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Was wird nach Benzin und Gas sonst noch teurer?
Aus Espresso vom 18.03.2022. Bild: Keystone
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Belastung fürs Portemonnaie Was wird nach Benzin und Gas auch teurer?

Wer baut oder ein Auto kaufen will, dürfte bald mehr bezahlen.

Der Krieg in der Ukraine sorgt für rekordhohe Energiepreise. Das merken wir insbesondere beim Tanken: Benzin und Diesel sind innerhalb kurzer Zeit deutlich teurer geworden. Damit steigen auch die Transportkosten von Unternehmen. Und es ist kaum zu erwarten, dass diese einfach entsprechend tiefere Margen in Kauf nehmen: «Höhere Transportkosten werden sich auch auf andere Produkte überwälzen», sagt etwa Alexander Rathke von der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich. «Den grössten Effekt gibt es wohl beim Luftverkehr.»

Und Martin Eichler vom Konjunkturforschungs-Unternehmen BAK Economics sagt: «Dort, wo der Transport eine wichtige Rolle spielt, werden die Preise wohl steigen.»

Wie stark sich die Preise verändern werden, ist noch nicht klar: Von früheren Ereignissen wisse man, dass ein sehr starker Anstieg des Ölpreises sich bei weitem nicht so stark auf die Konsumgüter auswirke, sagt Alexander Rathke von der KOF. «Der Rohölpreis liegt aktuell bei etwa 100 US-Dollar. Wenn das so bleibt, dürfte der Effekt auf die Ladenpreise nicht sehr gross sein.» Das sei aber natürlich auch abhängig vom weiteren Verlauf des Krieges.

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Steigende Flugpreise – auch wegen der Pandemie

Den weit grösseren Effekt auf die Preise erwartet Rathke dieses Jahr weiterhin von den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Als Beispiel nennt er Flugreisen: Im Zuge der Pandemie sei die Nachfrage zusammengebrochen mit entsprechend tieferen Preisen als Folge. Wenn sich nun die Nachfrage normalisiere, führe das ohnehin zu einem deutlichen Preisanstieg. «Die hohen Spritkosten sind dann einfach noch ein Faktor – der Wechsel von der weltweit sehr tiefen Nachfrage auf ein wieder normales Niveau dürfte deutlich stärker ins Gewicht fallen.»

Anderer Meinung ist in dieser Frage BAK-Chefökonom Martin Eichler: Er ist überzeugt, dass die höheren Spritpreise auch das Fliegen teurer machen werden. Darauf deuten auch die Angaben der Fluggesellschaften. So heisst es etwa von Swiss: «Aufgrund insbesondere der derzeitigen Entwicklung des Rohölpreises sind weitere Preisanpassungen bei Flugreisen dieses Jahr wahrscheinlich.» Einzelheiten zum Umfang dieser Anpassungen gibt das Unternehmen nicht bekannt. Etwas weniger weit geht Edelweiss: Der Treibstoff-Preis werde bei der Preisgestaltung nicht isoliert betrachtet – wenn er jedoch weiterhin stark ansteige, müsste er allenfalls «höher gewichtet werden».

Das sagen Coop und Migros

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Wie stark sich die hohen Benzin- und Dieselpreise und damit die hohen Transportkosten aufgrund des Ukraine-Kriegs auf die Preise im Detailhandel niederschlagen werden, ist offen.

Coop und Migros geben an, schon vor Kriegsausbruch Preise angepasst zu haben. Dies aufgrund pandemiebedingter Rohstoff-Knappheit und schon damals steigender Energiepreise.

Migros gibt zudem an, dass auch die Ernteausfälle 2021 zu Preisanpassungen geführt hätten – etwa bei Fruchtkonserven. Ausserdem spiele Sonnenblumenöl eine grosse Rolle bei der Herstellung von Produkten wie Getreideriegeln, Müesli oder Pommes-Chips. Wie stark die Migros von Lieferausfällen betroffen sein werde, lasse sich noch nicht abschätzen. «Wir sind dabei, uns einen Überblick zu verschaffen.» Ein Grossteil der weltweiten Sonnenblumenöl-Produktion stammt aus der Ukraine.

Teurere «Flug-Ananas», Bauprodukte und Düngemittel

Apropos fliegen: Die «Flug-Ananas» sei ein sehr gutes Beispiel, um die Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise zu zeigen, findet BAK-Mann Eichler: «Ein Flugtransport kostet bei gleichem Gewicht sehr viel mehr als der Transport per Schiff – dementsprechend dürfte der Preisaufschlag bei der Flug-Ananas deutlich höher ausfallen als bei der Ananas, die per Schiff kommt.»

Ansonsten rechnet der BAK-Experte mit höheren Preisen beim Bauen, bei Bauprodukten und auch bei Fahrzeugen: «Weil hier sowohl der Transport aufwändig ist als auch viel Energie in der Produktion benötigt wird – etwa für die Herstellung von Stahl und Aluminium.»

Alexander Rathke von der ETH-Konjunkturforschungsstelle KOF rechnet zudem mit teureren Lebensmitteln aufgrund der gestiegenen Preise für Düngemittel: «Diese sind heute fünfzig Prozent teurer als vor einem Jahr.» Hintergrund ist, dass Erdgas zur Herstellung vieler Düngemittel verwendet wird.

Espresso, 18.03.22, 08:13 Uhr

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