist schon auch hier, dass oben rüber alles beim Bestehenden bleibt.
  • Kommentar von Daniel Brändle  (Danii)
    Mit immer mehr Gendersternchen ist es nicht getan - es kommt auf die Haltung an
  • Kommentar von Markus Egger  (Marc01)
    Es ist sehr schlimm mit den sexuellen Übergriffen im Schweizer Fernsehen. Skandalös!!
    Ich frage mich, ob dieses Thema an erster Stelle an der Mittagsausgabe gehört.
    Wir haben leider viel wichtigere Themen in der Schweiz und in der Welt.
    1. Antwort von Sam Meier  (tsam39947)
      Naja, das Thema liegt halt im Trend, deshalb wird es auch medial gefördert. Damit wird auch die Verunglimpfung von Arbeitskollegen gefördert, anstatt dass man miteinander spricht und dies einvernehmlich regelt. Stattdessen werden "Verfahren" angestrebt und man will juristisch gegeneinander vorgehen. Ob das förderlich ist für das Betriebsklima?