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Ein «Melonengrüner»: Glättli wohl neuer Präsident der Grünen
Aus Echo der Zeit vom 02.02.2020.
abspielen. Laufzeit 05:03 Minuten.
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Zürcher will Präsident werden Balthasar Glättli: aussen grün, innen rot

Balthasar Glättli ist der einzige Kandidat für das Grünen-Präsidium und dürfte Ende März zum Nachfolger von Regula Rytz gewählt werden. Ein Porträt.

Seit diesem Wochenende ist sozusagen klar: Balthasar Glättli wird neuer Präsident der Grünen. Die Frist für Bewerbungen ist abgelaufen, Überraschungen gab es keine. Glättli bleibt der einzige Kandidat für die Nachfolge von Regula Rytz. Die Bestätigung durch die Delegierten Ende März dürfte eine Formsache sein.

Glättli übernimmt von Regula Rytz eine Siegerinnen-Partei mit einem Wähleranteil im letzten Herbst von gut 13 Prozent – ein historisches Hoch für die Grünen. Für den Neuen eine Absturzgefahr. «Das ist natürlich vom Vergleich her, gemessen zu werden an diesem Erfolg, nicht unbedingt der einfachste Job, aber gleichzeitig auch eine schöne Herausforderung.»

Wir müssen von unten her, als ‹Mitmachpartei› wachsen.
Autor: Balthasar GlättliNationalrat Grüne

Wie schon Rytz wolle er den Aufbau in den Kantonen, den Sektionen weiter fördern. «Ich glaube, das ist das Geheimnis, an dem man jetzt auch arbeiten muss. Wir müssen von unten her, als ‹Mitmachpartei› wachsen.» Ein wichtiges Ziel für Glättli ist ein grüner Sitz im Bundesrat.

«Zeitwohlstand» statt Materielles

Glättli treibt es um, dass aktuell über das Gleiche debattiert werde, wie bereits vor 30 Jahren, als der Weltklimarat seinen ersten Bericht präsentierte. Es sei zu wenig gemacht worden, so Glättli, man habe 30 Jahre verloren. Der frühere Philosophie-Student gerät rasch ins Philosophieren.

Wir müssten umdenken, weg von der Verbraucher- und Abfallgesellschaft hin zu einer Solidargesellschaft. Man müsse aufzeigen, dass es eine Chance sein könne für ein Leben mit vielleicht etwas weniger materiellem Überfluss, aber dafür mehr Zeit – zum Beispiel «Zeitwohlstand».

Ein Diktat, einen Zwang will Glättli nicht. Konkrete Massnahmen wie die CO2 Abgabe auf Flugtickets hingegen schon. Klimaschutz dürfe nicht auf Kosten der Ärmeren gehen, betont Glättli.

Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn

Ja, er sei ein «Melonengrüner», bestätigt Glättli – aussen grün, innen rot. Er, der Vizepräsident des Mieterverbandes ist und bei einer Flüchtlingsorganisation gearbeitet hat, wehrt sich gegen alles, was ihm ungerecht erscheint. So ist er vor Jahren aus der evangelisch-reformierten Kirche ausgetreten, als sich diese bereit erklärte, Zwangsausschaffungen von Asylsuchenden zu begleiten.

Sein Gerechtigkeitssinn brachte ihm als Student eine Busse ein. Er verfremdete ein Inserat der SP, in dem diese neue Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht verteidigte.

Von politischen Gegnern geschätzt

Grün und rot machen Glättli aber noch nicht alleine aus. Er ist zudem Technik-afin und kennt sich im Digitalbereich aus. So hatte er sein Studium in Germanistik und Philosophie abgebrochen und eine eigene Internet-Beratungsfirma gegründet.

Trotz seiner klaren Positionen wird er von politischen Gegnern geschätzt. Er sei kompromissbereit. Sein grosses Wissen wird gelobt. Er sei ein Krampfer, sagt beispielsweise SVP-Nationalrat Mauro Tuena. Glättli halte sich an Abmachungen. Die beiden Politiker sind befreundet.

