Eigentlich wollte Elia Gerber, Jungpolitiker bei den Grünen, an die Familientradition anknüpfen und im Militär Lastwagenfahrer werden. Im Jungmotorfahrer-Kurs in der Kaserne kam jedoch der Sinneswandel: «Dort begann ich herauszufinden, dass ich wirklich ein Problem damit habe, Militärdienst zu leisten. Ich konnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Auch wenn ich mir vorstelle, Menschen töten zu müssen und dazu ausgebildet zu werden», erinnert er sich im «SRF Club». Heute ist Elia Gerber Sekretär bei der «Gruppe für eine Schweiz ohne Armee».
So wie Elia Gerber ergeht es vielen jungen Menschen in der Schweiz. Wer aufgrund von Gewissenskonflikten den Militärdienst nicht leisten möchte, kann stattdessen Zivildienst leisten. Dieser Dienst erfolgt meist im sozialen oder gemeinnützigen Bereich. Im Jahr 2025 gab es so viele Zulassungen für den Zivildienst, wie noch nie zuvor. Für den Bundesrat und das Parlament ist dies ein Problem: Mit einem neuen Gesetz möchten sie den Zivildienst unattraktiver machen und die Armee stärken.
«Es gibt viele, die aus Bequemlichkeit in den Zivildienst wechseln»
Raphael Seunig, Wachtmeister in der Armee und im Vorstand der Jungen Mitte, gehört zu jenen, die das neue Gesetz befürworten. Ihn stört besonders der Wechsel in den Zivildienst nach der Rekrutenschule: «Die Armee hat schon in diese Leute investiert und dann soll plötzlich ein Gewissenskonflikt kommen. Per Zufall gerade in der Zeit, in der Studienabschlussprüfungen anstehen.»
Der Zivildienst sei ein Schlupfloch für jene, welche nicht aus Gewissensbissen, sondern aufgrund der höheren Freiheiten den Wechsel beantragen. Sie leisten zwar anderthalbmal so viele Diensttage, können sich diese aber zeitlich sowie örtlich selbst einteilen. «Es gibt viele, die aus Bequemlichkeit in den Zivildienst wechseln», meint Seunig. Die Gesetzesrevision möchte deshalb die Mindestdienstpflicht im Zivildienst auf 150 Tage erhöhen – unabhängig davon, wie viel bereits in der Rekrutenschule geleistet wurde.
Im Dienst für die Schweiz
Ein Pflichtbewusstsein gegenüber der Gesellschaft sei wichtig, findet auch Elia Gerber. Aber der Zivildienst sei alles andere als eine Bequemlichkeit. In der Corona-Pandemie habe er beispielsweise tagelang im Altersheim Räume gereinigt: «Das ist nichts Bequemes.» Doch die Revisionsbefürworter würden den Zivildienst als ungenügenden Dienst für die Gesellschaft sehen. Dabei leiste der Zivildienst «enorm wichtige Arbeit – auch für die Sicherheit unserer Schweiz. Das ist nicht nur militärische Sicherheit».
Die Revision würde, so schätzt der Bundesrat, zu einem 40-prozentigen Rückgang der Zulassungen zum Zivildienst führen. Dies könnte einen erheblichen Personalmangel in Schulen oder im Gesundheitssystem bewirken, so Gerber.
Salamitaktik
Elia Gerber befürchtet, dass die Gesetzesrevision erst der Anfang sei: «Es ist eine Salamitaktik zur Abschaffung des Zivildienstes.» Auch für Seunig leistet der Zivildienst wichtige Arbeit in der Schweiz und ist als Alternative für all jene mit Gewissensbissen unerlässlich, «aber es soll ein Ersatzdienst bleiben».