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Historisch wertvolle Funde: Wie soll man damit umgehen, wenn Bauarbeiten und Grabungen gleichzeitig Platz haben müssen?
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 21.10.2020.
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Zu wenig Zeit für Archäologie? Streit um Ausgrabungen im historischen Bäderquartier Baden

Hier badeten mal die Römer: Auf dem Kurplatz Baden wurde bei Bauarbeiten der Stadt Wertvolles im Boden gefunden.

Historisches Verenabad begeistert: In Baden wird gebaut, und immer wenn hier gebaut wird, findet man Überreste aus früheren Zeiten. Die Thermalquellen am Limmatknie in Baden nutzten bereits die Römer ausgiebig. Ab dem ersten Jahrhundert n. Chr. errichteten sie Heil- und Thermalbäder, die den Badeort im Römischen Reich bekannt machten. Noch heute findet man bei Ausgrabungen Zeugen dieser Vergangenheit.

Das ist ein Sensationsfund.
Autor: Armand BaeriswylPrivatdozent Universität Bern für Mittelalterarchäologie und Bauforschung

Nun sind das historische Verenabad (2000 Jahre alt), Altäre und ein Sakralbau bei Bauarbeiten auf dem Kurplatz gefunden worden. Viele aus der Region kamen auf Führungen der Archäologen, um das Verenabad zu sehen. Zudem soll nun auch ein historisches Freibad freigelegt werden. Baden sei als Ausgrabungsstätte sensationell, sagt Armand Baeriswyl, Privatdozent an der Universität Bern für Mittelalterarchäologie und Bauforschung.

Grabung
Legende: SRF

Sakralbau im Thermalbad, wieso? «Kultbauten im direkten Umfeld einer Thermalquelle sind in römischer Zeit keine Seltenheit, sondern die Regel», heisst es beim Kanton Aargau. Beispiel aus Gallien, Germanien oder Italien würden belegen, dass die Nutzung des warmen Wassers und kultische Handlungen eng zusammengehörten. In Baden fand man nun im Bauschutt das Fragment einer Monumental-Inschrift, die nun von Experten untersucht wird.

Streit um die Funde und Zeitdruck: Seit dem Frühling wird in Baden im Bereich Kurplatz gegraben. Thermalwasserleitungen werden ersetzt. Das 2000-jährige Verenabad, das im Mittelalter durch die Sage der heiligen Verena Bekanntheit erlangte, wurde dabei wiederentdeckt und gibt seither zu reden. Die Kantonsarchäologie und die Bauherrin auf dem Kurplatz, die Stadt Baden, untersuchen und diskutieren seither, was man mit dem Sensationsfund auf dem Kurplatz machen soll. Zuschütten, erhalten, untersuchen, ausgraben? Das Problem: Die Zeit drängt.

Badener Thermalwasser ist 47 Grad warm

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Bad
Legende: Schon die Römer wussten die warmen Quellen in Baden zu schätzen. Im Bild das historische Verenabad. zvg/Kantonsarchäologie
  • Aus 18 Quellen sprudelt in Baden das Thermalwasser.
  • Es ist mit rund 47 Grad eines der wärmsten in der Schweiz.
  • Mit 4,6 Gramm pro Liter gilt es auch als das mineralreichste Thermalwasser der Schweiz.

Der Zeitdruck ist gross, weil gleich neben der Fundstelle das grosse, neue Thermalbad von Stararchitekt Mario Botta entsteht. Mit den privaten Bauherren dieses Bades möchte sich die Stadt nicht anlegen, schliesslich ist die Eröffnung des Bades im Herbst 2021 fix geplant, das Eröffnungsfest steht. Das ist schon lange bekannt und so vereinbart.

Bad
Legende: Das neue Bad von Mario Botta: Es soll Badegäste aus der Region, vor allem aber auch aus dem Kanton Zürich anlocken. zvg/Bäderbaden.ch , Link öffnet in einem neuen Fenster

Badener wehren sich: Eigentlich müsste man den Kurplatz Schicht für Schicht dokumentieren und abtragen. «Man macht sicherlich jetzt nur das Minimum. Man kann nicht rechts und links schauen, das bleibt nur noch der nächsten Generation vorbehalten», kritisiert die Badener Historikerin Ruth Wiederkehr den Zeitdruck.

Man ist wie im Blindflug auf diesem Platz.
Autor: Bruno MeierHistoriker Baden

Man hätte früher reagieren sollen, findet auch der Badener Historiker Bruno Meier: «Man ist wie im Blindflug auf diesem Platz. Das hätte man vor 2, 4 oder 5 Jahren angehen sollen und alles sondieren sollen», sagt er. Jetzt sei es zu spät.

Kantonsarchäologie weist Kritik zurück: Die Archäologie habe gesetzliche Vorschriften, die man umsetzen müsse, sagt Georg Matter, damals zuständiger Kantonsarchäologe, heute Leiter Abteilung Kultur. Man untersuche, was vom Bauvorhaben zerstört wird, das mache man auch auf dem Kurplatz so Matter. Die Kantonsarchäologie mache ihren Job gut, hält er fest.

Inschrift
Legende: Was bedeutet die Inschrift genau? Experten untersuchen den neusten Fudn jetzt. zvg/ Kanton Aargau Kantonsarchäologie , Link öffnet in einem neuen Fenster

So geht es weiter: Die Thematik beschäftigt derzeit auch noch den Badener Einwohnerrat. Die Leiterin der Arbeitsgruppe meinte jedoch, dass die bisherigen Funde wohl wieder zugeschüttet würden, da man sie so am Besten erhalten könne. Die Badener Vergangenheit bleibt für die Bevölkerung also unter dem Kurplatz verborgen.

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Ist der Zeitdruck zu gross oder läuft alles richtig? Wichtige Ausgrabungen in Baden geben zu reden
02:19 min, aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 21.10.2020.
abspielen. Laufzeit 02:19 Minuten.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 21.10.2020, 17:30 Uhr;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Ich denke dass mit Ruhe Grabungen gemacht werden
    Klemmen. Corona wegen will nicht sagen C seinDank
  • Kommentar von Christian Halter  (⌒o⌒)人(⌒-⌒)
    Hauptsache die 2000 Jahre alten historischen Kulturgüter bleiben erhalten und werden nicht zerstört. Die sind einmalig und an Wert nicht zu bemessen....im Gegensatz zum Neubau.
  • Kommentar von Peter Wiesner  (Peter P. Wiesner)
    Ich habe im Ausland viele archäologische Funde gesehen, die mit dicken Glasplatten versehen wurden und man konnte einfach darüber laufen (und abends beleuchtet) - fantastisch. Hier in Baden sollte es nicht möglich sein, nur weil ein paar Privatinvestoren keine Geduld aufbringen können/wollen? Die Drängler -wegen der Eröffnung Herbst 2021- werden sich noch in Geduld üben müssen. Wir leben in einer verrückten Welt.