Ende Mai sind wieder einmal Weltstars zu Gast in Zürich: Metallica spielen im Letzigrund-Stadion, ganz im Gegensatz zu anderen internationalen Top Acts. Denn immer mehr Musikgrössen machen auf ihren Tourneen einen Bogen um die Schweiz, berichtet die «NZZ».
Für SRF-Musikredaktor Luca Bruno ist das Problem vielschichtig. Dass es in der Schweiz zu wenig grosse Stadien und Hallen gebe, sei ein Grund. Dazu kämen behördliche Anforderungen, die sich nicht immer mit den Ansprüchen der Konzertveranstalter deckten. «Aber auch das Fanverhalten hat sich verändert», sagt Bruno. «Musikfans sind heutzutage eher bereit, für ein Konzert auch einen Städtetrip ins Ausland zu machen.»
Residency-Modell kommt auf
Auf der Seite der Künstlerinnen und Künstler ist in den vergangenen Jahren offensichtlich das sogenannte Residency-Modell in Mode gekommen: Anstatt in verschiedenen Städten treten grosse Stars lieber mehrmals hintereinander in der gleichen Location auf. Zum Beispiel Adele, die zehnmal in München gespielt hat, Harry Styles mit zehn Konzerten in Amsterdam oder Celine Dion, die 16 Mal hintereinander in Paris spielen möchte.
Die Stars führen vor allem logistische oder ökologische Gründe an. Luca Bruno ist skeptisch: «Expertinnen und Experten sind mittlerweile zum Schluss gekommen, dass dieses neue Modell keineswegs ökologisch nachhaltiger ist als eine traditionelle Tour.»
Trend verschlafen?
Im Bericht der «NZZ» kritisiert der langjährige Konzertveranstalter André Béchir, die Schweiz habe den Trend verschlafen. Die Infrastruktur habe sich kaum verändert in den letzten Jahrzehnten. «Das stimmt nur bedingt», sagt Musikredaktor Luca Bruno. Mittlerweile stünden in allen grösseren Schweizer Städten moderne Stadien und Hallen. «Das spielt aber gar nicht so eine Rolle, denn grosse Stars zielen bei einem kleinen Markt wie der Schweiz automatisch auf die Metropolen.» Und so kommen eigentlich nur Zürich, Genf, Bern oder Basel infrage.
Grosse Konzerte sind auch ein Wirtschaftsfaktor. Die Besucherinnen und Besucher der beiden Taylor-Swift-Konzerte vom Juli 2024 in Zürich zum Beispiel haben laut einer Studie der Hochschule für Wirtschaft Zürich rund 93 Millionen Franken ausgegeben.
Die Veranstaltungsbranche wolle aktuell genau diesen Wert aufzeigen, sagt Musikredaktor Luca Bruno, und damit in Zusammenarbeit auch mit den Behörden bessere Rahmenbedingungen für den Konzertstandort Schweiz entwickeln. Zudem hoffte man auf einen Ausbau des Hallenstadions in Zürich – nach wie vor die wichtigste Konzertlocation der Deutschschweiz.