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Elektroautos heizen die Batterie-Produktion an
Aus Trend vom 29.01.2021.
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Batterien für Elektroautos «Europa kann den Markt für Elektroauto-Batterien erobern»

Europa darf sich bezüglich Batterie-Produktion von Elektroautos keine Illusionen machen. Der Vorsprung der asiatischen Hersteller ist gross, sie haben jahrelange Erfahrung in der Massenproduktion. Trotzdem sieht Achim Kampker, Professor an der Universität Aachen, Chancen für europäische Unternehmen.

Achim Kampker

Achim Kampker

Professor im Bereich Elektromobilität

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Achim Kampker ist Professor für Produktionsprozesse im Bereich Elektromobilität an der technischen Universität RWTH Aachen. Von 2014 bis 2019 war er Geschäftsführer des elektrischen Nutzfahrzeugherstellers StreetScooter.

SRF News: Die Batterie-Produktion ist seit Jahren fest in den Händen asiatischer Firmen. Kann Europa in diesem Markt überhaupt noch Fuss fassen?

Achim Kampker: Definitiv. Es gilt allerdings die Chancen, die sich jetzt ergeben, zu nutzen. Das erste Signal ist, dass es in Europa nun einen Markt gibt: Die Elektromobilität ist da, Batterien werden gebraucht. Wir werden bei den Batterien – trotz der Kapazitäten, die jetzt aufgebaut werden – eine grosse Unterdeckung haben. Genau da liegt die Chance, einen Teil des Marktes zu erobern.

Grosse Zunahme bei den Elektroautos

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Im vergangenen Jahr ist die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos in Europa stark gestiegen: Gemäss der Europäischen Vereinigung der Autohersteller (ACEA) war bereits jedes zehnte verkaufte Auto ein Elektrofahrzeug. Der Marktanteil stieg von 3 Prozent (2019) auf knapp 11 Prozent im vergangenen Jahr. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei den Hybridautos: Deren Marktanteil stieg von rund 6 Prozent auf fast 12 Prozent.

Umgekehrt ist die Entwicklung bei den Verbrennungsmotoren: Der Marktanteil der Benzin- und Dieselautos ist europaweit auf rund 75 Prozent gesunken.

In der Schweiz zeigt sich gemäss Auto Schweiz eine noch stärkere Entwicklung. 2020 erreichten die Hybrid- und Elektroautos zusammen einen Marktanteil von gut 28 Prozent (2019: 13 Prozent). Die Entwicklung geht weiter in diese Richtung: Im Januar 2021 ist der Wert auf über 35 Prozent gestiegen, im Gegenzug sank Anteil der Benzin- und Dieselfahrzeuge auf knapp 65 Prozent.

Wie könnten europäische Firmen konkret vom wachsenden Markt profitieren?

Es gibt verschiedene Ansätze. Das schwedische Unternehmen Northvolt etwa verfolgt das Thema «grüne Batterie». Das heisst, den CO2-Rucksack, den man mitschleppt, sobald die Batterie produziert ist, möglichst klein zu machen. «Northvolt» setzt deshalb bei der Produktion auf erneuerbare Energie, auf Wasserkraft.

Es gibt ein Einsparpotenzial von 30 bis 40 Prozent, um eine Batteriezelle herzustellen.

Ein anderer Ansatz wäre, die Produktion selbst deutlich energieeffizienter zu machen. Da geht es um ein Einsparpotenzial von 30 bis 40 Prozent, um eine Batteriezelle herzustellen. Diese beiden Ansätze könnten die europäische Industrie weit nach vorne bringen und eine Art Alleinstellungsmerkmal für europäische Produzenten sein.

Aktuell steht vor allem die Massenproduktion im Vordergrund. Haben neue Entwicklungen eine Chance gegenüber gestandener Technik?

Bei den asiatischen Herstellern ist das so: Sie kaufen Anlagen und Technologie in Asien. Für europäische Maschinen- und Anlagenbauer ist es schwierig, berücksichtigt zu werden. Deshalb ist es sinnvoll, mit europäischen Batterieherstellern neue Dinge zu erarbeiten, sodass eine Differenzierung möglich ist.

Logo eines Elektrofahrzeugs auf der Strasse.
Legende: Auch die Rahmenbedingungen der EU und die hochgesteckten CO2-Ziele würden europäischen Herstellern helfen, Marktanteile zu erobern, betont der Experte. Keystone

Allerdings benötigen auch die asiatischen Unternehmen eine europäische Zulieferindustrie. Deshalb bauen sie nun lokale Zulieferketten auf. Und da ergibt sich die nächste Chance: Europäische Firmen könnten all die Komponenten rund um die Batteriezellen herstellen.

Die EU hat nach langem Zögern die Bedeutung der Batterie-Produktion erkannt und Unterstützungsbeiträge in Milliardenhöhe gesprochen. Kommen diese Schritte zu spät?

Ich denke, dass Europa gute Chancen hat. Ausgemacht ist es zwar nicht – es ist ein offener Wettbewerb. Europa hat einen hervorragenden Maschinen- und Anlagenbau, die Rahmenbedingungen der EU sind gesetzt und die CO2-Ziele müssen erreicht werden. All das begünstigt die Position europäischer Unternehmen.

Ich glaube, dass Europa in der Batterie-Produktion signifikante Anteile gewinnen kann.

