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Wenn sich der Widerstand gegen Asylunterkünfte legt
Aus Echo der Zeit vom 15.08.2020.
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Widerstand gegen Asylheime Sind die Asylsuchenden einmal da, gibt es kaum Probleme

Bettwil bleibt vielen unvergessen – der grosse Widerstand im November 2011, als der oberste Asylchef des Bundes, Mario Gattiker, und die damalige Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli der Bevölkerung im kleinen Aargauer Dorf erklären wollten, weshalb 140 Asylbewerber in ihr Dorf ziehen sollten bei nur 600 Einwohnern.

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Aus dem Archiv: Grosse Emotionen in Bettwil
Aus Schweiz aktuell vom 25.11.2011.
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Bettwil ist ein prägnantes Beispiel für eine Gemeinde, die nichts mit Asylbewerbern zu tun haben wollte. Es gibt viele ähnliche Beispiele. Auch im aargauischen Frick war die Begeisterung nicht gross, erklärt Gemeindeammann Daniel Suter. Hier wurde in einem Werkhof in den vergangenen drei Jahren eine ähnlich grosse Unterkunft für 150 Personen betrieben.

Anfängliche Skepsis, positive Bilanz

«Wir haben keine Luftsprünge vollzogen, hatten aber Verständnis für die damalige Situation», sagt Suter. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass die Lage des Werkhofs Frick sich für eine solche Unterkunft eignete. Und so fügte sich die Gemeinde dem Diktat aus Aarau. Da klar war, dass die Unterkunft nur für drei Jahre betrieben wird, war der Widerstand begrenzt.

Mit der Unterkunft in Frick haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Der Betrieb ist in der Regel sehr ruhig gelaufen.
Autor: Pia Maria BruggerLeiterin Bereich Asyl Kanton Aargau

Nun, nach drei Jahren, ziehen alle Beteiligten eine positive Bilanz. Auch Pia Maria Brugger, die in der Aargauer Kantonsverwaltung den Asylbereich leitet. «Mit der Unterkunft in Frick haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Der Betrieb ist in der Regel sehr ruhig gelaufen. Wir konnten auf gute Zusammenarbeit zählen, insbesondere mit den Freiwilligenorganisationen.»

Eine Kontaktgruppe aus Freiwilligen kümmerte sich um die Asylsuchenden, schuf Kontakte zur Dorfbevölkerung und machte Beschäftigungsprogramme. Am Schluss sind alle zufrieden. Ein Bild, das man häufig sehen kann: Erst der Widerstand. Mit dem Einzug der Asylbewerber kehrt Ruhe ein. Und wenn man nachfragt, beklagt sich plötzlich niemand mehr.

Ein Mann spielt Fussball vor der Asylunterkunft Juch in Zürich.
Legende: Zwischenfälle gibt es in Asylunterkünften nur wenige – manchmal fallen die Bewohner nicht einmal auf. Keystone

Dies scheint sich jedoch auch nach Jahren nicht herum zu sprechen, erklärt Brugger. «Wenn man an einem neuen Standort eine neue Unterkunft eröffnet, stehen oft wieder die gleichen Ängste und die gleichen Vorbehalte im Raum. Die Arbeit beginnt bei uns dann meistens wieder von vorne.»

Meist ist der Betrieb unproblematisch

Ängste , die nicht immer unbegründet sind. Vor allem während der Flüchtlingskrise vor fünf Jahren gab es in einigen Unterkünften Probleme mit Asylbewerbern, die kriminell wurden. Doch die Situation hat sich gemäss Brugger beruhigt. Probleme gebe es allenfalls in Unterkünften mit abgewiesenen Asylbewerbern. In den meisten Häusern sei der Betrieb jedoch unproblematisch.

Das Aargauer Parlament will nun eine fixe Grossunterkunft für bis zu 300 Personen, die professionell betrieben wird. Die Suche nach dem Standort gestaltet sich auch hier schwierig. Mehrere Gemeinden haben schon abgesagt. Fast überall war Widerstand der Bevölkerung auszumachen. Die Aargauer Asylbehörde hofft, dass die Diskussionen um Standorte weniger werden, wenn diese Grossunterkunft einmal gebaut ist.

Es kam sogar vor, dass die Leute mich gefragt haben, ob die Asylbewerber überhaupt noch hier seien.
Autor: Daniel SuterGemeindeammann Frick (AG)

In Frick konnten jedenfalls viele Vorurteile abgebaut werden, sagt Gemeindeammann Daniel Suter. «Dadurch, dass es keine Ereignisse gegeben hat, weder im Dorf noch in der Unterkunft, kam es sogar vor, dass die Leute mich gefragt haben, ob die Asylbewerber überhaupt noch hier seien.» Und so zeigt sich in Frick wie an vielen anderen Orten auch: Oft gibt es Diskussionen vor allem dann, wenn die Asylunterkünfte noch nicht da sind.

Echo der Zeit, 15.8.2020, 18:00 Uhr

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54 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    @Salerno: (unten gibt es keine Antwortmöglichkeit mehr): Also Ihre letzte Antwort mit dem Paradox tönt etwas angestrengt, denn Sie haben ja nicht mehr nur nachgedacht sondern Einiges ad absurdum behauptet. Den hypothetischen Charakter von Ihrem Diskurs zeigt, dass Sie gerade Rousseu zitieren, den Pädagogen, der die Selbstliebe allen voran propagierte. Das passt doch mit Ihren Argumenten unter diesem Artikel gar nicht zusammen... Eben, Paradoxon vom feinsten. Oder wohl eher Nichtwissen.
  • Kommentar von Hans König  (Hans König)
    Da können die Gutmenschen noch sagen was sie wollen, schuld an diesem desolaten Zustand im Sozialbereich ist die unkontrollierte Masseneinwanderung und die tausenden Scheinflüchtlinge. Diese finanziellen Lasten müssen vor allen die Bürger/innen vom Mittelstand und die Kleinverdiener mittragen. Dadurch werden Sozialkosten weiterhin zunehmen und die Gemeinden ersticken an diesen Kosten und müssen die Steuern erhöhen. Es ist höchste Zeit, dass die uferlose Migrationspolitik endlich abgestellt wird.
  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Die Migranten werden anschliessend in die Kantone verteilt nach einem Schlüssel von Bevölkerungsgrösse und wirtschaftlicher Kraft. Aargau und Zürich müssen dabei gut 1/3 von allen Migranten aufnehmen und da bemerkt man die Leute bestens. NZZ schrieb vor einem Jahr: "Migration: Wieso Afrikaner illegal nach Europa kommen" Wer aus Afrika illegal nach Europa migriert, ist vergleichsweise gut gebildet und hat in der Heimat oftmals mehr verdient als der Durchschnitt. Man braucht Geld zum migrieren.
    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Die Gallup-Umfrage und die BBC-Arab-Studie haben ergeben, dass allein in Afrika es 380 Millionen Ausreiseweillige gibt. Mit zunehmend besserer wirtschaftlicher Situation können sich immer mehr eine Ausreise leisten. Als in den 50' die UN-Flüchtlings-Konvention ratifiziert wurde, hatte damals noch keiner an Internet und Natel gedacht. Die Aufnahmemöglichkeit und - willigkeit ist nicht unendlich, das muss ohne bösartige Unterstellungen auf politischer Ebene offen diskutiert werden.