Zugunglück in Tiefencastel mit halbwegs glimpflichem Ausgang

Am frühen Nachmittag ist ein Zug der RhB auf einen Erdrutsch aufgefahren, mehrere Waggons entgleisten. Elf Personen wurden dabei verletzt, fünf davon schwer.

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Erdrutsch reisst Zug der RhB aus der Spur

1:38 min, aus Tagesschau vom 13.8.2014

Die Rhätische Bahn (RhB) ist mit einem blauen Auge davon gekommen. Zwar wurden beim Zugunglück in Tiefencastel (GR) elf Personen verletzt, fünf davon schwer, dennoch hätte das Ereignis in einer Katastrophe enden können.

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Zugunglück bei Tiefencastel

Die Ereignisse des Tages können Sie im Liveticker nachlesen.

Am frühen Nachmittag fuhr der RegioExpress 1136 von St. Moritz nach Chur kurz nach Tiefencastel in einen Erdrutsch. Drei Waggons der Zugkombination wurden durch den Aufprall mit den Geröllmassen aus der Schiene katapultiert.

Stefan Engler VR-Präsident RhB

1:04 min, vom 13.8.2014

Riesiges Glück hatte die Bahnreisenden im ersten Wagen nach der Lokomotive. Dieser stürzte etwa 20 Meter vom Bahntrassee in die Tiefe und blieb im Steilhang der Schinschlucht an Bäumen hängen. Aus dem abgestürzten Wagen bargen Feuerwehrleute die Verletzten, die mit Hilfe von Helikoptern der Rega ins Spital transportiert wurden.

Bei den Verletzten handelt es sich laut der Kantonspolizei um zwei Japaner, einen Australier und acht Schweizer. Insgesamt befanden sich 140 Reisende im Zug. Der Verwaltungsratspräsident des Bahnunternehmens, Stefan Engler, spricht von «einem grossen Glück bei diesem Ereignis». Voraussehbar sei der Unfall nicht gewesen. Die RhB betreibe ein aufwendiges Risikomanagement, bei der Unglücksstelle sei bislang aber nichts Signifikantes aufgetreten. «Wer im Gebirge wohnt, der ist immer mit Naturgefahren konfrontiert.»

Erdrutsch nach intensiven Regenfällen

Die Rüfe, die nach einem intensiven Regen am Mittwochvormittag talwärts gerutscht war, hatte die Schienen zwischen zwei Tunnels auf einer Länge von 15 Metern verschüttet. Der Schutt türmte sich stellenweise bis zu drei Meter hoch auf.

Die Fahrgäste waren vom RhB-Personal durch den hinteren der beiden Tunnels in Sicherheit gebracht worden. Postautos fuhren die Bahnpassagiere anschliessend nach Tiefencastel. Danach wurden die Passagiere in Bussen weitertransportiert.

Augenzeugin Marlies Gabaglio schildert den Unfall

1:37 min, vom 13.8.2014

Viele der Reisenden standen unter Schock. «Es gab einen grossen Knall», sagte Marlies Gabaglio. «Im ersten Moment gab es kaum Informationen. Dann hiess es, wir sollten uns in den hintersten Waggon begeben. Darauf wurden wir evakuiert. Durch einen Tunnel gelangten wir zum Helikopterlandeplatz, abseits der Unfallstelle.»

Entgegen anfänglicher Befürchtungen war keiner der Wagen tief in die Schlucht hinunter gestürzt. Sanitäter betreuten Passagiere, die unter Schock standen. Drei Stunden nach dem Unfall ging die Kantonspolizei Graubünden davon aus, dass alle Passagiere geborgen waren und niemand vermisst wurde.

Wie lange die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle dauern, konnte am Abend niemand sagen. Die Bahnstrecke zwischen Thusis und Samedan bleibt bis auf weiteres unterbrochen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Glück im Unglück: Zugunfall in Graubünden

    Aus 10vor10 vom 13.8.2014

    Unmittelbar neben einer Alpenschlucht bei Tiefencastel ist ein Zug entgleist. Die Passagiere wollten von St. Moritz nach Chur reisen. Ein Wagen stürzte in den Steilhang. Elf Passagiere wurden teilweise schwer verletzt. Trotzdem ist der Unfall insgesamt glimpflich ausgegangen.

  • Nach Zugunglück: Wie gefährlich sind Erdrutsche?

    Aus 10vor10 vom 13.8.2014

    Der Ort, wo ein Erdrutsch heute den Zug der RhB aus den Schienen warf, war nicht als Risikostrecke bekannt. «10vor10» stellt die Frage, wie gut sich mögliche Gefahrenzonen überhaupt erkennen lassen und was Schweizer Bahnunternehmen unternehmen, um das Risiko zu minimieren.

  • Schweres Zugunglück bei Tiefencastel

    Aus Echo der Zeit vom 13.8.2014

    Ein Zug der Rhätischen Bahn ist am Mittag auf der Albula-Linie bei Tiefencastel auf einen Erdrutsch aufgefahren. Mindestens drei Waggons entgleisten, einer davon rutschte den Hang hinunter. Insgesamt befanden sich rund 140 Personen im Zug. Elf Personen wurden verletzt, fünf davon schwer.

    Roland Wermelinger