In einem Live-Q&A hat der SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck Ihre Fragen zur sicherheitspolitischen Lage beantwortet. Die wichtigsten Erkenntnisse.
Wie stark ist die Bedrohung durch Russland?
Der Einfluss Russlands auf die aktuelle Sicherheit beschäftigt die Community stark. Besonders oft wurde gefragt, ob der Kreml die Nato noch als grosse Gefahr sehe. «Die Stärke der Nato beruht auf dem Glauben, dass sich die 32 Nato-Staaten im Krieg gegenseitig helfen werden», sagt SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck.
Generell gelte: «Die Nato ist in einem schlechten Zustand. Es ist unklar, ob sich die Nato-Staaten in einem Krieg wirklich gegenseitig unterstützen werden.» Und: «Das merkt – und freut – natürlich auch Putin.»
«Russland könnte versuchen, das zu ‹testen›. Zum Beispiel mit einer kleinen Aktion Litauen angreifen, um herauszufinden, ob und wie gut die Nato funktioniert.»
Können die USA einfach so aus der Nato austreten?
Weiter zeigt sich die SRF-Community besorgt, dass die USA nach den neuesten Drohungen von US-Präsident Trump tatsächlich aus der Nato austreten könnten. Tatsächlich drohe Trump in diesen Tagen so deutlich wie noch nie mit einem Austritt aus der Nato. «Aber Trump drohte schon mit vielem, oft kam dann alles ganz anders – am Ende kann man also nur abwarten.»
Zudem sei für die USA ein Austritt auch innenpolitisch schwierig, sagt Ramspeck. «Im US-Recht steht inzwischen ausdrücklich, dass der Präsident der USA nicht einseitig aus der Nato austreten darf.» Nach aktuellem US-Gesetz brauchte er die Zustimmung von zwei Dritteln des Senats oder des gesamten Kongresses.
Wie beeinflusst der Krieg im Nahen Osten die Schweiz?
Seit Ausbruch des Iran-Kriegs reagieren die Energiemärkte nervös. Der Ölpreis ist gestiegen. Auch in der Schweiz. Wie weit kann das noch eskalieren?
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«Wenn der Ölpreis hoch bleibt oder noch höher wird, droht eine sehr schwere weltweite Rezession, die natürlich auch die Schweiz treffen würde.» Die Situation werde vor allem durch die Strasse von Hormus beeinflusst. Ob diese militärisch geöffnet werden kann, sei unklar. «Weder die Golfstaaten noch die Europäer wollen und können die Strasse von Hormus allein öffnen», sagt Ramspeck.
Eine Chance hätten eventuell die USA zusammen mit Israel. Dafür müssten sie jedoch alle ihre Mittel einsetzen. «Aber dann blieben vermutlich zu wenige Mittel für andere Kriegsziele. Ausserdem bleibt ein Restrisiko durch iranische Raketen, das kaum zu eliminieren ist.» Und: «Ein solcher Einsatz könnte sehr blutig werden, das heisst, viele Amerikaner und Israelis könnten sterben.»
Wie steht es generell um die Sicherheit der Schweiz?
Fern von Kriegen: Die Schweiz sei kein Mitglied eines Militärbündnisses. Als neutrales Land gäbe es hier eine autonome beziehungsweise eigenständige Verteidigung. «Ich rechne jedoch nicht damit, dass es in den nächsten zwei Jahren in der Schweiz oder in einem Nachbarland einen konventionellen Bodenkrieg geben wird», sagt Ramspeck.
Dennoch: Die Schweiz sehe sich mit einer «beispiellosen Bedrohungsdichte» konfrontiert, wie der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) sagt. Weiter warnt der NDB, dass Russland kritische Infrastrukturen in der Schweiz sabotieren kann, die auch auf europäischer Ebene sehr wichtig sind.
Auch Ramspeck geht davon aus, dass Russland ein grosses Interesse an solchen Sabotageakten hat: «Europa und damit auch die Schweiz zu verunsichern. Meinungen sollen manipuliert werden, um Europa zu schwächen.»