Welche Marktanteile sind für europäische Firmen realistisch?

Ich glaube, dass Europa in der Batterie-Produktion signifikante Anteile gewinnen kann; irgendwo im hohen zweistelligen Prozentbereich. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Industrie die richtigen Schritte macht und mutig in den wachsenden Markt geht.

Das ist oft die Krux in Europa: Wir weisen im Kleinen nach, dass etwas funktioniert, anschliessend skalieren wir. Das ist in der Elektromobilität nicht möglich. Da ist der amerikanische Ansatz zielführend, dass man grosse Geldsummen investiert und erst später profitabel wird. Wenn wir das verstehen, hat Europa eine Chance auf grosse Marktanteile.

Das Gespräch führte Matthias Heim.

Trend, 29.01.2021, 19:00 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Hanhart  (Thomas63)
    Was mich nach drei Jahren Selbstversuch mit einem gebrauchten E-Auto am meisten überrascht hat, ist die Haltbarkeit der Batterie. Diese ist nun sieben Jahre alt und hat immer noch 93% ihrer ursprünglichen Kapazität. Tatsächlich ist es das aktive Temperaturmanagement (Kühlung, Heizung), was die Alterung gegenüber Handy- und Laptop-Akkus deutlich vermindert. Ich denke, dass eine Haltbarkeitsdauer von zwanzig Jahren in der Zukunft möglich sein wird, was die Recyclingfrage doch deutlich relativiert.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Der Hauptunterschied liegt darin, dass Handy-Akkus typischerweise Lithium-Polymer-Akkus sind, das sind Produkte die bei weitem nicht die Lebensdauer erreichen können, wie die Lithium-Ionen Akkus die in Automobile eingebaut werden. Sie haben jedoch recht, 20 Jahre wird zur Normalität in Bezug auf Lebensdauer der LIB's werden.
  • Kommentar von Richard Limahcer  (Limi)
    Wie wäre es die Mobilität generell runter zu fahren? Die Pyramiden wurden ohne Autos erbaut. Man hat in der Nähe gewohnt! Wäre auch lustig geworden, wenn man extra eine Autobahn hätte bauen müssen. Die Halbierung des CO2-Ausstosses durch Elektroautos ist nicht wirklich berauschend.
    1. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Die meisten Menschen wollen ihn und die meisten Menschen wollen nicht auf Mobilität verzichten. Je weniger die Atmosphäre darunter leidet, umso besser.
    2. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      Bauten wie z.B. die Pyramiden waren nur durch Sklavenarbeit und tausende Tote möglich. Suboptimale Aussichten und für meinen Geschmack etwas gar viel Whataboutismus .... ;-))
    3. Antwort von Thomas Hanhart  (Thomas63)
      Abgesehen von dem etwas schrägen Vergleich finde ich richtig was sie sagen. Nach drei Jahren Selbstversuch mit einem gebrauchten E-Auto bin ich selbst total überzeugt von dieser neuen Antriebsform. Gleichzeitig habe ich aber auch eine höhere Sensibilität gegenüber dem Verbrauch der wertvollen Ressource Strom entwickelt. Ich überlege mir zwei mal, ob ich jetzt das Auto nehme um einkaufen zu gehen oder nicht doch die zwei mal zwanzig Minuten zu Fuss gehe. Ich glaube beide Aspekte sind wichtig.
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Die Batterien sind das Herz eines jeden elektrischen Fahrzeugs. In Europa könnte eine nachhaltige Batterieindustrie samt Recycling-Kreislauf aufgebaut werden. Wenn man will!
    1. Antwort von Norbert Zeiner  (ZeN)
      Weit aus Wolken von medial und politisch geschührten Hoffnungen und massiven Geldmitteln könnte schon nachhaltige Li-Batterieindustrie aufgebaut werden. Nur müssten dazu erst Jahrzehnt-alte technische Hürden überwunden und Lösungen dazu gefunden, geschweige denn industriell umgesetzt werden. Spreche von Recycling von Li-ionen Batterien. Über nachhaltig kann man sich Gedanken machen, wenn all das andere irgendwann vielleicht erfunden sein wird. Völlig verwegen zu behaupten, man müsse nur wollen.
    2. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      @ Zen. Leute wie sie, verwenden ihre Energie hauptsächlich dazu, Argumente zu finden, dass etwas nicht geht. Meine Energie, ist mir für langwierige Diskussionen mit solchen zu Schade.;-)))
    3. Antwort von Felix Bosshardt  (fbosshardt)
      @Charly. Die Schweiz hat mit Leclanche bereits so einen Hersteller. Tip, kaufen Sie deren Aktie. Ich persönlich bin der Meinung, umwelttechnisch ist der Verbrennungsmotor ist der bessere Antrieb. Grüner Treibstoff wird leider verhindert, es geht wieder nur ums Geld weil schon alle in Tesla investiert sind, inkl. SNB.
    4. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      @bossart. Dann kaufen Sie Ihre leclance Aktien. Ich habe lieber in ein Speedped investiert!;-))
    5. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Bosshardt: Umwelttechnisch ist der Verbrennungsmotor die insgesamt schlechteste aller Alternativen. Grüner Treibstoff ist nicht vorhanden. Bio-Treibstoffe sind nicht grün, sie verdrängen die Lebensmittelproduktion.