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Der Epidemiologe Marcel Salathè über den Kampf gegen das Coronavirus
Aus Tagesgespräch vom 02.07.2020.
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Zug und Tram sind nicht genug Braucht es eine generelle Maskenpflicht, Marcel Salathé?

Die Angst vor einer zweiten Welle steigt. Der Forscher, der auch den Bund berät, zur epidemiologischen Lage der Nation.

Ab Montag gilt die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Monatelang hatte der Bundesrat mit sich gerungen und die heisse Kartoffel zwischenzeitlich an die Kantone weitergegeben. Für die Wissenschaftler, die den Bundesrat in Sachen Corona beraten, war aber schon länger klar: es braucht eine Maskenpflicht.

Einer von ihnen ist der Epidemiologe Marcel Salathé. Dass die Maskenfrage erst jetzt geklärt ist, erklärt das Mitglied Covid-19-Taskforce des Bundes auch mit «gewissen Kommunikationsschwierigkeiten». Und räumt ein: «Es hatte sicher auch damit zu tun, dass es am Anfang schlichtweg nicht genug Masken gab.»

Der Bundesrat reagiert mit der Maskenpflicht auf die zuletzt gestiegenen Fallzahlen. Salathé begrüsst das Machtwort des Bundesrates. Die Lockerungen der letzten Wochen seien angezeigt und von allen Seiten erwünscht gewesen. «Es war aber zu erwarten, dass man einen Punkt erreicht, an dem das Virus sagt: ‹Bis hierhin und nicht weiter.»

Nicht jedes Aufflammen ist eine «Welle»

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Nicht jedes Aufflammen ist eine «Welle»

Erste Welle, zweite Welle? Epidemiologe Salathé ruft zu Besonnenheit im Sprachgebrauch auf: Schon die «erste Welle» sei keine richtige Welle gewesen. «Es war das Aufflammen der Epidemie, das wir relativ rasch löschen konnten.» Die neuerdings aufgetretenen Hotspots bezeichnet er als «relativ kleine Brandherde. Wir hoffen, dass wir auch diese schnell wieder unter Kontrolle bringen können.»

Allerdings: Beruhigt zurücklehnen kann man sich keineswegs. Der aktuelle Aufwärtstrend sei besorgniserregend – auch wenn man sich nicht auf die psychologisch wichtige 100er-Grenze versteifen solle. Der Bundesrat erklärte am Mittwoch, dass die Lage derzeit unter Kontrolle sei. «Ich hoffe, dass das stimmt und die Zahlen nun wieder nach unten gehen», sagt Salathé. Aber: «Sollten die Zahlen in den nächsten Tagen und Wochen weiter ansteigen, müssen wir wohl Schluss kommen, dass wir die Lage nicht mehr im Griff haben.»

Nun gelte es, eine Balance zu finden. Die gesamte Gesellschaft müsse lernen, mit dem Virus zu leben; auch Wissenschaft und Politik befänden sich in einem Lernprozess. «Niemand hat Interesse, immer wieder alles herunterzufahren.»

Mit jeder Lockerung zeige sich aber, wie weit man gehen könne, ohne den nächsten grossen Ausbruch zu provozieren. Die Maskenpflicht im ÖV hält der Professor an der ETH Lausanne für eine Etappe in diesem Lernprozess.

Wer mit dem ÖV reist, hat künftig eine Maske dabei. Also kann er oder sie diese auch gleich im Laden tragen.
Autor: Marcel SalathéEpidemiologe an der ETH Lausanne

Zuletzt dominierten Ansteckungsherde in Clubs die Schlagzeilen. Im Gedränge und Getöse scheint sich das Virus besonders wohl zu fühlen. «Jeder, der schon einmal in einem Club war, weiss, dass Abstandhalten dort nicht möglich ist», sagt Salathé dazu.

Wie hoch die Ansteckungsgefahr in der eher gesetzten Atmosphäre im ÖV ist, ist schwieriger zu beurteilen. «Wir wissen noch zu wenig darüber, ob es viele Übertragungen im ÖV gibt oder nicht», sagt der Epidemiologe. Die wissenschaftliche Evidenz, dass Masken zur Eindämmung des Virus beitragen würden, sei aber mittlerweile stark.

