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In der Zentralschweiz spitzt sich der Lehrermangel besonders zu
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 20.04.2022.
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Zu wenige Lehrpersonen Lehrermangel in der Zentralschweiz spitzt sich zu

In Zentralschweizer Kantonen sind auffällig viele Jobs für Lehrpersonen ausgeschrieben. Lehrerverbände schlagen Alarm.

Pascal Staub, Präsident des Schwyzer Schulleiterverbands, redet nicht lange um den heissen Brei herum, wenn es um die offenen Stellen für Lehrpersonen in seinem Kanton geht. «Im Moment sind massenweise Stellen ausgeschrieben», sagt er. «Aber Bewerbungen kommen keine rein. Null.»

Ähnlich klingt es bei Lea Lowth vom Nidwaldner Lehrerverband. Fehlende Lehrpersonen seien zwar schon seit Jahren regelmässig ein Thema, sagt sie. Aber: «Jetzt ist bereits April, und so viele unbesetzte Stellen fürs neue Schuljahr hatten wir noch nie.» Und in Luzern sagt Alex Messerli vom Verband der Luzerner Lehrerinnen und Lehrer: «Ich glaube, es ist noch nicht überall angekommen, wie drängend das Problem ist.»

Nach Bern ist nun die Zentralschweiz knapp dran

In praktisch allen Kantonen der Zentralschweiz sind gut vier Monate vor Beginn des nächsten Schuljahres so viele Stellen für Unterrichtspersonen unbesetzt wie noch selten. Thomas Minder, Präsident des Schweizerischen Verbands der Schulleiterinnen und Schulleiter, bestätigt: «Zuerst hat sich ein Lehrermangel vor allem im Kanton Bern gezeigt, jetzt hat er sich auf die Zentralschweiz ausgeweitet.» Bereits zeige sich aber auch in der Ostschweiz, dass Schulen zunehmend Mühe hätten, offene Stellen zu besetzen.

Lehrerin erklärt Kindern was auf dem iPad.
Legende: Viele Berufseinsteiger fühlen sich überfordert. Einige wollen bereits nach dem ersten Semester an der Pädagogischen Hochschule wieder aussteigen. Keystone

Der Grund für den Mangel an Lehrpersonen: Es gibt mehr Lehrerinnen und Lehrer, die den Beruf verlassen, als jungen Nachwuchs, der neu einsteigt. «Das hat vor allem damit zu tun, dass die Babyboomer ins Pensionsalter kommen», sagt Minder. Und: Zusätzlich würden sich die Kantone die verfügbaren Lehrerinnen und Lehrer untereinander abjagen.

Luzerner Verband fordert bessere Rahmenbedingungen

Gerade im Kanton Luzern fordert der Verband der Lehrerinnen und Lehrer jetzt, dass die Politik aktiv wird. «Der Lehrerberuf muss attraktiver werden», sagt Verbandspräsident Alex Messerli. Dazu müssten einerseits die Löhne steigen, so Messerli; Luzern habe in den vergangenen zehn Jahren im Bildungsbereich zu stark gespart.

Der Lehrerberuf muss attraktiver werden.
Autor: Alex Messerli Präsident Verband Luzerner Lehrerinnen und Lehrer

Andererseits müssten sich auch die Rahmenbedingungen generell verbessern: Der Beruf sei mittlerweile so fordernd und stressig, dass nur noch jede zehnte Lehrperson mit einem Pensum von 90 Prozent und mehr arbeite. Dadurch vergrössere sich die Angebotslücke zusätzlich.

Kanton will Berufseinsteiger länger im Job halten

Dem widerspricht die Dienststelle für Volksschulbildung des Kantons Luzern. «Die Rahmenbedingungen für den Lehrerberuf sind bei uns nicht schlechter als anderswo», sagt Katrin Birchler. Sie glaubt jedoch, dass die frisch ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer an ihren Schulen mehr Unterstützung brauchen könnten – eine Arbeitsgruppe habe sich diesem Thema bereits angenommen.

Video
Kanton Luzern: Akuter Lehrermangel
Aus Schweiz aktuell vom 14.04.2022.
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«Wir hatten viele Fälle von jungen Leuten, die frisch von der Pädagogischen Hochschule kamen und bereits nach einem Semester wieder aussteigen wollten, weil sie sich überfordert fühlten», so Birchler. Hier seien die Schulleitungen gefordert, damit es nicht so weit komme.

Zug zeigt: Geld spielt eben doch eine Rolle

Dennoch: Die Entlöhnung und die generellen Arbeitsbedingungen bleiben wichtige Faktoren für Unterrichtspersonen. Diesen Schluss legt zumindest ein Blick in den wohlhabenden Kanton Zug nahe. Als einziger Kanton der Zentralschweiz ist ein Mangel an Lehrerinnen und Lehrer dort kein Thema. Die Richtgrösse der Klassen liegt dort bei 18 Schülerinnen und Schülern – und wer neu als Sekundarlehrer einsteigt, verdient pro Jahr bis zu 8000 Franken mehr als in anderen Zentralschweizer Kantonen.

Regionaljournal Zentralschweiz, 11.04.2022, 17:30 Uhr;

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47 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für Ihre Diskussionen zum Thema. Wir wünschen Ihnen einen erholsamen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    Es scheint, dass gute Erfahrungen mit Quereinsteigenden gemacht werden. Andere Berufe, anderen Boden unter den Füssen, andere Lebenssituationen. mMn darf das noch intensiver ausgebaut werden.
    Auch dürfen gerne Verbandsobere (nicht nur in diesem Beruf, aber hier besonders) eine Weile wieder direkt im Beruf arbeiten; bzw. umgekehrt als Querumsteigende für eine Weile andere Berufe kennenlernen und dann zurückkommen.
  • Kommentar von Werner Coretti  (wienna)
    Schulen werden an vielen Ort je länger je weniger basisdemokratisch geführt.
    Die Anliegen der Lehrpersonen haben somit bei den ständigen Veränderungen immer
    weniger Gewicht. Das führt beim einen oder anderen zum Gefühl der Machtlosigkeit.

    Falls Zeiten kommen sollten, wo "nichts" mehr geht - im Kanton Zürich sollen sich in diesem Frühjahr auch Personen ohne pädagogische Ausbildung um eine Anstellung bewerben dürfen -, wird man den Lehrern wieder mehr Vertrauen entgegenbringen müssen.
    1. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Meinerseits sehe ich es umgekehrt. Ich finde die Quereinstiegsmöglichkeit gut, inspirierend auch für Lehrpersonen. Vor allem für Schulleitungen kann es andere Berufswege geben: eher vom Management her z.B. In gut und geordnet geführten Schulen, wo sich Lehrpersonen wieder auf ihren Beruf konzentrieren können, ist (jedenfalls in meiner Umgebung) ein gutes, auch demokratisches Arbeitsklima; demokratisch heisst: nicht dauernd VVs, sondern Wissen, wer, was, wann, wie macht, wie Wege verlaufen.