Von der Tochter verzaubert worden

Glättli ist verheiratet mit SP-Nationalrätin Min Li Marti. Die beiden betreuen je einen Werktag pro Woche die gemeinsame Tochter. Die bald 2-Jährige hat ihren Vater erobert. Ihn, der früher nie Kinder wollte. «Das ist etwas, was ich mir nie hätte vorstellen können, wie einen das packen, berühren kann. Es ist ja eine sehr spielerisch-sinnlose und trotzdem unheimlich befriedigende Aktivität mit einem so kleinen Menschen zu spielen.»

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Das Sterben von Tier- und Pflanzenarten ist dramatisch: eine Million Spezies können in den nächsten Jahren weltweit verschwinden. Wissenschaftler fordern von Gesellschaft und Politikern eindringlich, endlich zu handeln. Das weltweite Artensterben ist dramatisch, die Politik muss endlich beherzt handeln. Bitte machen Sie den Schutz der Biodiversität endlich zum Top-Thema. Schuld an der Zerstörung ist die Art, wie wir unsere Umwelt nutzen.Politiker Lauter Bremser! Handeln jetzt!
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    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      A. Keller Untergang Szenaren gab es schon oft. Jedoch Sie haben recht ein Umdenken muss nicht nur in der Politik geschehen, nein auch bei jedem einzelnen. Aussterben von Tieren gab es ja auch schon, vor Mio. J. Dino-Saurier, wo man heute Skelette findet und auch sonstige Tier Arten. Ja ich weiss, damals schlug ein Meteorit auf die Erde ein. Welche Garantie haben wir auf dieser Welt, dass dies nicht wieder einmal passieren kann? Helfen Kriege der Umwelt? Sollte nicht dort eher angesetzt werden?
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Herr Bucher u.a.: Die Bewährungsprobe haben eher wir BürgerInnen zu tragen, inwiefern wir bereit sind, Massnahmen für Umwelt- und Klimaschutz mitzutragen, ob die Mehrheit der BürgerInnen ethischen Ansprüchen im Bezug auf die Mitnatur genügt oder nicht. Denn die Schöpfung ist ein Geschenk an uns Menschen. Und Beliebigkeiten oder rein egoistische "es passt mir oder es passt mir nicht, etwas beizusteuern" sind nicht mehr am Platz. Es macht doch auch Freude, zur Mitnatur deutlich Sorge zu tragen.
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    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      U. v. K. wie definieren Sie Ihren Kommentar betreffend passen oder nicht,was meinen Sie damit.Sollen in Zukunft alle gleich denken und handeln?Wer sagt was richtig oder falsch ist in Zukunft?Ein wenig vertrauen in die Menschen sollte man vielleicht schon haben.Wer mit sich selber im reinen ist,hat es vielleicht weniger nötig andere zu belehren, oder etwa nicht.Denke das Umweltthema hat schon einiges in Bewegung gebracht, Geduld ist angesagt, von heute auf morgen kann man nicht alles umkrempeln.
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  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Die Bewährungsprobe für die Grünen kommt dann, wenn es darum geht konkrete Massnahmen einzuführen. Wollen die Wähler wirklich noch mehr Solidargemeinschaft und weniger materiellen 'Überfluss'? Sind die Bürger bereit mehr zu bezahlen für weniger? Wir werden es sehen. Die grünen fundamentalistischen Ideologen haben die Abspaltung der Grünliberalen provoziert, welche mit pragmatischeren Massnahmen etwas fürs Klima tun wollen und nicht mit roter ideologischer Umverteilung und Einschränkungen.
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    1. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      "Umverteilung" ist seit 30 Jahren keine "rote", sondern eine "bürgerliche" Domäne - nämlich von "unten" nach "oben"!!! Auch Ihre GLP-Ausführungen sind unzutreffend. Hierbei handelt sich's lediglich um einen grün angestrichenen FDP-Flügel - wobei sich das Label "grün" nach den Wahlen von selber erledigt hat.... ;-))
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    2. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Welche 'pragmatischen' Massnahmen kosten nichts und sind ohne Einschränkungen?
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