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Coronakrise: Viele Stiftungen überprüfen ihren Zweck
Aus HeuteMorgen vom 22.09.2020.
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Auswirkung der Coronakrise Stiftungen möchten in der Coronakrise helfen, dürfen aber nicht

Die Coronakrise stellt viele der rund 13'000 Schweizer Stiftungen vor knifflige Fragen nach Sinn und Zweck.

Der Zweck einer Stiftung muss klar definiert sein. Das schreibt das Gesetz vor. Und wenn der Zweck einer Stiftung einmal bestimmt ist, lässt er sich nicht mehr einfach so ändern – schon gar nicht kurzfristig.

Dessen ist sich zum Beispiel die Direktorin der «Novo Nordisk Hämophilie Stiftung» in Zürich, bewusst. Ihre Stiftung unterstützt mit gut 1.5 Millionen Franken jährlich Bluterinnen und Bluter in Entwicklungs- und Schwellenländern – also Menschen, deren Blutgerinnung gestört ist.

Diese Menschen litten wegen der Krise plötzlich Hunger, erzählt Denise Brændgård: «Wir haben uns gedacht, das geht irgendwie zu weit.» Man könne die Betroffenen jetzt nicht noch zusätzlich mit Essen unterstützen.

Genaue Überprüfung des Stiftungszwecks

Als Mutter von zwei kleinen Kindern hätten ihr die Meldungen dann aber doch keine Ruhe gelassen. «Als ich von den Partnern mehrere solche Nachrichten erhielt, hatte ich eine schlaflose Nacht, weil ich an all diese Kinder und Eltern denken musste, die bald nichts mehr zu Essen kriegen», so Brændgård.

Ich hatte eine schlaflose Nacht, weil ich an all diese Kinder und Eltern gedacht habe, die bald nichts mehr zu Essen kriegen.
Autor: Denise BrændgårdNovo Nordisk Hämophilie Stiftung

Deshalb hat sie dem Stiftungsrat beantragt, in dieser ausserordentlichen Lage etwas Ausserordentliches zu tun und den Menschen vor Ort nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch Nahrungsmittel zukommen zu lassen.

Dazu habe Sie den Stiftungszweck nochmals genau geprüft: «Wir sind zum Schluss gekommen: Doch, das stimmt überein. Wir haben ja nicht andere Leute unterstützt.» Denn primär sei die Unterstützung an Menschen gebunden, die von Hämophilie betroffen sind oder in diesem Bereich arbeiten.

Keine finanziellen Probleme

Natürlich habe die kreative Interpretation des eigenen Zwecks Grenzen, sagt Lukas von Orelli, der Präsident des Verbands Swissfoundations: «Die Stiftung, die im Zweck hat, ein Jugendorchester zu fördern, kann nicht plötzlich einen Corona-Impfstoff finanzieren. Das geht vom Zweck her nicht.»

Allerdings hätten die allermeisten Stiftungen – wie die Novo Nordisk Hämophilie Stiftung – Lösungen gefunden, wie sie in ihrem Bereich auf die Krise reagieren könnten.

Die Stiftung, die im Zweck hat, ein Jugendorchester zu fördern, kann nicht plötzlich einen Corona-Impfstoff finanzieren.
Autor: Lukas von OrelliSwissfoundations

Überraschend wenig Sorgen macht den meisten Stiftungen ihre finanzielle Lage. Die Schweizer Förderstiftungen verwalten rund 100 Milliarden Franken – die Töpfe bleiben wohl vorläufig gut gefüllt. Lukas von Orelli befürchtet aber, dass wegen der Coronakrise bald viel mehr Unterstützungsbedürftige an Stiftungen gelangen.

Heute Morgen, 22.9.2020, 6:00 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Max Blatter  (maxblatter)
    Wieder einmal die ärgerliche Diskrepanz zwischen der reißerisch aufgemachten Schlagzeile (mit dem Unterton: Um Himmels willen, ein schreckliches, existenzbedrohendes Problem) und dem objektiv verfassten Artikel ("... Lösungen gefunden ...", "... wenig Sorgen ...")

    Wann kommt der Journalismus endlich von dieser Boulevard-Zeitungs-Manier weg? Eine Schlagzeile soll in knappster Formulierung den (wahren!) Inhalt des Artikels widerspiegeln. Ansprechend, ja, aber nicht reißerisch.
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  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    100 Milliarden! Der Wiederaufbau von Beirut kostet schäzungsweise 4.6 Milliarden. Die sollen doch mal erst diese Stadt aufbauen. Schweiz baut Beirut, das wär mal was.
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    1. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      guten Tag, Frau Esslinger, was meinen Sie damit? es geht um Stiftungen nicht um Hilfswerke oder gar das DEZA, nicht um eine "Grösse", die Geld verteilt, sondern eine Sammlung von ganz verschiedenen Stiftungen mit je eigenem Ziel. Selber bin ich z.B. an einer Stiftung beteiligt, die in Indien ein spezielles Bildungsprogramm "betreibt". In Corona-Zeit möchten Menschen dort jetzt aber Brot statt Bildung weitergeben: also Stiftungszweck anpassen. Und sich dann mit den Hilfswerken absprechen.
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    2. Antwort von Max Blatter  (maxblatter)
      Sie haben den Inhalt des Artikels nicht verstanden; wahrscheinlich weil Sie ihn gar nicht gelesen haben. Ja, "weiterdenken", aber dazu muss man erst mal das aufnehmen, worüber man "weiterdenken" will.
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