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20 Jahre Swisscom-Aktie Gut für den Bund – für die Konsumenten weniger

Vor 20 Jahren ging die Swisscom an die Börse. Noch immer dominiert der blaue Riese den hiesigen Telekommarkt.

Legende: Audio Positive Bilanz der Swisscom-Teilprivatisierung abspielen. Laufzeit 04:45 Minuten.
04:45 min, aus Rendez-vous vom 05.10.2018.

In zahlreichen Ländern der Welt begannen Regierungen Ende der 1990er-Jahre damit, ihre Märkte zu öffnen und Staatsunternehmen zum Teil vollständig zu privatisieren – so auch die Schweiz.

Doch hierzulande wäre eine komplette Privatisierung der PTT Telecom, wie die Swisscom vor dem Börsengang hiess, nicht mehrheitsfähig gewesen. Bei einer Vollprivatisierung wäre die Swisscom viel stärker reguliert worden, wie der langjährige Swisscom-Beobachter und Netzwerk-Ökonom Matthias Finger sagt. «Das wäre schlecht fürs Business gewesen.»

Vor 20 Jahren teilprivatisiert

Vor 20 Jahren teilprivatisiert

Am 5. Oktober 1998 verkaufte der Bund eine Minderheit der Swisscom-Aktien an private Investoren – bis heute ist die Eidgenossenschaft aber Hauptaktionär am grössten Telekom-Unternehmen der Schweiz. Die Swisscom wurde als Anbieter für Mobil- und Festnetz-Telefonie und als Unternehmen mit Monopolstellung teilprivatisiert.

Millionen für die Bundeskasse

Der Bund hatte als Mehrheitsaktionär kein Interesse an einem zu engen Korsett für die Swisscom. Denn so hätte er deren künftige Entwicklung unter Umständen gehemmt. In der Folge profitierte die Eidgenossenschaft Jahr für Jahr von Dividenden in Millionenhöhe. Die Teilprivatisierung sorgte für die im Telekommarkt nötige Agilität der Swisscom.

Allerdings sorge das Zwitter-Gebilde einer börsendotierten Firma in Mehrheitsbesitz des Bundes für eine Verzerrung des Marktes, so ETH-Lausanne-Professor Finger. Seiner Ansicht nach hätte eine komplette Privatisierung durchaus Vorteile. So hätte man einen «saubereren» Markt, den man besser regulieren könnte. Dies hätte laut Finger auch für die Konsumenten Vorteile – sprich tendeziell tiefere Preise. «Doch ob es für die Swisscom ebenfalls besser wäre, ist eine andere Frage», so Finger.

Eine Hand bedient ein elektronisches Telefonbuch.
Legende: Im Jahr der Swisscom-Teilprivatisierung wurde in Telefonkabinen das elektronische Telefonbuch eingeführt. Beides ist heute – im Zeitalter von Handy und mobilem Internet – Geschichte. Keystone Archiv

Gut positioniert in einem schwierigen Umfeld

Blickt man zurück, stellt man fest, dass es für die Swisscom in den letzten Jahren trotz rückläufigem Telefoniegeschäft äusserst gut lief. So hat sich der einstige Staatsbetrieb neue Geschäfte aufgebaut. Dazu gehört etwa das zeitversetzte Fernsehen oder Cloud-basierte Speicherlösungen. Allerdings war der Jahresumsatz vor 20 Jahren mit 10,5 Milliarden Franken nur wenig tiefer als heute. Und der damalige Betriebsgewinn war mit 2,9 Milliarden Franken sogar höher als heute.

Die Gründe dafür liegen im stark umkämpften Schweizer Telekommarkt. Die Möglichkeiten für eine Geschäftsausdehnung seien eher beschränkt, stellt Finger fest. Zwar könne man versuchen, ins Ausland zu expandieren. Doch das sei risikobehaftet und von der Politik nicht wirklich gewünscht. Oder man könne diversifizieren. «Doch dann tritt man immer anderen auf die Füsse.»

Vollprivatisierung hat wenig Chancen

Die Bilanz 20 Jahre nach dem Börsengang sei aus Sicht der Swisscom, des Bundes und der Aktionäre durchaus ein Erfolg, so der Netzwerk-Ökonom weiter.

Doch in der Politik sehen das nicht alle so. Immer wieder kommt das Thema einer vollständigen Swisscom-Privatisierung aufs Tapet. Allerdings sind die Meinungen dazu heute kritischer als noch vor 20 Jahren. Damals war eine regelrechte Privatisierungswelle im Gang.

Was ist mit Postfinance?

Was ist mit Postfinance?

Der Bund möchte bei der kränkelnden Postfinance ähnlich vorgehen wie damals bei der Swisscom: Eine Privatisierung der Post-Tochter würde es ihr erlauben, Kredite und Hypotheken zu vergeben und so trotz tiefer Zinsen weiterhin Gewinne zu schreiben. Doch ein Vergleich mit dem Vorgehen bei der Swisscom 1998 ist schwierig: Zum einen hat die Skepsis gegenüber Privatisierungen zugenommen, politisch hat eine solche derzeit keine Chance. Dazu kommt, dass die Ausgangslage der beiden Unternehmen sehr unterschiedlich ist: Die Swisscom wurde als Monopolbetrieb privatisiert, das Wachstumspotenzial war gross. Dieses ist bei der Postfinance viel kleiner, denn die Schweiz hat bereits jetzt einen gesättigten Bankenmarkt. Ob sich die Postfinance in dieser Situation lukrativ positionieren kann, ist fraglich. Damit ist auch unklar, wie interessant die Postfinance unter diesen Umständen für Investoren ist.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Norbert Schnidrig (3646)
    Als die grossen Dienstleistungsbetriebe wie PTT, Swisscom usw. auf den Markt geworfen wurden, gehts nur noch bergab. Die geldgierigen Kaderleute, darunter öffentliche Politiker in Funktionen der grossen Sanierungsrolle, verstecken sich hinter Holdings. Dienstleistungen? Das war einmal. ZB. Moritz Leuenberger, um nur einen zu nennen: pochte als BR für mehr Lohn, verhinderte aber diesbezüglich in Wahrheit jede Aktion. Und als er als BR abtretet, wurden seine Machenschaften aufgedeckt.
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  • Kommentar von Paul Schoenenberger (Beaumont)
    Eine sehr gute Alternative ist green.ch
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Fuer die Konsumenten ist die Telekomprivatisierung ein Vollflopp. Kompabilitaet von Neuerungen und Betriebssicherheit ade. Samt Kundendienst bei - heufigen - Stoerungen. Die Konsumentenpreise in freier Explosion mit immer neuen und teureren Abos. Der einzige Oepgraid mit Mehrwert ist die Zeitversetzung des TV-Empfanges (aber viel zu kurz oder zu teuer). Die auch von privaten Aktionaeren eingesackte Monopolrente wird dem Konsumenten abgezockt. "Aufsichts"behoerden futieren sich um Konsumenten....
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