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Bahn als «Sanierungsfall» Tiefrote Zahlen bei der SBB, doch Chef sagt «nicht dramatisch»

Ein riesiger Schuldenberg von bald über sechs Milliarden Franken lastet auf dem staatlichen Eisenbahnunternehmen. Der Bund muss immer mehr Geld einschiessen, damit der laufende Betrieb finanziert werden kann.

Für SBB-Chef Vincent Ducrot ist die Situation «sehr schwierig», aber angesichts der Grösse der SBB «nicht dramatisch», wie er in der Sendung «Samstagsrundschau» von Radio SRF sagte. Die Pandemie treffe die SBB sehr hart, er sei klar nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Die Schulden seien hoch, aber die SBB werde sie zurückzahlen können.

Audio
SBB-Chef Vincent Ducrot und die tiefroten Zahlen
30:10 min, aus Samstagsrundschau vom 25.09.2021.
abspielen. Laufzeit 30:10 Minuten.

Wer den Geschäftsbericht der SBB für das letzte Jahr betrachtet, sieht vor allem ein Minus-Zeichen. Vor ein paar Tagen meldete die SBB einen Verlust von fast 390 Millionen Franken im ersten halben Jahr 2021, noch mehr als im Shutdown-Halbjahr. Für den Aargauer Transportunternehmer Benjamin Giezendanner ist der Fall klar: «Wenn das zweite Halbjahresergebnis nochmals in die gleiche Richtung geht und es keine massive Verbesserung gibt, dann ist die SBB ein Sanierungsfall.»

Pendlerströme fehlen

Die SBB hat kein Geld mehr flüssig, deshalb hat der Bund ihr die Limite für kurzfristige Darlehen erhöht, um die aktuelle Finanzierungslücke zu füllen. Ende Jahr wird die SBB auf einem Schuldenberg von über sechs Milliarden Franken sitzen. Eine dramatische Situation, sagt SVP-Nationalrat Giezendanner, eine schnelle Besserung sei nicht in Sicht, die grossen Pendlerströme fehlen.

Ich könnte da aber nicht mehr schlafen, wenn ich einen solchen Schuldendeckungsgrad hätte.
Autor: Benjamin Giezendanner SVP-Nationalrat und Mitglied der Verkehrskommission

Etwas müsse passieren, sagt Benjamin Giezendanner, abbauen, die Preise erhöhen oder sanieren. Cool bleiben, wie sich SBB-Chef Ducrot ausdrückte, sei schon gut, das könne man aber nur, wenn man den Bund quasi als Bank im Rücken habe: «Ich könnte da aber nicht mehr schlafen, wenn ich einen solchen Schuldendeckungsgrad hätte.» Es ginge nicht, dass ein Verlust von über 400 Millionen Franken in einem halben Jahr entstünde. «Das sollte auch Herrn Ducrot stark beunruhigen», so Giezendanner.

Es ist wichtig, dass wir eine nachhaltige Finanzierung finden – und nicht kurzfristige Sparmassnahmen ergreifen, die dem Gesamtsystem öffentlichen Verkehr schaden würden.
Autor: Edith Graf-Litscher SP-Nationalrätin und Mitglied der Verkehrskommission

Giezendanners Kollegin in der Verkehrskommission, SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher, widerspricht. Die Staatsbahn sei und bleibe ein Erfolgsmodell, sagt die frühere Managerin eines SBB-Bahnhofs. «Deshalb finde ich es wichtig, dass wir eine nachhaltige Finanzierung finden – und nicht kurzfristige Sparmassnahmen ergreifen, die dem Gesamtsystem öffentlichen Verkehr schaden würden.»

Bei der nachhaltigen Finanzierung denkt Edith Graf-Litscher an den Bund. Bis Ende Jahr will er die Finanzprobleme der SBB analysieren und danach Lösungen für eine Stabilisierung vorlegen. Das findet die Thurgauer SP-Nationalrätin den richtigen Weg, Abbau würde der Bahn nur schaden: Wenn man kurzfristig Verbindungen streichen würde, würden die Leute aufs Auto umsteigen.

Abbau und Sparen? Schwierig

Auch der Verkehrsexperte Matthias Finger von der ETH Lausanne argumentiert mit der Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene. Deshalb werde die SBB in Zukunft sogar noch mehr gefordert sein, beim Bestreben, die Mobilität auf den öffentlichen Verkehr zu konzentrieren.

Sanierungsfall oder nicht, das spielt keine Rolle. Wir als Schweiz müssen uns diesen Backbone leisten.
Autor: Matthias Finger ETH-Professor und Verkehrsexperte

Sparen oder abbauen bei der SBB sei schwierig: «Die SBB ist ein systemrelevantes Unternehmen, das die Schweiz mobil macht und mobil hält, und das die Schweiz so braucht.» Abbau sei nicht wünschbar für das Land. Und es gebe auch keine Alternative zu der SBB, sagt Professor Finger weiter, ohne sie gehe es nicht. Die SBB sei der Backbone, das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs. Matthias Finger geht noch weiter: «Sanierungsfall oder nicht, das spielt keine Rollen. Wir als Schweiz müssen uns diesen Backbone leisten.»

Info 3, 25.09.2021, 17 Uhr

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93 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Warum auch dramatisch?
    Too big to fail!
  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Wer begleicht schliesslich die Defizite und Schulden: Steuerzahler und Privatverkehr über Treibstoffabgaben auf Diesel und Benzin, das Transportgewerbe zusätzlich über LSVA. Absehbar dass diese Abgaben weiter erhöht werden, denn heute schon vergreift sich Bund massiv an diesen Einnahmequellen, die eigentlich für Strassenunterhalt und -erneuerung vorgesehen wären, die aber in Tat und Wahrheit heute schon grössten Anteil an ÖV, Luxus-Velospuren und -wege bis zu AHV Zuschüsse bezahlen.
    1. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      @zeiner. Was stänkern sie wieder einmal gegen Velos-Spuren? Es wird viel zu wenig für Alternativen zu Autoverkehr getan!!
  • Kommentar von Benny Schmid  (.Ben)
    Und normalsterbliche werden bereits mit einer Schuld von unter 100 CHF betrieben… wo bleibt da die Gerechtigkeit?
    1. Antwort von Aurel Specker  (Auspec)
      Nur wenn das keine Darlehen sind oder Sie die Zinsen nicht bezahlen.

      Oder sagen Sie mir, dass alle wegen Hypotheken (=Schulden) betrieben werden?

      Bei Unternehmensschulden ist es das Gleiche.