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Zu viel Phosphor Kranker Zugersee: Rettungsprojekt ist gescheitert

Im Zugersee ist der Phosphorgehalt deutlich zu hoch. Trotzdem hat der Bauernverband ein Reduktionsprojekt gestoppt.

Man sieht ihm die Verunreinigung nicht direkt an – auch jetzt im Sommer nicht, wenn der Zugersee viele Badegäste anlockt. Doch die Zahlen belegen es: Der Phosphorgehalt im Zugersee ist zu hoch. Gegen 80 Milligramm pro Kubikmeter sind es aktuell. Die Vorgaben des Bundes sehen vor, dass längerfristig ein Wert von 30 Milligramm pro Kubikmeter erreicht werden müsste. Dass etwas unternommen werden muss, ist unbestritten. Doch bei der Frage, was genau gemacht werden soll, wird es schwieriger.

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Archiv: Warum der Bauernverband das Projekt am Zugersee stoppte
05:15 min, aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 27.07.2021.
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Klar ist, dass man bei der Landwirtschaft ansetzen muss, denn ein grosser Teil des Phosphors gelangt wegen ausgewaschener Gülle in den See. Der Bauernverband hatte deshalb 2018 mit dem Kanton eine Vereinbarung getroffen. Diese sah vor, dass der Verband ein eigenes Projekt umsetzt, um den Phosphorgehalt im Zugersee zu reduzieren. Doch nun hat der Bauernverband das Projekt gestoppt.

Wir hätten Sandfilterboxen platziert, in denen der ausgewaschene Phosphor aufgefangen worden wäre.
Autor: Ueli Staub Bauernverband Zug

Der Grund für den Stopp: Die vorgeschlagenen Massnahmen hätten dem Bund nicht gereicht, sagt der Geschäftsführer des Zuger Bauernverbands, Ueli Staub. Die Bauern hatten unter anderem die Idee, mit Filteranlagen zu arbeiten. Diese hätten am Ende von bestehenden Drainage-Leitungen installiert werden sollen. «Wir hätten dort Sandfilterboxen platziert, in denen der ausgewaschene Phosphor aufgefangen worden wäre.»

Aber: «Der Bund forderte Verbindlichkeiten über mehrere Jahre», sagt Ueli Staub. Das sei den Bauern nicht möglich: «Betriebe verändern sich und haben eine rollende Planung.» Ausserdem sei es zu unsicher, ob die vorgeschlagenen Massnahmen von Bund und Kanton mitfinanziert würden. Deshalb habe man das Projekt stoppen müssen.

Warum Phosphor den Seen schadet

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Phosphor ist nicht grundsätzlich schlecht. Tatsächlich ist der Stoff für die Landwirtschaft sogar ein Segen, weil er das Wachstum der Pflanzen fördert und somit mehr Ertrag bringt.

In den Seen begünstigt der Phosphor jedoch das Wachstum der Algen. Wenn diese dann absterben, sinken sie auf den Seegrund, wo Bakterien und Pilze sie abbauen und dabei viel Sauerstoff verbrauchen. Starker Sauerstoffmangel gefährdet jedoch das Leben von Fischen und die Biodiversität im See.

Beim Kanton zeigt man sich überrascht vom Rückzug des Bauernverbands. Jetzt sei man quasi «zurück auf Feld eins», sagt der zuständige Regierungsrat Florian Weber. Wie es weitergehe, sei noch offen: «Wir müssen jetzt eine Auslegeordnung machen.» Denn es stünden ohnehin sowohl auf nationaler wie auch auf kantonaler Ebene neue Bestimmungen und Gesetze an.

Naturschutzverband fordert Massnahmen

Besonders enttäuscht über den Stopp des Projekts ist der WWF Zug. Geschäftsführer Stephan Buhofer sagt: «Wir möchten eigentlich, dass die Bauern selber mitwirken und Verantwortung übernehmen, statt dass Zwang angewendet werden muss.» Doch es gehe nun schon zu lange nichts. «Es wird Zeit, dass man mit konkreten Massnahmen, die Wirkung zeigen, voranschreiten kann.»

Der WWF denkt dabei unter anderem an die sogenannte «Ausscheidung der Zuströmbereiche». Das würde bedeuten, dass im Einzugsgebiet des Sees spezielle Schutzzonen bezeichnet würden, in denen die Bauern ihre Tierbestände reduzieren oder wo sie einen Teil der Gülle extern abgeben müssten. Genau diese Massnahmen wollte der Bauernverband aber vermeiden.

Das Thema wird bald die Politik in Zug beschäftigen: Zurzeit ist ein Vorstoss der «Alternativen - Die Grünen» hängig. Mit diesem will die Partei die Regierung dazu verpflichten, «einen Bericht mit Massnahmen zur langfristigen Gesundung des Zugersees vorzulegen.»

Regionaljournal Zentralschweiz, 27.07.2021, 17:30 Uhr;

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Ludwig Zeier  (Louis)
    @Robert Frei
    Der Grossteil der Schwermetalle stammen nicht aus der Gülle. Werden aber durch diese aus den Böden durch die Übersäuerung gelöst. Die Schwermetalle wie z. B. Blei sind normalerweise im Boden gebunden. Mit dem beim Kompogas Verfahren anfallenden Düngergranulat hätten wir dieses Problem nicht. Und die Umwelt würde auch nicht mit Ammoniak bzw. Güllegestank belastet.
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Die Lösung könnte einfach sein;
    "Den Import von Phosphor und phosphor-haltigen Produkten so hoch besteuern, dass das Geld für die Reinigung von Seen und Flüssen aufgewendet werden kann"

    Das würde auch das Recycling von Phosphor direkt schon bei den Bauern fördern.
    So dass dann der ganzen Mist von Anfang an raffineriert wurde, und so der Phosphor dort landet, wo er wirklich gebraucht wird.
    Und wenn die "Tier-Bauern" den "Mist" verkaufen können, dann landet es nicht mehr auf den Feldern.
  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Man ist fassungslos über die Politik des Bauernverbands , dabei tun diese Kreise immer so bodenständig und heimatverbunden. Nein, sie gebärden sich wie „Brunnenvergifter“. Das ist leider in D nicht viel anders. Zum Glück fängt die EU langsam an, strengere Grenzwerte zu fordern Der konsequente Schritt wäre die Streichung aller Förderungen für konventionelle LW, dafür alles in die Nachhaltigkeit, Tierwohl, Land - und Wasserschutz, damit die Rentabilität aufgebaut werden kann