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Economiesuisse verliert drei Mitglieder
Aus Rendez-vous vom 18.09.2020.
abspielen. Laufzeit 02:57 Minuten.
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Abgänge Economiesuisse verliert Autos, Erdöl und Swiss Retail

Knappere Mittel und andere politische Ansichten: Der grösste Wirtschaftsdachverband nimmt drei grosse Abgänge gelassen.

Der grösste Dachverband der Wirtschaft verliert Ende Jahr drei Mitglieder. Avenergy, die ehemalige Erdölvereinigung, Auto-Schweiz, der Verband der Autoimporteure und der Detailhandelsverband Swiss Retail haben Economiesuisse schon im Frühsommer wissen lassen, dass sie 2021 austreten wollen.

Grundsätzlich sind Ein- und Austritte aus Verbänden nichts Ungewöhnliches. Und zahlenmässig fallen die drei Austritte bei Economiesuisse auch nicht ins Gewicht. Economiesuisse zählt 20 Handelskammern und 100 Verbände als Mitglieder, welche zwei Millionen Menschen Arbeit bieten.

Economiesuisse zählt 20 Handelskammern und 100 Verbände als Mitglieder, welche die Interessen von zwei Millionen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen vertreten

Interessenkonflikte

Aber die Austritte der drei Branchenverbände sind eben auch ein Signal. Es zeigt, dass es für Economiesuisse nicht einfacher wird, die teils weit auseinanderliegenden Interessen der Mitglieder unter einen Hut zu bringen.

Da ist etwa Auto-Schweiz, der Verband von rund 30 Importeuren von Autos und Lastwagen. Man habe die Mitgliedschaft bei Economiesuisse schon länger zur Debatte gestellt – und sich mit Economiesuisse darüber auch ausgetauscht, sagt Direktor Andreas Burgener: «Wir fühlen uns nicht mehr ganz so getragen wie vielleicht die Finanz- und Pharmaindustrie, welche Economiesuisse sicher hervorragend vertritt.»

Wir fühlen uns nicht mehr ganz so getragen wie vielleicht die Finanz- und Pharmaindustrie.
Autor: Andrea BurgenerDirektor AutoSchweiz

Wunder Punkt: Klimapolitik

Den unmittelbaren Auslöser für den Austritt sei aber die Klimapolitik, gibt Burgener zu. Economiesuisse befürwortet eine C02-Abgabe auf Benzin und Diesel. Das könnten die Autoimporteure nicht mittragen, sagt Burgener.

Bei der Erdölvereinigung Avenergy sei nicht die Diskussion um das CO2-Gesetz der Grund für den Austritt, sondern man sei der Ansicht, dass der Gewerbeverband die Interessen der Mineralölwirtschaft besser vertreten könne als Economiesuisse, schreibt Avenergy auf Anfrage.

Mittel anderswo einsetzen

Auch Burgener von Auto-Schweiz lobt den Gewerbeverband: «Da fühlen wir uns im Gewerbe besser aufgehoben als bei Economiesuisse.» Allerdings spiele auch Geld eine Rolle für den Austritt: Die Corona-Pandemie mit dem Lockdown setze der Autobranche zu.

Auto-Schweiz-Direktor Andreas Burgener:
Legende: Auto-Schweiz-Direktor Andreas Burgener: «Economiesuisse ist in unserem Budget ein sehr relevanter Posten.» Keystone

Bis Ende Jahre rechnet Auto-Schweiz mit 20 Prozent weniger Immatrikulationen von Neuwagen. Das treffe die Importeure finanziell massiv, sagt Burgener: «Schlussendlich müssen wir schauen, wo wir welches Geld einsetzen. Die wirtschaftliche Lage ist jetzt etwas schwieriger, und wir haben da zu kämpfen. Economiesuisse ist in unserem Budget ein sehr relevanter Posten.» Wie relevant, will Burgener nicht sagen.

Die wirtschaftliche Lage ist jetzt etwas schwieriger, und wir haben da zu kämpfen.
Autor: Andreas BurgenerDirektor Auto-Schweiz

Economiesuisse bleibt zuversichtlich

Swiss Retail, die Lidl, Aldi, Ikea und andere kleine Detailhändler vertritt – nicht aber Migros und Coop – spricht ebenfalls von Kosten sparen: Man wolle die knappen Mittel in Zukunft direkter für die eigenen Interessen einsetzen.

Bei Economiesuisse gibt man sich gelassen. Spannungen bei Economiesuisse gibt es immer mal wieder. Gerade rund um Abstimmungen geraten einzelne Economiesuisse-Mitglieder gerne aneinander. Und ebenfalls regelmässig drohen Verbände mit dem Austritt – auch wenn sie dann doch bleiben.

Für Economiesuisse wird es erst dann brenzlig, wenn weitere Verbände Nutzen und Kosten der Mitgliedschaft bei Economiesuisse zu hinterfragen beginnen und es zu einem grösseren Exodus kommen könnte. Anzeichen dafür gibt es momentan keine.

Rendez-vous, 18.09.2020, 12:30 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Fritschi  (ChrisF)
    Die Frage ist nur, ob sie wirklich alle Unternehmen vertretrn..
    Oder halt nur die Grossen, siehe Konzernverantwortungsinitiative!
    1. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Sie vertritt die Interessen ihrer Geldgeber. Wer oder was denn sonst?
  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Zitat: "Economiesuisse zählt 20 Handelskammern und 100 Verbände als Mitglieder, welche die Interessen von zwei Millionen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen vertreten."

    War das ein Witz? Die Economiesuisse ist primär ein Dachverband / eine Lobbyvereinigung der SCHWEIZER WIRTSCHAFT! Man muss sich nur Ihre Abstimmungsparolen der Vergangenheit zu Gemüte führen und man erkennt, dass es für ARBEITNEHMER gewiss bessere Interessenvertretungen gibt als die Economiesuisse...
    1. Antwort von Hans Marti  (Fioler)
      Herr Stalder, ganz Ihrer Meinung.

      Total daneben diese Reportage........
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Immer mit der Ruhe, das ist nur ein freudscher Verschreiber. Es hätte Arbeitgeber heissen sollen, zusammen mit entsprechend korrigierten Zahlen.
    3. Antwort von SRF News editor
      Economiesuisse vertritt nach eigenen Angaben rund 100'000 Unternehmen, die etwa zwei Millionen Menschen Arbeit bieten.
    4. Antwort von Manuel Roth  (MRoth)
      @SRF
      Dass Economiesuisse 100'000 UNTERNEHMEN vertritt, muss nicht heissen, dass es die Interessen der 2M MITTARBEITER dieser Unternehmen ebenfalls vertritt.

      Ich empfinde den Ersten der beiden fast gleichen Sätze besser, da dort nicht davon gesprochen wird, dass die Mittarbeiter vertreten werden.