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Airbus steht vor der grössten Schrumpfkur seiner Geschichte
Aus HeuteMorgen vom 01.07.2020.
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Abbau von 15'000 Jobs Airbus-Schock ist nur ein Glied in einer langen Kette

Der harte Kampf um die Gunst der Flugpassagiere hat die Ticketpreise in den letzten Jahren purzeln lassen. Die Margen sind tief, die finanziellen Reserven knapp, nur wer wächst und die Kosten tief hält, kann überleben. Corona hat dieses Geschäftsmodell auf einen Schlag in Frage gestellt.

Zwar haben die Regierungen weltweit in Windeseile reagiert. Milliardenschwere Rettungsprogramme wurden aufgelegt, Kurzarbeit auf bis zu zwei Jahre ausgedehnt. Das hält die Branche am Leben – vorerst.

Hilfsprogramme bringen Passagiere nicht zurück

Doch all diese Milliarden bringen die Menschen nicht dazu, wieder mehr zu fliegen. Lufthansa, Swiss, British Airways, Air France, Ryanair, Easyjet – die Liste der Fluggesellschaften, die einen Stellenabbau angekündigt haben oder bei denen er sich abzeichnet, liesse sich beliebig verlängern.

Nun schlägt sich die Krise auch bei den Flugzeugherstellern nieder. Sie sind nach den Reisebüros und Hotels das nächste Glied in dieser Kette von Redimensionierungen und Stellenstreichungen. 15'000 Jobs will der französisch-deutsche Hersteller Airbus abbauen. Bereits jetzt hat Airbus die Produktion um 40 Prozent gedrosselt. Wenn weniger geflogen wird, braucht es auch weniger Flugzeuge. Mit dem gleichen Problem kämpft der US-Konkurrent Boeing. Schon im April kündigte er den Abbau von zehn Prozent der weltweit 160'000 Stellen an.

Krise zieht immer weitere Kreise

Die Krise macht auch vor den Zulieferern nicht Halt. Der britische Triebwerksbauer Rolls-Royce plant, mindestens 9000 Stellen abzubauen. Auch hier gilt: Die Liste der Zulieferer, die einen Stellenabbau angekündigt haben oder bei denen er sich abzeichnet, liesse sich beliebig verlängern.

Noch ist unklar, ob wir es mit einer heftigen, aber einmaligen Krise in der Flugindustrie zu tun haben, oder ob die Branche am Anfang eines tiefergreifenden Strukturwandels steht. Der deutsche Verband der Luft- und Raumfahrtindustrie BDLI rechnet damit, dass das Flugaufkommen erst 2023 wieder auf Vorkrisenniveau angelangt sein wird.

Unsichere Entwicklung bei Business-Kunden

Doch vielleicht ist selbst diese Prognose Wunschdenken der Branche. Denn neben dem zunehmenden Klimabewusstsein haben während des Lockdowns viele Unternehmen realisiert, dass ein Grossteil der internationalen Meetings problemlos via Videokonferenz funktioniert.

Es ist davon auszugehen, dass diese Praxis auch in der Post-Corona-Ära beibehalten wird, auch aus Kostengründen. Das würde die Flugindustrie erneut hart treffen. Am Flughafen Frankfurt etwa machten Geschäftsreisende 2019 mehr als ein Drittel des Passagiervolumens aus.

Lorenzo Bonati

Lorenzo Bonati

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Lorenzo Bonati ist Wirtschaftsredaktor SRF, mit den Spezialgebieten Arbeitsmarkt, Werkplatz Schweiz und Konsum. Zuvor arbeitete er bei der Nachrichtenagentur SDA und bei SRF 4 News. Er studierte Soziologie, Zeitgeschichte und Politikwissenschaft an der Uni Fribourg.

SRF 4 News, 1.7.2020, 8 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Es trifft leider nicht nur die Flugzeugindustrie. Wer weiterdenkt sieht die gesamte bisherige Tourismusindustrie am Abgrund. Und damit all die in der zweiten und dritten Reihe angschlossenen Zulieferer.
    Einen lock down ist schnell verhängt. Aber faktische Welt-Ausgangssperre und Glaobalisierungsstopp hat ungahnte Auswirkungen auf olkswirtschaften die nicht daraf ausgelegt sind autark zu funktionieren und auf unumgängliches Wachstum getrimmt sind.
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  • Kommentar von Thomas Trefzer  (ttre)
    Airbus hätte sicherlich das Know-how einen konkurrenzfähigen Kampfflieger in Zusammenarbeit mit Frankreich, Schweden und der EU als Gegenpool zu der amerikanischen Dominanz kurzfristig (innerhalb von 5-10 Jahren) auf den Markt zu bringen. Dann wäre auch eine europäische Luftverteidigung sinnvoll. Vielleicht würde ich dann ein JA für die Beschaffung von Kampffliegern in der Schweiz einlegen.... Aber nur dann. ;-)
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Das sinnlose und billig in der Welt herum fliegen muss unbedingt abgestellt werden!
    Es soll nur noch fliegen wer aus Berufs oder Familiengründen muss und es auch vermag einen angemessen Ticket Preis zu bezahlen!
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    1. Antwort von Hans Marti  (Fioler)
      Bin ich mit Ihnen einverstanden. Leider will das scheinbar niemand.
      Es wäre so einfach, wenn die Politiker wollten..

      Kerosin besteuern, wie Benzin und Diesel.

      Pakete aus China sollten Porto bezahlen wie wir.

      Es kann ja nicht sein, dass ein Paket von China zu uns weniger als ein Dollar kostet und wir bezahlen für ein Paket von Zürich nach Luzern 14.- Franken .
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    2. Antwort von Patrice Gfeller  (Lex_zh)
      Also, Fliegen nur für Gutbetuchte? Schöne neue Alte Welt. Und was machen wir, falls CO2-neutraler Treibstoff verwendet wird? Wäre es nicht intelligenter auf solche Treibstoffe/Antriebsformen zu pochen, statt neidisch die Tätigkeit selbst zu verbieten?
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