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Sprinter Alex Wilson verpasst Olympia wegen Dopingvorwürfen
Aus Tagesschau vom 28.07.2021.
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Wilson verpasst Olympia Dopingsünder wegen Rindfleisch – kann das sein?

Der Sprinter Alex Wilson verpasst Olympia – wegen zu viel Rindfleisch, wie er sagt. Ein Ernährungsexperte schätzt ein.

Es ist die nächste bittere Pille für den Schweizer Leichtathletikverband an Olympia: Nach der «Leistungs-Sugus»-Affäre um den Hürdenläufer Kariem Hussein macht erneut ein skurriler Ausschluss wegen Dopingvorwürfen Schlagzeilen: Alex Wilson, der eben noch mit einem inzwischen aberkannten Fabelrekord über 100 Meter auf sich aufmerksam machte, wird in Tokio nicht antreten können.

Die Erklärung des besten Schweizer Sprinters der Geschichte: zu viel Rindfleisch. «Ich bin in ein Restaurant gegangen, habe nicht weiter überlegt und einfach Fleisch gegessen. Ich kann nicht immer nachfragen, ob das Fleisch jetzt Bio ist oder nicht.»

Steroid wird in Rindermast eingesetzt

Nachgewiesen wurde dem Schweizer Rekordhalter über 100 und 200 Meter die verbotene Substanz Trenbolon, ein anaboles Steroid, das dem Muskelaufbau und der Leistungssteigerung dient.

Legende: Wilson führt den positiven Test auf kontaminiertes Rindfleisch zurück, das er in den USA vor dem unangekündigten Test verzehrt habe. Keystone

Doch wie glaubwürdig ist die Argumentation des Schweizer Top-Sprinters? Für Samuel Mettler, Experte für Sporternährung und Dozent an der Fachhochschule Bern, ist das schwierig zu beantworten.

Grundsätzlich könnten derartige Substanzen über den Fleischverzehr in den Körper gelangen. «Diese Gefahr besteht zu einem gewissen Grad in Ländern, in denen diese Substanzen in den Mastbetrieben eingesetzt werden», so Mettler, der selbst Profi-Sportler und -Sportlerinnen berät.

Schwierige Beweisführung für Wilson

Auch für Nicht-Olympioniken interessant: Bei Schweizer Fleisch sei dies nicht der Fall. In den USA wird Trenbolon verbreitet in der Rindermast eingesetzt, damit die Tiere mehr Fleisch ansetzen. Auch in Südamerika und Asien kommen anabole Steroide in der Fleischproduktion zum Einsatz – legal, aber teils auch illegal.

Begründung möglich – aber auch wahrscheinlich?

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Legende: Der Internationaler Sportgerichtshof TAS in Lausanne Keystone

Wilson wurde am 15. März 2021 durch Antidoping Schweiz ausserhalb eines Wettkampfes positiv getestet. In der Probe wurden Trenbolon und Metaboliten nachgewiesen. Antidoping Schweiz sperrte den 30-Jährigen daraufhin provisorisch. Weil Wilsons Einsprache später erfolgreich war, wurde die provisorische Sperre mit Entscheid der Disziplinarkammer vom 2. Juli 2021 definitiv aufgehoben. Diese hielt Wilsons Begründung, kontaminiertes Rindfleisch verzehrt zu haben, für möglich.

World Athletics wollte den Entscheid der Disziplinarkammer nicht akzeptieren und erhob beim TAS am 22. Juli Einsprache. Diese wurde nun gutgeheissen, womit Wilson erneut mit einer provisorischen Sperre belegt wurde. Die Begründung des Internationalen Sportgerichtshofs in Lausanne: Wilsons Argumentation müsse nicht «möglich», sondern «wahrscheinlich» sein.

Fest steht für Mettler: «Eine Beweisführung für die eigene Unschuld ist für Alex Wilson nahezu unmöglich.» Dafür bräuchte es eine entsprechende Probe aus dem Restaurant, in dem der Sprinter das kontaminierte Fleisch gegessen haben will.

«Umgekehrt ist die Situation für die Dopingbekämpfung. Sie muss hier strikt sein: Denn sonst würde man Betrug Tür und Tor öffnen. Es könnte ja jeder Athlet einen positiven Dopingbefund auf irgendeinen Fleischkonsum abwälzen.»

Legende: Der 30-Jährige ist provisorisch gesperrt und darf an den Olympischen Spielen nicht starten. Wilson findet den Entscheid «schon heftig»: «Es ist einfach nicht fair.» Keystone

Ob Sportler oder nicht: Wer als Konsument sicher sein möchte, keine anabolen Steroide zu sich zu nehmen, sollte am besten auf Bio-Fleisch setzen. «Man sollte auf die Herkunft des Fleisches achten», rät der Ernährungsexperte. «Also darauf, dass es aus qualitativ guter Produktion kommt. Dann kann es nahezu ausgeschlossen werden, dass man diese Substanzen zu sich nimmt.»

Tagesschau, 28.07.2021, 12:30 Uhr;

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71 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Ob Rindfleisch oder nicht, ich weiss es nicht. Allerdings, wenn ich Bilder von Wilson sehe, könnte ich mir vorstellen, dass diese Figur etwas mit Anabolika zu tun haben könnte. Wie gesagt, ich weiss es nicht, aber ich vermute doch ein wenig, dass alle Leistungssportler wo es auf Kraft und Ausdauer ankommt, leistungsfördernde Mittel einnehmen, bzw. eingenommen haben. Wilson wäre nach dieser Vermutung nicht der Erste und längst nicht der Einzige.
  • Kommentar von Adriano Granello  (adgr)
    Immerhin scheinen Schweizer Spitzensportler auf eigene Faust zu dopen, nur die Ausreden nach dem Erwischtwerden erhalten sie von ihren Beratern.

    In Russland, um nur ein Beispiel zu nennen, gehören Superleistungen der eigenen Spitzensportler zur Staatspropaganda, entsprechechend ist dort Doping und dessen systematische Vertuschung Sache der staastsgelenkten Sportverbände.

    Vielleicht wäre es wirklich das Beste, Doping als legal zu erklären, so hätten wenigstens alle die gleichlangen Spiesse.
  • Kommentar von Ueli Roschi  (Veloueli)
    Im ARD kam eine Sendung über dieses Thema. Dabei genügten schon Berührungen mit einem Dopingmittel und die Probanden wurden Positiv getestet. In der heutigen Zeit wird extrem genau gemessen. Aus diesem Grund sollte man Alex Wilson nicht vorverurteilen. Wenn er es absichtlich gemacht hat, ist er schon doof.
    1. Antwort von Emily Linder  (Emily Linder)
      Vorverurteilen nicht. Aber eine Bemerkung wie «Ich bin in ein Restaurant gegangen, habe nicht weiter überlegt und einfach Fleisch gegessen. Ich kann nicht immer nachfragen, ob das Fleisch jetzt Bio ist oder nicht.» ist einfach lächerlich für einen Profisportler der sich der ganzen Dopingproblematik bewusst ist.