Nato-Generalsekretär Mark Rutte kann offenbar nicht anders: Er muss US-Präsident Donald Trump loben. Vorige Woche tat er das einmal mehr bei der Vorstellung des Jahresberichts des Militärbündnisses: «Ohne den US-Präsidenten hätten die europäischen Nato-Staaten ihre Verteidigungsausgaben niemals derart hochgefahren.»
Rutte hat Trump auch schon als Daddy bezeichnet, als zwar fordernden, aber im Grunde gutmütigen Anführer der Nato. Die «Daddy-Strategie» soll die USA wenigstens halbwegs an Bord der westlichen Allianz halten. Das gelang dem Niederländer Rutte – bisher.
Trump sieht Nato als «Papiertiger»
Doch im Iran-Krieg ist das ein fast aussichtsloses Unterfangen. Trumps Feindseligkeit gegenüber der Nato, die er «einen Papiertiger» nennt, ist zur Obsession geworden. Kaum ein Tag vergeht, an dem er das Bündnis nicht verunglimpft: «Die USA helfen der Nato, doch die Nato hilft den USA nicht.»
Dass Afghanistan und der Kampf gegen al-Qaida und die Taliban das einzige Mal war, dass auf Wunsch Washingtons der Bündnisfall ausgerufen wurde und die Europäer den Amerikanern beistanden, ignoriert Trump. Hingegen ist er empört, dass sich die übrigen 31 Nato-Mitglieder nun nicht direkt am amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran beteiligen.
Trump ist rachsüchtig und wird ihnen das nicht verzeihen. Es zeichnet sich gar ab, dass die USA von den Europäern bezahlte und für die Ukraine bestimmte US-Rüstungsgüter abzweigen für ihren Iran-Krieg. Und so das Überleben der Ukraine noch weiter gefährden.
Rutte: «Trump macht Welt sicherer»
Dennoch will der Nato-Generalsekretär mit immer tieferen Bücklingen retten, was vielleicht nicht mehr zu retten ist. Sein erster Bückling: «Was Trump im Iran tut, ist unverzichtbar und macht die Welt sicherer», sagte er im US-Sender CBS. Der zweite Bückling: «Trump hat die Alliierten vorgängig weder informieren noch konsultieren können, ohne die Operation zu gefährden.»
Und sein dritter Bückling: «Ich verstehe Trumps Frustration über die Zögerlichkeit der übrigen Nato-Mitglieder.» Aber nun seien, so behauptet er, ja die allermeisten Nato-Länder grundsätzlich bereit, die Strasse von Hormus wieder für den Schiffsverkehr passierbar zu machen.
Doch da verspricht Rutte zu viel. Die meisten Allianzmitglieder distanzieren sich nämlich deutlich von den Militärschlägen der USA und Israels und erachten sie als völkerrechtswidrig. Einzig zur Minenräumung in der Strasse von Hormus und zu deren Absicherung wären die Europäer bereit, und zwar erst nach einem Waffenstillstand.
Unmut bei europäischen Staaten wächst
Der Unmut über Rutte wächst, besonders in Spanien, in Frankreich, aber auch in Deutschland. Zumal Rutte Trump zwar unermüdlich, aber zunehmend erfolgslos, Honig um den Bart schmiert. Der schleckt den Honig weg, gebärdet sich aber gleichwohl nicht satt und friedlich. Die Wutanfälle gegen die Nato häufen sich. Was die Glaubwürdigkeit des Bündnisses zutiefst erschüttert.
Die Europäer wissen zwar: Ohne die USA funktioniert die Nato nicht. Aber mit den USA eben auch nicht mehr wirklich.