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Desinformation von oben Fake News und KI-Videos fluten ungarischen Wahlkampf

Was Fake News und die Verwendung manipulierter Videos anbelangt, übertrifft der Wahlkampf in Ungarn alles bisher Dagewesene.

Ein Gewitter tobt, als der ungarische Oppositionsführer Peter Magyar in einem düsteren Raum einen Anruf auf seinem knallroten Telefon entgegennimmt. Es ist EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Sie befiehlt, Geld in die Ukraine zu schicken.

Das mit KI generierte Video ist geschickt gemacht, aber als unecht zu erkennen. Verbreitet wurde es von regierungsnahen Medien und sogar von Premier Viktor Orban selbst, es erhielt Millionen Klicks.

Das KI-generierte Video auf Orbans Facebook-Kanal

Täuschend echt hingegen ist ein anderes Video mit dem Oppositionsführer. Darin verrät Magyar, wie viel Geld er aus der Ukraine erhält. Aussagen, die er nie gemacht hat und die ihm künstlich in den Mund gelegt wurden. Solche KI-generierte Videos sind zurzeit omnipräsent in Ungarn.

Szilard Teczar ist Chefredaktor der Faktencheck-Webseite «Lakmusz». Er sagt: Sogar wenn man erkenne, dass ein Video künstlich erschaffen worden sei, könne es das Unterbewusste beeinflussen – weil es realistisch wirke und Personen zeige.

Fake News im medialen Mainstream

KI-generierte Videos sind nur ein Mittel der Beeinflussung. Der öffentliche Raum ist überschwemmt mit Plakaten, die dieselbe Botschaft vermitteln: dass die Opposition von Brüssel und von der Ukraine gesteuert werde und Ungarn in den Ukraine-Krieg verwickeln wolle. Dieselbe Vorstellung erwecken die Medien, die zum grössten Teil von der Regierung kontrolliert werden.

Nachtansicht einer Strasse mit Wahlplakat an einer Säule.
Legende: Selenski, Magyar und von der Leyen: Orbans Fidesz-Partei schürt gezielt das Misstrauen gegenüber Kiew, Brüssel und der Opposition im eigenen Land. SRF / Judith Huber

Das Einzigartige an Ungarn sei, dass Fake News nicht von obskuren Webseiten verbreitet würden, sondern von den Mainstream-Medien, sogar von den staatlichen, sagt Teczar.

Der Kreml mischt mit

In Ungarn sind sogar russische Agenten vor Ort. Der Experte für Desinformation allerdings sagt, er sehe den Sinn davon nicht: Die Regierung verbreite sowieso schon Narrative, die denen der russischen Propaganda ähnlich seien. Vielleicht, so der Chefredaktor von «Lakmusz», sei die Präsenz der Russen ein Zeichen der Verzweiflung. Die Opposition hat konstant bessere Umfragewerte als die Orban-Partei.  

Die Opposition selbst verbreite zwar verzerrte Statistiken oder auch Halbwahrheiten, sagt Teczar, aber keine Fälschungen und Manipulationen. Oppositionsführer Magyar setzt auf den realen Kontakt mit der Bevölkerung.

Mann in blauer Jacke hält Rede mit Mikrofon und Papier.
Legende: Seit rund zwei Jahren tourt Magyar durchs Land, prangert die Korruption und den miserablen Zustand der öffentlichen Dienste an und beantwortet die Fragen der Menschen. Keystone / EPA / Zoltan Mathe

Erfolgreich ist Magyar auch auf Social Media. Die Regierungspartei poste zwar mehr Inhalte, stellt der Faktenchecker fest. Trotzdem habe die Opposition mehr Reaktionen.

Insbesondere die Jugend hat Orban auf Social Media völlig verloren. Aber andere Wählersegmente – ältere Menschen, Leute auf dem Land – könnten sich durch die Regierungskampagne, die stark auf Angst vor einer Bedrohung von aussen setzt, durchaus beeinflussen lassen.

Wie Orban Misstrauen und Ängste schürt

Deshalb setzt Orban nun auch auf Mittel, die eigentlich zum Repertoire der hybriden Kriegsführung gehören: Im März beschlagnahmte eine Antiterror-Einheit in Budapest einen ukrainischen Geldtransporter. Die Regierung suggerierte, mit dem Geld werde die Opposition bezahlt.

An Ostern wurde in der Nähe einer Pipeline, die von Serbien Gas nach Ungarn leitet, Sprengstoff gefunden. Premier Orban lenkte den Verdacht auf die Ukraine, obwohl der serbische Militärgeheimdienst dies ausschliesst.

Das alles verwirrt die Bevölkerung. Faktenchecker Teczar sagt, die einen hätten Angst vor der Einmischung Russlands, andere vor einer Einmischung durch Brüssel und Kiew. So sei ein normaler demokratischer Dialog sehr schwierig.

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Rendez-vous, 07.04.2026, 12:30 Uhr; wyss

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