Frau mit Schutzmaske in Zürich
Legende: Hierzulande fühlten sich Maskenträger in den letzten Wochen zunehmend wie das letzte Einhorn. Experten hoffen, dass sich das nun ändert. Keystone

Die Vereinigung der Schweizer Kantonsärztinnen und -ärzte fordert nun sogar eine generelle Maskenpflicht. Die Taskforce des Bundes empfiehlt das Maskentragen dagegen nur. Und zwar generell dort, wo Abstandhalten nicht möglich ist – etwa beim Einkaufen.

Die Zurückhaltung der Taskforce in der Frage sei naturgegeben, erklärt Salathé. Denn sie hat nur beratende Funktion für den Bundesrat. «Wir fordern nicht, wir empfehlen.» Verpflichtende Massnahmen zu ergreifen, sei eine politische Entscheidung.

Salathé geht aber davon aus, dass sich die Maske mit der ÖV-Tragepflicht auch im öffentlichen Raum durchsetzen wird. «Wer mit dem ÖV reist, hat künftig eine Maske dabei. Also kann er oder sie diese auch gleich im Laden tragen.» Salathé hofft denn auch, dass eine generelle Maskenpflicht nicht nötig wird.

Wenig überraschend hält Salathé das Tragen einer Maske auch in Clubs für sinnvoll. «Ob sich das auch die Clubbetreiber wünschen, ist natürlich eine andere Frage.» Doch auch dies sei letztlich eine politische Frage. Die epidemiologische Antwort sei aber klar: «Es würde etwas bringen.»

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FOKUS: Maskenpflicht im ÖV – nun auch in der Schweiz
Aus 10vor10 vom 01.07.2020.
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Tagesgespräch vom 02.07.2020, 13 Uhr;

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136 Kommentare

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  • Kommentar von Arthur Pünter  (puenti)
    Der Bundesrat verkündete am Mittwoch, die Lage sei unter Kontrolle. Die gleiche Aussage hörte man schon Anfang März, der Rest ist Geschichte. Es geht jetzt darum, d. Infektionszahlen möglichst tief zu halten u. dazu sind rigorose Massnahmen, wie Einreisebeschränkungen aus Risikoländern erforderlich. Einreisende in eine 10-tägige Qarantäne zu setzen lässt sich administrativ gar nicht umsetzen, wenn schon jetzt das Contact Tracing am Anschlag ist, die "Massnahme" zeugt von unglaublichen Naivität.
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  • Kommentar von Markus Bossert  (EEE)
    Bin jetzt im IC61 (Bern-Basel) unterwegs: Ca. 80% leer.
    Ich fahre übrigens nicht wegen lustig etwas Zug oder um zu sehen, wie die Auslastung ist. Nicht dass plötzlich jemand auf falsche Gedanken kommt.
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  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Wo sind die gewählten Parlamentarier in der C-Sache? Schon in den Ferien? Man hört nur von der Exekutive & den immergleichen "Spezialisten". Hier gehört eine PUK her, nur schon, um der Exekutive zu zeigen, dass sie nicht einfach rumfummeln können wie sie grad wollen. In einer Krise muss die Exekutive handeln aber wenn es eine Krise ist, die kein Ende hat, dann wird es irgendwann Zeit, dass die Parlamentarier Kontrolle ausüben, sonst schaffen sie sich ab. Die Zeit der parl. Kontrolle ist jetzt.
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    1. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      Ganz generell sollte eingeführt werden, dass die Anwendung von Notrecht automatisch eine PUK auslöst. Nicht um den BR zu rügen, sondern um Lehren für die Zukunft zu ziehen. Notrecht wird nur extremen Ausnahmesituationen angewendet, wenn eine Situation eintrifft, für dessen Bewältigung der reguläre demokratische Weg zeitlich nicht mehr möglich ist. Also extreme Stresssituationen für die Regierung, wo auch Fehler passieren.
      Ganz geschweige davon, wenn Milliarden per Notrecht gesprochen werden.
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